Meine Ahnin, die Hexe, und ich

Eine Geschichte von Familie, Wut und Weiblichkeit
336 Seiten, Hardcover
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Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten
ISBN 9783737102490
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 06.10.2026
Größe 21 x 13.2 cm
Verlag Rowohlt Berlin
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HerstellerangabenAnzeigen
Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Kreuzbergstraße 30 | DE-10965 Berlin
produktsicherheit@rowohlt.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Schön, stolz, nervig – diese Attribute brachten Frauen wie Sidonia von Borcke einst auf den Scheiterhaufen. Und heute? Ernten sie Shitstorms, Belehrungen oder Häme. Warum ist die Angst vor der unangepassten Frau noch immer so lebendig? Juliane Schiemenz, eine Verwandte von Sidonia, folgt den Spuren ihrer legendär gewordenen Ahnin, die 1620 als Hexe verurteilt wurde. Zänkisch und unersättlich soll diese gewesen sein. Kein Wunder! Weder heiratete sie, noch bekam sie Kinder, stattdessen stritt sie vor Gericht um ihr Erbe. Die Männer waren genervt. Auch heute keine unbekannte Konstellation: Wer keine Ruhe gibt, auf dem eigenen Standpunkt beharrt, gilt als «zickig» oder «angry». Frauen – ob alleinerziehend, geschieden, mit oder ohne Job – stehen für ihre Lebensentscheidungen oft in der Kritik.In einer packenden Mischung aus historischer Spurensuche und autobiografischer Erkundung legt Juliane Schiemenz damalige und heutige Erwartungen an Frauenleben frei. Sie zeigt, wie tief die Vorbehalte gegen unangepasste Frauen wurzeln. Ein mutiges, persönliches Plädoyer, dem Druck der Norm etwas Eigenes entgegenzusetzen.

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ISBN 9783737102490
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FALTER-Rezension

HEX AND THE CITY

Lale Ohlrogge in FALTER 44/2026 vom 28.10.2026 (S. 24)

Margit Böhmer hat sich viel Mühe gegeben, Weltliches aus ihrem Haus zu verbannen. Statt Familienfotos und Blumenvasen zieren getrocknete Spinnen in Tupperdosen und Schlangenhaut in Einmachgläsern das Regal. Ganz oben wacht ein ausgestopfter Rabe.

"Ich hatte schon immer einen Hang zum Düsteren", erklärt Böhmer, 61, aus Ebergassing bei Wien. Seit 30 Jahren verdient sie ihr Geld haupt-und freiberuflich als Hexe Maggie. Sie schätzt an der Arbeit die Unabhängigkeit: kein Mann, kein Chef, nur sie, ihre Kunden und die Magie. Dabei stehe sie "in einer matriarchalen Tradition". Die Götter, die sie anbetet, sind allesamt weiblich, genauso wie der Großteil ihrer Kundschaft.

Seit einigen Jahren befindet sich die Hexe auf einem Höhenflug. Nicht nur zu Halloween streifen schwarzbehutete Frauen durch die Straßen. In heimischen Kunstperformances reiten Frauen regelmäßig auf Besen, in Film und Fernsehen sowieso. Spätestens seit der 1968er-Bewegung gilt die Hexe als Ikone des feministischen Widerstands. Sie steht für die Gräueltaten, die Frauen erleiden mussten, aber auch für Selbstermächtigung: als Inkarnation der emanzipierten Frau, die ohne Mann zurechtkommt.

Zugleich spült der Online-Trend #witchtok magische Rituale in die Timeline. Junge Frauen teilen ihre Zaubertrankrezepte, gehen auf Heilkräutersuche in den Wald und hexen sich vor laufender Kamera die Haare glänzend. Diese Zauberwelt kommt mitunter reaktionär daher. Wie feministisch ist die Hexe also wirklich? Und warum spukt sie seit der Antike durch die Kunst und inzwischen auch durch die sozialen Medien?

Maggie hat den Ruf der Magie früh gehört. "Schon als Kind war ich sehr empfänglich für Energien", berichtet sie. Zunächst wollte sie Nonne werden. Ein Leben im Kloster, weit weg von der Welt, ganz nah bei Gott. Doch im Alter von 16 Jahren geriet ihr Glaube ins Wanken. "Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast", so steht es in der Bibel, und so wurde es in ihrer katholischen Mädchenschule gelehrt. "Das wollte ich nicht. Ich bin von niemandem die Magd", erklärt Maggie entschieden.

