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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783751821407 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 03.09.2026 |
| Größe | 21.5 x 13.5 cm |
| Verlag | Matthes & Seitz Berlin |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH info@matthes-seitz-berlin.de |
»Sie kennen mich von einem Fahndungsplakat.« Astrid Proll wird die RAF nicht los. Als Gründungsmitglied der Roten Armee Fraktion gehörte sie zu den prägenden Figuren der frühen 1970er-Jahre. Nun erzählt sie erstmals ihre ganze Geschichte: die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich zu anderen Mädchen hingezogen fühlt, früh spürt, dass es nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, und sich beharrlich ein eigenes Leben erfindet. Proll berichtet von ihrem Weg in die RAF, die ihr vorübergehend eine Wahlfamilie bietet, von Aufbruch, Radikalisierung, Illegalität und den Bildern, die politisch treffen können »wie Schüsse«. Sie reflektiert die Motive ihrer Generation, ihre Irrtümer und blinden Flecken, und erzählt zugleich von den Orten, an denen sie Halt fand: in London, wo sie untergetaucht als Automechanikerin arbeitete, und später, nach ihrer Haftzeit, als Bildredakteurin in der internationalen Fotoszene.
Astrid Proll erzählt von ihrem Versuch, die RAF hinter sich zu lassen, von Schuldgefühlen, Gewalt und Gerechtigkeitsempfinden. Ein beeindruckendes und aufschlussreiches Zeugnis deutscher Geschichte sowie eines Lebens zwischen Entschlossenheit, Erschöpfung, Solidarität und Neuanfängen.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783751821407 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 03.09.2026 |
| Größe | 21.5 x 13.5 cm |
| Verlag | Matthes & Seitz Berlin |
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| Herstellerangaben | Anzeigen MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH info@matthes-seitz-berlin.de |
Robert Misik in FALTER 39/2026 vom 23.09.2026 (S. 16)
Astrid Proll ist heute eine ältere Dame, nächstes Jahr wird sie 80. Sie spricht mit trockenem Witz und provokativ direkt. Gelegentlich kann es passieren, dass sie durch Bad Ischl, eine ihrer vielen Heimaten, spaziert und sich im Café Ramsauer mit Freundinnen trifft. In Kassel geboren, nach der Trennung der Eltern in Internaten untergebracht, war sie als Teenagerin im Salzkammergut in der Schule. Hier hat sie die Gegenkultur der 60er-Jahre angesteckt. Es ist eine skurrile Pointe der Geschichte, dass sie in Ischl mit dem späteren FPÖ-Chef Jörg Haider die Schulbank drückte. Der bog von hier nach weit rechts ab. Proll nicht.
Als sie das Gymnasium schmiss, ging es direkt nach Berlin, wo ihr älterer Bruder Thorwald in der Welt der Studentenbewegung und der 1960er-Jahre-Rebellion schon eine fixe Größe war. Über ihn kam sie in Kontakt zu dessen Freundeskreisen, der Kommune I und späteren Terroristen wie Andreas Baader und Gudrun Ensslin.
Sie steckten mit Prolls Bruder 1968 ein Frankfurter Kaufhaus in Brand, um den Vietnamkrieg und den Konsumkapitalismus zu bekämpfen. Das war der Startpunkt zu einer Radikalisierungsgeschichte, bei der Astrid Proll von Beginn an dabei war und die sie nun, als eine der letzten Überlebenden dieser Ära, aufgeschrieben hat.
Mit Baader, Ensslin und anderen haute sie erst nach Paris ab, dann nach Rom, wo sie die RAF gründeten, die Rote Armee Fraktion. Ulrike Meinhof war auch dabei, als publizistische Stimme der Gruppe. Proll war um ein paar Jahre jünger als die anderen, und so beschreibt sie die Geschichte der RAF-Gründung als ein Geschehen, das ihr auf seltsame Art widerfuhr, als wäre sie darin völlig passiv gewesen.
Das verleiht ihrer Biografie da und dort einen seltsamen Klang, aber es wird wohl auch eine Wahrheit darin sein: Viel mitzureden hatte die Anfang 20-Jährige damals noch nicht.
Proll war patent, eine Bastlerin, streifte mit Baader durch Handwerkerläden, fuhr gekonnt schnelle Autos, vorzugsweise Alfa Romeo -lauter Dinge, die man im terroristischen Untergrundkampf gut brauchen konnte. Lakonisch beschreibt sie diese Geschichte, rückt ein paar Klischees zurecht: RAF-Führer Andreas Baader, vier Jahre älter als sie, war ein Macho, Brüller, ja, aber er war auch "intelligent, forsch und mutig".
Bevor sie wen ermorden konnte, war sie 1971 schon verhaftet. "Ich habe großes Glück gehabt", schreibt sie. In der Isolationshaft wurde sie schwer krank. Als haft-und verhandlungsunfähig auf freien Fuß gesetzt, floh sie nach London, wo sie inkognito ein neues Leben begann, bis sie 1978 aufflog.
Aber da war das Klima schon ein anderes, liberale Politiker wollten das Kapitel RAF mit einer Art "Entspannungspolitik" beenden. Das ersparte Proll Jahrzehnte an Haft. "Ich bin durch die RAF hindurchgegangen und hatte sie hinter mir gelassen auf einem Weg nach vorn", schreibt sie. Ihre Jugendfreunde, fast allesamt tot, will sie durch wortreiche Distanzierung nicht verraten, weshalb sie keine Forderung nach theatralischer Entschuldigung erfüllt.
Astrid Proll hat die packende Geschichte eines Lebens aufgeschrieben, einer Zeit, die wild und verrückt war, und zugleich Abgründe aufriss, in die die Autorin gestürzt ist und sich durch glückliche Umstände retten konnte. Es ist zugleich große Literatur, in der fast jedes Wort sitzt. So etwas hat man von Beteiligten in dieser Qualität noch nicht gelesen, man nimmt das Buch zur Hand und legt es nicht mehr weg.
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