Dear Britain

Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens
256 Seiten, Hardcover
€ 24,70
-
+
Lieferung in 2-5 Werktagen
Mehr Informationen
Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Memoiren, Berichte, Erinnerungen
ISBN 9783755800699
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 12.05.2026
Größe 20.8 x 13.4 cm
Verlag DuMont Buchverlag
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Amsterdamer Straße 192 | DE-50735 Köln
herstellung@dumont.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
Kurzbeschreibung des Verlags

Als Annette Dittert am 31. Januar 2020 um Mitternacht vor der Downing Street stand, um live in den ARD-Tagesthemen darüber zu berichten, dass der Brexit in dieser Nacht nun endgültig vollzogen sei, schossen ihr kurz vor der Schalte plötzlich Tränen in die Augen. Längst war London ihr Zuhause geworden. Jetzt war der Bruch mit der EU nicht mehr umkehrbar. Für sie und viele Briten, die bis zum Schluss noch auf einen anderen Ausgang gehofft hatten, ein bedrückender Tag. Zehn Jahre später fragt sich Annette Dittert, was aus dem Land geworden ist. Sie nimmt uns mit auf eine Reise über die Insel: Wir besuchen die Royal Albert Hall und das House of Lords, schwimmen mit der Frauengruppe „Blue Tits“ im Meer an der Ostküste der Insel, plaudern mit Schotten, Priestern und Earls. Und sind bei der Autorin auf ihrem Narrowboat Emilia zu Gast, einem kleinen bunten Boot aus Stahl am Regent´s Kanal, mitten im Zentrum Londons. So entsteht ein facettenreiches Bild der eigenwillig-charmanten Briten, deren prekäre wirtschaftliche und soziale Situation – nicht nur in Folge des EU-Austritts – im Alltag spürbar ist und die doch stets Haltung bewahren. »Jedes Mal, wenn Annette Dittert in der ARD zugeschaltet wurde, dachte ich erfreut: Let the show begin. Und genau so liest sich dieses Buch. Annette Dittert verbindet politische Analyse mit persönlicher Erfahrung jahrelanger Korrespondentenzeit. So entsteht ein vielschichtiger, oft überraschender Blick auf ein Land, das vielen Deutschen vertraut scheint und das sich doch erst wirklich erschließt, wenn man Einblicke hinter seine Rituale, Widersprüche und Eigenheiten erhält. Und die liefert Annette Dittert und nicht zu wenig. Grandios! « NATALIE AMIRI »Dieses fantastische Buch ist ebenso unterhaltsam wie klug. Ein tiefer Blick in die Seele der Briten, geschrieben fast wie ein Roman. Ich konnte nicht aufhören zu lesen!« ULRICH WICKERT

Mehr Informationen
Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Memoiren, Berichte, Erinnerungen
ISBN 9783755800699
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 12.05.2026
Größe 20.8 x 13.4 cm
Verlag DuMont Buchverlag
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Amsterdamer Straße 192 | DE-50735 Köln
herstellung@dumont.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
FALTER-Rezension

"Ich bin eine alte Jungunternehmerin"

Tessa Szyszkowitz in FALTER 37/2026 vom 09.09.2026 (S. 20)

Claudia Reiterer verlor mit 56 Jahren 2024 ihren Job als Moderatorin der wichtigsten Diskussionssendung im ORF. Die Sendung wurde mit ihr gekübelt und durch "Das Gespräch" ersetzt. Als man ihr zu verstehen gab, sie sei weg vom Schirm, machte sich Reiterer als Keynote-Speakerin selbstständig.
Frauen trifft "Gendered Ageism" - die doppelte Diskriminierung von Frauen aufgrund von Geschlecht und Alter - besonders hart. Das belegen Studien.

Das klassische Fernsehen muss sich inzwischen schon selbst fürchten, bald zum alten Eisen zu gehören. Neue Formate machen öffentlich-rechtlichen, aber auch privaten Sendern das Publikum streitig. Youtube, Instagram, Kurznachrichtendienste - Information wird heute anders konsumiert als früher. Das birgt auch Chancen.

