
Sebastian Fasthuber in FALTER 13/2026 vom 25.03.2026 (S. 28)
Sexuelle Kontakte interessierten den dänischen Dichter Hans Christian Andersen nicht. Umso ausgiebiger schwärmte er in seinen Briefen und Tagebüchern, wobei seine romantischen Sehnsüchte Männer wie Frauen betrafen. Eine innige Freundschaft verband ihn mit Henriette Wulff. Der Autor und Literaturwissenschaftler Stefan Kutzenberger hat daraus einen fantasievollen Romanplot gesponnen.
Wulff kam 1858 auf dem Weg nach New York beim Untergang des Dampfschiffs Austria ums Leben. In "Die Liste der Lebenden" schwimmt sie vor ihrem Tod auf einer Tür im Atlantik und formuliert Gedankenbriefe an Andersen. Auch dieser schreibt Wulff, krank vor Sorge. Die Konstruktion ist postmodern, der Ton historisierend: ein außergewöhnlicher Roman über Lebenslügen und die Kraft des Geschichtenerzählens.