Und so schuf sie sich ihre eigene Religion. Heute ist der wichtigste Feiertag nicht mehr Weihnachten, sondern ihr Geburtstag. "Ohne den gäbe es mich schließlich nicht." Sonntags geht sie nicht in die Kirche, sondern zündet zuhause ein Räucherstäbchen an, um ihren Göttinnen nah zu sein. Einst betete sie zur "roten Göttin", sie steht für Fruchtbarkeit, doch nachdem sie das "Knochentor" der nordischen Todesgöttin Hel durchschritten hatte, also in die Menopause gekommen war, ist Hekate, die griechische Göttin des Todes und der Hexenkunst, ihre Angebetete.

In einer Zeit, in der Institutionen wie die Kirche an Bedeutung verlieren, sehnen sich Menschen nach Bräuchen und Ritualen, erläutert die deutsche Autorin Juliane Schiemenz. In dem unlängst erschienenen Buch "Meine Ahnin, die Hexe, und ich" begibt sich Schiemenz, 45, auf die Spuren einer prominenten Vorfahrin. Sidonia von Borcke wurde im Jahr 1620 wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Ihr Fall ist einer der am besten dokumentierten Hexenprozesse der frühen Neuzeit. Die geschätzten 100.000 Verfolgungen, die im 16. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt fanden, richteten sich zu 80 Prozent gegen Frauen.

"Einige dieser Frauen waren älter und alleinstehend", führt Schiemenz im Gespräch aus. Die vermeintlichen Hexen hatten keine Männer, die vor Gericht zu ihren Gunsten hätten aussagen können. Deshalb wurden sie häufiger verurteilt. Zudem galten Singlefrauen in der frühen Neuzeit als randständig; als Aussätzige, mit denen etwas nicht stimmte.

Auch heute noch, findet Schiemenz, müssten kinderlose Frauen mit Anfeindungen oder zumindest blöden Kommentaren rechnen. In der Biografie ihrer Ahnin entdeckte sie mehrere Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Schiemenz selbst hat keine Kinder, ist alleinstehend und gesteht, "den einen oder anderen Heilkristall" zuhause herumliegen zu haben. Das Schicksal von Sidonia von Borcke endete brutal. Unter Folter gestand sie alle 72 Anklagepunkte, darunter mehrere Morde und Sex mit ihrer Katze. Der Richter ließ sie enthaupten und auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Widerspenstig sei Sidonia gewesen, erzählt Schiemenz, eine Adelige, der ihr Vermögen zum Verhängnis wurde. Immer wieder hatte Sidonia Rechtsstreitigkeiten gegen ihren Bruder angezettelt, der ihr widerrechtlich das Erbe vorenthielt. Ökonomische Streitereien seien ein häufiger Grund für Anklagen gewesen. "Vermeintliche Hexen waren häufig unbequeme Frauen, die man loswerden wollte", fasst Schiemenz zusammen.

Die Widerborstigkeit, die Frauen der frühen Neuzeit das Leben kosten konnte, machte die Hexe Jahrhunderte später zu einem Fixpunkt der feministischen Geschichtsschreibung.

"Die Hexe verkörpert die von jeglicher Dominanz, von jeglicher Begrenzung befreite Frau", schreibt etwa die französische Theoretikerin Mona Chollet. "Sie ist ein anzustrebendes Ideal, sie weist den Weg."

Ab den 1960er-Jahren stieg die zaubernde Frau zum Protestsymbol auf. 1968 bildeten sich in New York City die ersten W.I.T.C.H.-Kollektive, die mit Hexenhut auf ihre künstlerischen Aktionen aufmerksam machten. An Universitäten ließen sie feministische Blätter fliegen und weiße Mäuse frei. Sie verfluchten Richard Nixon, damals US-Präsident, und bewarfen Redner im Senat mit Antibabypillen. In Frankreich fanden feministische Debatten in der Zeitschrift Sorcières - auf Deutsch: Hexen - statt, in der prominente Autorinnen wie Marguerite Duras, Luce Irigaray oder Julia Kristeva publizierten.

Seitdem schwebt die Hexe im Namen des Female Empowerment herum. Zum Beispiel in Frankreich, wo im September 2017 Französinnen gegen die Reform des Arbeitsrechts auf die Straße gingen und skandierten: "Macron in den Kochtopf!" Auf Demos gegen Patriarchat und Kapitalismus, etwa in Polen oder Deutschland, heißt es auf Bannern: "Wir sind die Enkelinnen der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet!"

Als Standardwerk des Feminismus gilt das 2004 erschienene Buch "Caliban und die Hexe" der italienisch-amerikanischen Wissenschaftlerin Silvia Federici. Federici analysierte die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit, um ihren feministischen Marxismus zu illustrieren. Damals setzte sich der Kapitalismus durch, und der ging mit Enteignungen einher. Männern wurde Land genommen, Frauen der Körper, schreibt Federici. In der kapitalistischen Arbeitsteilung sollten sie die Rolle von Gebärmaschinen übernehmen. Ältere Frauen, die sich nicht an der Reproduktionsarbeit beteiligen konnten, wurden als Hexen gebrandmarkt und vernichtet.