Medienfrauen aus TV und Print können auch mit 50+ sichtbar bleiben. In Podcasts. Oder als Instagram-Influencerin. Diesen Trend nimmt auch der Journalistinnenkongress JoKo auf. Die Jahreskonferenz im November in Wien heißt: "Neustart statt Niedergang."

Das klappt nicht immer. Aber immer öfter. Vier Vertreterinnen dieses Phänomens stellt der Falter vor.

Vor der Kamera wollte sie nicht alt werden. Konnte sie im ORF eventuell auch nicht. Drei Jahrzehnte hatte Birgit Fenderl im ORF wichtige Nachrichtenformate moderiert, bei der "ZiB" hatte sie mit 22 Jahren angefangen. "Es ist mir schon als junge Frau aufgefallen, dass manche Kollegin einfach irgendwann vom Moderationspult verschwunden ist, während die Männer geblieben sind." Sie selbst hielt sich gut. Zuletzt war sie Gastgeberin des Vorabendmagazins "Studio 2":"Ich war nicht akut gefährdet, aber es war mir schon klar, dass ich nicht als Moderatorin in Pension gehen werde."

Darum sprang Birgit Fenderl 2024 ab und gründete 2025 ihren eigenen Podcast: "Von wegen Pause! Wechseljahre, ein fulminanter Neustart." Das Thema bot sich an: Sie steckte ja selbst gerade darin. Ihr Publikum ist, wen wundert es bei diesem Thema, vornehmlich weiblich. Zu ihren Live-Events in der Kulisse "kommen auch manchmal Männer mit, aber selbstverständlich ist die Zielgruppe vor allem Frauen in diesem Alter". 150.000 Downloads, sagte sie, hat sie schon, im Monat 6000 bis 7000 Hörerinnen. Ein erfolgreicher Nischen-Podcast.

Fenderl ist längst nicht die Einzige, die mit einem Podcast zu den Wechseljahren Erfolg hat. "Hormongesteuert" oder "Menomio" in Deutschland, "The Dr Louise Newson Podcast" oder "Hit Play Not Pause" in den USA - das Thema zieht. Kein Wunder, denn: "In den Wechseljahren haben ja nicht alle Frauen körperliche Symptome, aber zwei Drittel dann doch", sagt Fenderl. Ihr war das Thema schon deshalb so wichtig, weil "es mich selber Anfang, Mitte 40 so erwischt hat". Sie redet mit ihren Gästen aber nicht nur über "Hitzewallungen -das wäre dann doch zu langweilig". Es geht um Sichtbarkeit von Frauen oder darum, wie Paare, etwa die Opernregisseurin Carolin Pienkos und der Schauspieler Cornelius Obonya, mit ihrer Menopause umgehen.

Der Podcast ist so etwas wie ihre Visitenkarte geworden. Lukrativer sind die Seminare als Expertin für die Wechseljahre, die sie hält. Kameracoachings sind ein Spezialgebiet - nach 30 Jahren Erfahrung weiß sie, wie es geht. Sie wird, wie früher auch schon, gerne als Moderatorin gebucht. Und sie schreibt Bücher.

In "Kurswechsel bei 5.0" hatte sie schon 2021 das Porträt einer Generation fünfzig plus aufgeschrieben, die sich neu erfindet. Wie sie selbst eben. Ein Jahr nach ihrem Abgang aus dem ORF sitzt die 55-Jährige zufrieden vor einem gefüllten Terminkalender: "Ich bin eine alte Jungunternehmerin."

Das kann auch Veronika Pelikan von sich behaupten. Die ehemalige Chefredakteurin der Frauenzeitschrift Wienerin hat mehrere Magazine für den Styria-Verlag und die News-Gruppe durch Relaunches begleitet. Zu ihrem 60. Geburtstag vor fünf Jahren hat sie ein neues, eigenes Medienprojekt begonnen: "Wechselweise" heißt es.

