Liebe, Lust und Abenteuer

97 Begegnungen meines Lebens
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Muhammad Ali, Josephine Baker, Brigitte Bardot, Marlon Brando, Coco Chanel, Salvador Dalí, Marlene Dietrich, Juliette Gréco, Audrey Hepburn, John Malkovich, W. Somerset Maugham, Édith Piaf, Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre, Romy Schneider … Er hatte sie alle vor der Kamera oder vorm Mikrofon. Georg Stefan Troller, Jahrhundertmensch und Lebenskünstler, berichtet von 97 unvergesslichen Begegnungen mit Größen aus Kunst, Film und Fernsehen, Musik, Showbusiness und Politik – sogar eine Wahrsagerin ist dabei. Entstanden ist eine Mischung aus intimen Interviews, Aphorismen, Anekdoten, Bonmots, Fotografien und Geschichten, die in vielfältiger Form das Kernthema der menschlichen Existenz umkreisen: den Eros, unsere Trieb- und Antriebskraft. Die Liebe in ihrer körperlichen und geistigen Gestalt, der Sprung vom petite mort zu dessen großem Bruder, die latente Gefahr des Lebens und der Liebe selbst: Dies ist der Stoff des ewig alten aber ständig neuen Abenteuers, unwiderstehlich dargeboten von prominenten Protagonisten.

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FALTER-Rezension

Im Gespräch mit Cohen, Piaf und Ali

97-jährig stellt der Journalist, Filmemacher und Drehbuchautor Georg Stefan Troller ein neues Buch in Wien vor: „Liebe, Lust und Abenteuer“

Georg Stefan Troller vorab noch einmal kurz vorzustellen kann nicht schaden. Immerhin, so erzählt der schreibende ­Filmemacher und filmende Autor verschmitzt, sei er nicht nur einmal verwechselt ­worden. Beispielsweise mit dem großen ­deutschen Schriftsteller Ernst Toller, und das, obwohl der bereits 1939 aus dem Leben geschieden war. Oder er sei Opfer eines phonetischen Missverständnisses geworden. So etwa im Fall des amerikanischen Supermodels Lauren Hutton, das sich bei seinem Namen gar an einen Hochseefischer (Trawler) erinnert fühlte.

Das ist nicht bloß ein Witz, sondern typisch für Trollers außergewöhnliche Kunst, seinem Gegenüber ungewohnt nahezurücken. Er hat schätzungsweise 2000 Interviews geführt, zuerst fürs Radio, dann fürs deutsche Fernsehen, und sich dabei nie mit Oberflächlichkeiten zufrieden gegeben. Eben darauf zielt auch Huttons durchaus hintersinniges Wortspiel ab, das Troller in seinem jüngsten Buch, „Liebe, Lust & Abenteuer – 97 Begegnungen meines Lebens“ verewigt hat, und aus dem der inzwischen 97-jährige Autor dieser Tage in Wien liest.

Im Gegensatz dazu, was ­seine meisten Kollegen behaupten, sagt Troller über die ­Begegnungen mit ­prominenten Künstlerinnen und Künstlern, sei diese ­Abfragerei und ­Abfilmerei doch vor allem eine Flucht vor der ­Selbstkonfrontation gewesen: „Ich hab’s dann mal so gesagt: ‚Ich filme, um nicht gefilmt zu ­werden. Ich ­stelle Fragen, damit man mir keine Fragen stellt.‘ Ich habe diese ­Menschen, über die ich ­Porträtfilme machte, zu Figuren meines ­persönlichen ­Theaters gemacht – das muss ich zugeben, so oft ich es auch bereut oder geleugnet habe.“

Die Biografie im Telegrammstil. ­Troller, 1921 als Sohn ­eines jüdischen Pelzhändlers in Wien ­geboren, aufgewachsen rund um den Salzgries, das damalige Textilviertel der Stadt, wurde 1938 von den ­Nazis ­vertrieben, 1943 US-Bürger und 1949 in ­Frankreich heimisch. Dort begann er als Korrespondent fürs ­westdeutsche Fernsehen zu arbeiten; seine Reihen „Pariser Journal“ (50 Folgen) sowie „Personenbeschreibung“ (75 Folgen) werden legendär und weisen ihn als gewitzten Essayisten und Wahrheitssucher mit Mut zur eigenen Meinung aus

Daneben verfasst Troller – angefangen mit der Hitler-Biografie „Ein junger Mann aus dem Innviertel“ (1973) – die Drehbücher zu insgesamt fünf wichtigen Fernsehfilmen in der Regie von Axel Corti; so auch zur Trilogie „Wohin und zurück“ (1986), in der er seine eigene Exilerfahrung verarbeitet. Zudem ist er Autor einer ganzen Reihe populärer Bücher zur Kulturgeschichte von Paris und Wien.

