
Linn Ritsch in FALTER 11/2026 vom 11.03.2026 (S. 24)
Ein schmales Büchlein mit viel Gehalt: Der Philosoph und politische Theoretiker Julian Nida-Rümelin widmet sich in seinem Essay den gravierenden politischen Umbrüchen unserer Zeit. Was vielen, die diese Veränderungen in Echtzeit miterleben, diffus oder unklar scheint, erhält in Nida-Rümelins Analyse eine Kontur. Klarheit schafft der Autor nicht, indem er vereinfacht oder auf Eindeutigkeit pocht. Sondern indem er Komplexität zulässt: So zeichnet er etwa zwei Narrative nach, die Hintergründe und Erklärungsansätze für den russischen Angriff der Ukraine liefern. In dem inhaltlich dichten Text geht es unter anderem um Europas Verhältnis zu den USA und um die veränderte Position Chinas. Nida-Rümelin warnt vor Kriegspropaganda und einer Politik, die vermittelt, dass wir in einer Vorkriegszeit leben. Stattdessen plädiert er für Kooperation, Konfliktminderung und Stabilisierung.