Auf der gleichnamigen Webseite wird mit Missverständnissen aufgeräumt: "Es geht bei den Wechseljahren nicht um alte Frauen", sagt Veronika Pelikan. Oft beginnen sie ja schon mit Anfang, Mitte 40: "Mit 45 ist frau aber gerade in der Mitte des Berufslebens." Im 19. Jahrhundert erlebten viele Frauen ihren 50. Geburtstag nicht mehr, heute leben Menschen viel länger, sagt Pelikan: "Frauen fünfzig plus sind ein gesellschaftspolitisch wichtiges Thema geworden." Dass der Menschheit so ein Medium guttun könnte, kam ihr an einer Tiefkühltruhe im Supermarkt.

Sie blieb dort im Gespräch mit einer Bekannten hängen, die ihr erzählte, dass sie nicht schlafen könne, sich mit ihrem Mann streite. Und dass sie das noch niemandem erzählt habe. "Wechselweise" schafft Abhilfe. Vor allem, weil es Pelikan "um einen wissenschaftlich fundierten Austausch zwischen Fachpersonen und Publikum" geht.

Kann so ein Projekt profitabel sein? Ja, sagt Veronika Pelikan. Die Webseite hat etwas mehr als 100.000 Zugriffe pro Monat. Besucherinnen kommen über den Newsletter, aber zum großen Teil über Google und Social Media. Es gibt keine Paywall. Die Redaktion ist mit fünf schreibenden Frauen klein, viele Beiträge stammen von Forschungseinrichtungen und Institutionen wie der Europäischen Menopausengesellschaft. Das Sales-Team hat fünf Mitarbeiter. Finanziert wird "Wechselweise" vornehmlich durch gesponserte Kooperationen.

Darüber hinaus organisiert Pelikan auch den jährlichen Meno-Day, diesmal am 18. Oktober im Wiener Palais Niederösterreich. Ein Info-Event rund um die Wechseljahre, da kommen die wichtigsten Expertinnen - und Experten - zur Menopause und "800 gut gelaunte Frauen" zusammen, sagt Pelikan nicht ohne Gründerinnenstolz: "Der Meno-Day ist der größte Wechseljahre-Event im deutschsprachigen Raum."

Superlative sind auch in den neuen Medien wichtig, in denen sich Frauen mit fünfzig plus engagieren. Aber nicht immer sind es die meisten Klicks, die sie interessieren. Als Edith Meinhart Ende 2023 vom Nachrichtenmagazin Profil wegging -zwar einvernehmlich, aber nicht ganz freiwillig -, machte sie die Not zur Tugend: "Es ist nicht der Journalismus, der in der Krise ist. Sondern die Medien", sagt die 61-jährige Oberösterreicherin heute. Sie hatte 26 Jahre lang für Profil geschrieben. "Einer der Gradmesser für mich in Redaktionen ist immer, wie viele Frauen und Ältere aus den Redaktionen rausgedrängt werden. Mit Handshakes, mit Mobbing, mit Kündigungen aller Art, manchmal vermeintlich freiwillig, manchmal einvernehmlich."

Das geht ihrer Meinung nach besser: "Ich halte es für einen kompletten Irrweg zu glauben, dass man mit jungen Leuten allein und mit möglichst viel Anpassung an das, was viele Klicks bringt, Medien retten kann." Im Gegenteil, so empfindet sie das: "Generell werden Erfahrung und berufliche Seniorität nicht genug geschätzt. Und das halte ich nicht nur für brutal, ich halte es auch für extrem dumm."

Sie hat leicht reden. Viele Kolleginnen und Kollegen sehen sich derzeit nach Jobs um, weil Arbeitsplätze eingespart werden. Meinhart aber, die für ihre Sozialreportagen vielfach ausgezeichnet wurde, fand schnell einen Platz bei einem Medium nach ihrem Geschmack. Ex-Profil-Kollege Michael Nikbakhsh holte sie und Christa Zöchling, die ebenfalls vom Profil "stillgelegt" (©Zöchling) wurde, zu seinem neuen Podcast "Die Dunkelkammer". Statt in Pension ist Zöchling neben Nikbakhsh und Meinhart eine der Hosts der "Dunkelkammer".