Schon als Bub, erinnert sich Troller, sei er Filmfan gewesen. „Ich erinnere mich an das Kolosseum-Kino. Irgendein Film wurde angezeigt: dieser Schauspieler hätte einen taufrischen Humor. Ich las das als ‚teuflisch‘ und bin sofort hineingegangen. Teuflischer Humor? Das wäre eine Sache für mich gewesen!“

Der kleine Schorsch liebt Filmkomödien, Buster Keaton vor allem und Charlie Chaplin. Zu seinen prägenden Kinoerlebnisse gehören „Die Nibelungen“, die Werke Sergej Eisensteins und „Die Dreigroschenoper“ von G.W. Pabst. „Was ich weniger mochte, waren solche Wiener Spezialitäten wie der Operettenfilm. Viele Jahre später habe ich in Südfrankreich die seinerzeit berühmte und sehr beliebte Schauspielerin Lilian Harvey getroffen. Sie muss damals an die 70 gewesen sein und gab sich ganz unverdrossen: ‚Bin immer bereit, meine Rolle im deutschen Film wieder aufzunehmen.‘ Das ist Schauspielernaturell!“

Die 97 für das neue Buch ausgewählten Begegnungen reichen von Muhammad Ali bis Peter Ustinov, von Edith Piaf bis Hanna Schygulla, von Leonard Cohen und Anaïs Nin bis Marlon Brando. Mit den Männern redet Troller gern über Frauen, mit den Frauen am liebsten über Männer. Manche vertrauen sich ihm an, andere machen zu. In der Emigration und im Krieg, den er als Verhörspezialist in amerikanischer Uniform erlebte, habe er unter Selbstzweifeln und Vereinsamung gelitten, schreibt der Autor im Vorwort: „Darum stellte ich auch meine Fragen damals mit einer Zudringlichkeit, ja Unverschämtheit, die mich heute verblüffen und die ich schon lange nicht mehr aufbringe.“

Selbst seine „Blamagen“ sind spektakulär. Beispielsweise ein noch fürs Radio geführtes Interview mit ­Brigitte Bardot, die er mit Spickzettel und besonders originellen Fragen am Künstlerausgang der Olympia Music Hall abpasste: „‚Madame, was war der schönste Tag in Ihrem Leben?‘ ‚Es war eine Nacht.‘ ,Was macht Sie am meisten bei einem Mann an?‘ ‚Die ­Eifersucht seiner Frau oder ­Geliebten.‘ ‚Warum tragen Sie nie Lippenstift?‘ ,Das hinterlässt Spuren.‘ ‚Welches war die dümmste Frage, die man Ihnen je gestellt hat?‘ ‚Diese!‘“

Beim Fernsehen fängt Troller 1961 an. Das „Pariser Journal“ gleicht vom Format einer Wochenschau, nur dass kulturelle Angelegenheiten im Mittelpunkt stehen und es mehr persönlicher Essay als objektivierender Bericht ist. „Als ich zum ersten Mal beim WDR auftauchte, zeigte man mir ein paar Filme und sagte: ‚So macht man das.‘ Und ich wusste in dem Moment: Genau das wollte ich nicht. Die älteren Kollegen waren natürlich alle in den Nazi-Propaganda-Kompanien gewesen; die jüngeren hatten bei der BBC gelernt, und dort lernte man Objektivität, selbst wenn es um Südafrika und Apartheid ging. Also nein, das war nicht meine Art, meine Filme waren immer subjektiv.“

Geschnitten werden sie in Paris, in Köln bearbeitet und vertont, danach in Schwarzweißkopie zurückgeschickt nach Paris und dort getextet. Troller schreibt meistens nachts, die Stoppuhr in der Hand, und spricht dann auch selbst den Kommentar ein. Seine dunkle, unverkennbar wienerisch grundierte Sprachmelodie wird zum Markenzeichen seiner Filme.

„Mit seinem Plauderbass“, ­notierte Walter Jens in der Zeit, „spricht er, den Konsonanten S durch einen exotisch-aparten Zischlaut belastend, die Worte in singendem Tonfall … so dass sich die Punkte zu ­Doppelpunkten ­auflösen, aus Einschnitten Verbindungen werden.“ Selbst wenn man nur einen der Filme kennt, hat man ­diesen unvergleichlichen „Troller-Sound“ ­sofort im Ohr.