Dass Hexen heute die Auflehnung gegen das Patriarchat symbolisieren, habe wenig mit historischen Fakten zu tun, sagt Christa Tuczay, österreichische Kulturwissenschaftlerin und Koryphäe auf dem Gebiet der Magiegeschichte. "Es werden moderne Kategorien des 21. Jahrhunderts unkritisch auf das 17. Jahrhundert zurückprojiziert", kritisiert sie. Politische Benachteiligungen von heute mit den Folterprozessen vor 300 Jahren zu vergleichen, sei unverhältnismäßig und eine "biologische Trivialisierung", findet Tuczay. Das körperliche Leid, die Brutalität und die Härte gerieten in zeitgenössischen Hexendramen in den Hintergrund.

Die Formel "Männer gegen Frauen" sei im Fall der Hexenprozesse zu einfach, findet auch Buchautorin Juliane Schiemenz. "Frauen waren Teil dieses Glaubenssystems." Häufig seien sie es gewesen, die vermeintliche Hexen denunzierten. Ihre Ahnin Sidonia selbst habe bezüglich einer Gegnerin gewünscht, sie "brennen zu sehen".

Ein weiteres Bild der Hexe, das sich wacker hält, ist jenes der Heilerin: der Hebamme, die ob ihrer Naturkenntnisse der Zauberei beschuldigt und getötet wurde.

"Dabei lag der Anteil sogenannter Kräuterweiber unter einem Prozent der Verurteilten", relativiert Tuczay. Verantwortlich für das Bild der Naturhexe sei nicht die Geschichte, sondern die Fantasie eines berühmten Schriftstellers.

Im 19. Jahrhundert avancierte die Hexe von der gefürchteten Bedrohung zur literarischen Projektionsfläche. Jacob Grimm sammelte mit seinem Bruder Wilhelm die bekannten Märchen unserer Zeit und brachte ihre Überlieferungen zu Papier. Die Geschichte von Hänsel und Gretel prägte das Bild der alten, hässlichen Magierin, die allein im Wald haust. Daneben beschäftigte sich Grimm auch mit Sprachwissenschaften.

So wie es eine römische und eine indische Sagenwelt gab, wollte Grimm eine germanische Mythologie freilegen. In seinem 1835 erschienenen Werk "Deutsche Mythologie" befreite er die Hexe vom Vorwurf der Magie. "Grimm befand, dass Hexen keine verblendeten Opfer waren, sondern sogenannte weise Frauen", erklärt Tuczay. Er zeichnete sie "als Heilerin, die Reste einer altgermanischen vorchristlichen Naturreligion bewahrte".

Beweise lieferte er dafür nicht. Seine Annahme, dass weibliches Kräuter-und Heilwissen von anderen dämonisiert worden sei, beruhte eher auf einer romantischen Rekonstruktion als auf Quellenbefunden.

Die Frau als naturverbunden, als körperlich intuitiv und emotional: Heute bietet dieses Hexenbild jede Menge Identifikationspotenzial -und das ausgerechnet in solchen Kreisen, die nichts mit Feminismus am Hut haben.

Zum Beispiel im Onlineshop von AUF 1, einem rechtsextremen TV-Sender, den die FPÖ mitfinanziert. Dort können "Aufgewachte" alle möglichen Utensilien zum spirituellen Seelenheil erwerben: Räucherstäbchen, Yogakissen oder einen Räucherkessel namens "Mondphasen". Neben dem Lexikon zum Hexenwesen befasst sich das Buch "Hexenkräuter im Hochbeet" mit Heilpflanzen und "grüner Magie".

Auch die Nazis hatten ein Faible für Zauberkunst. Im Jahr 1935 gründete Heinrich Himmler ein Forschungsunternehmen, das die historische Hexenverfolgung systematisch aufarbeiten sollte. Für die Nazis waren die Hexen ein Zeugnis altgermanischer Mystik, welche die katholische Kirche durch die Hexenverbrennungen vernichten wollte. Auch heute finden altgermanische Esoterik und Hexenglauben in rechten Kreisen Anklang. Insbesondere zu Corona-Zeiten gingen Kräuterfrauen und Schamanen auf die Straßen, um gegen Impfungen zu protestieren.

Zufall sei der Rechtsdrall nicht, findet Juliane Schiemenz. "Wenn Frauen naturverbunden sind, dem weicheren Bereich des Lebens zugeneigt, dann kann man sie nicht in eine männliche Arbeitswelt werfen", erklärt die Autorin. Der angestammte Platz der Naturfrau liege klar bei der Kindererziehung, beim Gebären, beim Kochen und Backen. "Einige Feministinnen warnten davor, dass uns das Naturfrauenbild dorthin zurückführt, wo Männer uns jahrhundertelang haben wollten: an den Herd."

Die rechts-esoterische Kräuterfrau, die widerborstige Alte, die aufmüpfige Ikone. Das sind nur einige der kursierenden Hexen-Interpretationen. Allein von Sidonia von Borcke gibt es etliche Darstellungen. Sie hängt als schöne Verführerin im Londoner Tate Museum, in Romanen ist sie als kaltblütige Manipulatorin festgeschrieben, und in ihrer Heimatstadt, dem heute polnischen Stettin, werden kleine Sidonia-Püppchen an Touristen verkauft.

400 Jahre nach ihrem Tod ist Sidonia eine popkulturelle Figur. Und damit ist sie nicht allein. Die Zeichentrickfigur Bibi Blocksberg verzauberte mehrere Generationen von Kindern, in der Serie "Charmed" meistern moderne, selbstbewusste Großstadtfrauen ihr Doppelleben, und die bekannte heimische Künstlerin Elisabeth von Samsonow, derzeit in der Heidi Horten Collection zu Gast, tritt im schwarzen Umhang auf. Die Hexe ist eine über Jahrhunderte gewachsene und vielfach interpretierte Figur. Auch das könnte den Trend erklären. Aus all den Bildern, die schon von Hexen gezeichnet wurden, sucht sich jede die Hexe aus, mit der sie sich am besten identifizieren kann.

Mit jedem Hype lässt sich Geld verdienen. Zum Beispiel auf dem Online-Marktplatz Etsy, wo sich geschäftstüchtige Magierinnen an Verzweifelten bereichern. Tausende sogenannte Etsy-Hexen bieten auf ihren Profilen magische Dienstleistungen an: für Rache, Lust oder größere Brüste. Der Zauber "Ex zurückgewinnen" kostet etwa fünf Euro, für den "Lottogewinn am selben Tag" müssen Kunden 83 Euro hinlegen. Per Post versendet wird nichts. Käufer erhalten eine digitale Benachrichtigung, wenn der Zauber "ausgeführt" wurde.

"In meinem Metier gibt es leider viele Scharlatane", klagt Hexe Maggie in ihrem Haus in Niederösterreich. Online-Zauber hält sie für unseriös. Statt Heilsversprechen bietet sie als Orakel-Hexe "magische Hilfe zur Selbsthilfe". Sie möchte ihren Kundinnen helfen, über den Ex-Mann hinwegzukommen, statt ihn zurückzuzaubern.

Laut ihren Schilderungen ähneln ihre Beratungen einem Termin bei einem Lebensberater oder einer Therapeutin, die das Leid ihrer Kundinnen mit magischen Reflexionen und Tarotkarten zu ergründen versucht. Aber Zauberei ist keine Kassenleistung: Eine Stunde Beratung kostet 100 Euro. Zudem verkauft sie verhexte Hilfsmittelchen.

Die magische "Geld-anziehen"-Kerze etwa liegt bei 29 Euro. Den "Ritualtipp" gibt es gratis dazu: Bei zunehmendem Mond solle man drei Tropfen "Geldöl" (Kostenpunkt 13 Euro) in die Kerze träufeln und "drei Kupfermünzen" mit dem Spruch "Magneta Moneta" magnetisieren. Das Entzünden der Kerze aktiviere den Zauber. Die Kupfermünzen würden zu "Geldmagneten".

"Raus aus der Opferrolle", das ist das erklärte Ziel von Maggie, die sich zwar nicht als Feministin bezeichnen würde, aber dennoch wöchentlich bis zu zehn Kundinnen zur Selbstermächtigung ermutigt. Die Frauenpower ihrer Rituale beschränkt sich auf den privaten Bereich. Hexe Maggie überlässt die politischen Kämpfe lieber anderen: "Ich muss nicht alles mitmachen, was die verrückte Regierungsbande da treibt", sagt sie. Ihre magischen Rituale geben ihr die Möglichkeit, ihren "kleinen Lebensbereich so zu gestalten, dass es mir und meiner Familie gut geht".

Vielleicht ist der Hexen-Hype auch deshalb ein Ausweis unserer Gegenwart. Kriege, Krisen und Klimawandel erscheinen für das Individuum unlösbar. Magie täuscht Handlungsmacht vor: Aus dem Zaubertrank wird Opium fürs Volk -und aus der Hexe eine Ersatzpriesterin. Auch mit der Bibel und stillen Gebeten lässt sich nur schwerlich eine Revolution anzetteln. Für eine wohltuende Realitätsflucht genügen sie allemal. So sehen es zumindest Menschen, die Hokuspokus für Humbug halten.

Doch wer auf den Zauber vertraut, kann sein Glück finden. Wer's glaubt, wird bekanntlich selig

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