Zu wahrer Meisterschaft läuft Troller mit den „Personenbeschreibungen“ auf, halb- bis dreiviertelstündige Porträts, für die er 20 Jahre lang mit demselben Kameramann (Carl F. Hutterer) und derselben Schnittmeisterin (Elfi Kreiter) zusammenarbeitet. „Es gibt nichts Schöneres als ein Team, wo man einander liebt“, sagt Troller heute. „Das ist eine Art Schutzwall. Das hat mir natürlich behagt und die unvermeidlichen Komplexe des Emigrantendaseins konnten auf diese Art überwunden werden.“

Er dreht mit Jugendlichen im ­Gefängnis, mit dem Comiczeichner Art Spiegelman in Auschwitz, mit dem querschnittgelähmten ­Vietnamveteranen Ron Kovic, dessen versehrten ­Körper („Ich lebe weiter mit ­meinem ­eigenen Leichnam, der Krüppel, der ­Hinkemann, der Mann mit dem ­toten Schwanz“) er ganz unverblümt ins Bild setzt.

Aus dieser Begegnung, erzählt Troller, erwuchs eine langjährige Freundschaft. „Wie dieser uniformierte, völlig ungebildete junge Mann, der ein Buch geschrieben hat, ,Geboren am 4. Juli‘, dessen Titel er nicht einmal richtig zu buchstabieren wusste, nur durch sein Leiden erkannte, worauf es ankommt im Leben – das hat mich schwer beeindruckt. Er wurde zu einem Antikriegskämpfer. Das Nächste, was ich von ihm sah, waren Wochenschauaufnahmen aus London: Er protestierte gegen den Falklandkrieg, indem er sich in seinem Rollstuhl vor Nummer 10 Downing Street aufbaute und Flugzettel verteilte.“

Immer versuchte Troller in seinen Porträts etwas zu bringen, das ihn persönlich anging. Eigentlich seien es „Lehrfilme“ gewesen, sagt der Regisseur und Autor, nur durfte man das im Sender damals – um Himmels willen! – nicht laut sagen. „Ich hab oft mit Behinderten gedreht, mit irren Verbrechern, unangenehmen Personen. Das Höchste, was man mit solchen Filmen erreichen kann, ist, sie so herüberzubringen, dass der Zuschauer sich am Ende sagt: ‚Das bin ja ich.‘“

Der schlimmste Dreh aber, erinnert sich Troller, sei ausgerechnet jener mit Woody Allen gewesen, seinem absoluten Lieblingsregisseur. Denn dieser habe mit der ihm eigenen Subtilität nichts unversucht gelassen, um den Film zu ruinieren. Der Vertrag erlaubte: 15 Minuten Klarinettenkonzert, 15 Minuten am Schneidetisch, 15 Minuten Interview. Nicht eine Minute von irgendetwas sonst – und das für einen Dreiviertelstundenfilm!

„Er saß also da in einer Ecke seines Schneideraums, sodass wir nur von hinten, von seiner Glatze her, filmen konnten. Und er hat nicht etwa seinen neuen Film am Tisch gehabt, sondern nur die Titelei, und 15 Minuten lang mit seiner Cutterin diskutiert: ‚Sollen wir das größer machen?‘ Für einen Moment drehte er sich um und suchte ein Stück Film hinter sich. Ich schrie den Kameramann an: ‚Mensch, dreh das!‘, haute dabei unsere Lampe um, das Licht verlosch, es gab einen Krach – und zum ersten und letzten Mal sah ich Woody strahlen.“

Vielleicht ist dieses Missgeschick ja auch bezeichnend. Denn anders als Woody Allen konnte sich Georg Stefan Troller nach eigenem Bekunden beispielsweisweise nie mit Dr. Freuds Psychoanalyse anfreunden. „Sich ausplaudern, auf einem Sofa liegend, war nicht mein Bier. Nicht in sich selber nach Schuld zu graben, sondern sich für andere Menschen zu interessieren und einzusetzen: Das scheint mir für uns alle der Weg zu sein, der zur Selbstheilung führt.“

Michael Omasta in Falter 40/2019 vom 04.10.2019 (S. 34)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783737407540
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 04.09.2019
Umfang 216 Seiten
Genre Belletristik/Essays, Feuilleton, Literaturkritik, Interviews
Format Hardcover
Verlag Corso ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
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