Was Meinhart gefällt: sich Zeit zu nehmen, in ein Thema einzutauchen. Wie ihre Art von Journalismus funktioniert, hat sie gerade wieder einmal bewiesen. Als sie ein Brief von einer Frau erreichte, die darauf hinwies, dass die letzten drei Chorfrauen vom Kloster Goldenstein gar nicht so freiwillig, wie berichtet, ins Altersheim umgezogen seien, setzte Meinhart sich in den Zug und fuhr sie besuchen.

Am Ende dieser Recherche steht jetzt ein Buch über die drei rebellischen Nonnen. Die Recherche hat international für Schlagzeilen von New York Times bis Le Monde gesorgt. Die Nonnen kehrten inzwischen ins Kloster zurück.

Das Buch ist zuerst in der eigens gegründeten Edition Lauter erschienen. Ein Wagnis. Dann aber stieg, als die erste Auflage von 4000 Stück weg war, der deutsche Kösel-Verlag ein, der wiederum im Besitz von Penguin Random House ist. Das Taschenbuch kam im Mai 2026 auf den Markt.

Eine Erfolgsgeschichte. Aus der Podcast-Serie über die widerspenstigen alten Gottesfrauen entstand ein Buch und daraus ein kleiner Verlag: Die Edition Lauter wird auch in Zukunft die "Dunkelkammer" begleiten.

Der Sprung ins kalte Wasser kann natürlich auch ein Bauchfleck werden, Jobwechsel können ins berufliche Aus führen. Freie Journalistinnen und Journalisten arbeiten oft am Rande der Selbstausbeutung. Oder darüber hinaus.

"Ich hatte schon gewisse Sorgen, dass das schief geht", erzählt auch Annette Dittert. Sie war mit Unterbrechungen von 2008 bis 2025 lange Jahre ARD-Korrespondentin in London. Mit 62 -also einige Jahre vor ihrem Pensionsantritt nach dem deutschen System -verließ sie die ARD im Dezember 2025, um sich selbstständig zu machen.

Auf Instagram verabschiedete sich Dittert quasi privat. Weil es ihr dann doch nicht so leicht fiel, sich von ihrer Zuseherschaft loszusagen, sagte sie: "See you next Thursday!" So wurde ihr wöchentliches Videoformat geboren. Weil sie im Fernsehen nicht mehr zu finden war, wechselten ihre Fans mit ihr auf das soziale Netzwerk. Das ist dank Katzenfotos und Kurznachrichtenvideos inzwischen ein attraktiver Ort des Infotainments und Austausches geworden. Für viele ein Ersatz für klassische Nachrichtenkanäle. Dittert hat jetzt, Anfang September, bereits 159.000 Follower. Das erste Video wurde zweieinhalb Millionen Mal angesehen.

Ihr wöchentliches Info-Video stellt sie selbst her. Oft auf ihrem Hausboot Emilia auf dem Kanal im Londoner Bezirk Maida Vale, wo sie das ganze Jahr über wohnt. Der Laptop, ein Stativ, ein Smartphone: "Ich habe ja Erfahrung vor der Kamera und beim Schneiden." Dass man den Videos anmerkt, wie sie entstanden sind, ist vielleicht ihr Erfolgsrezept. Die Zutaten: Scharfe Analyse mit einer ordentlichen Prise Engagement und Humor, serviert in Blümchenbluse. "Die Neue Rechte spielt ständig mit einer negativen Weltsicht", sagt Dittert. Die Leute würden aber auch Mut und Lebenslust wollen, glaubt sie. Als freie Journalistin könne sie sich jetzt ihre Meinungen leisten: "Es ist eine politische Haltung, positiv zu bleiben."

Ihr eigenes Buch "Dear Britain" erschien im Frühjahr in Deutschland und hat seitdem die Spiegel-Bestsellerliste nicht mehr verlassen. Dort stand es 14 Wochen lang auf Platz eins, derzeit auf Platz zwei. Die Buchpräsentation fand im Berliner Delphi-Filmpalast mit knapp 700 Zuschauern statt. "Ich verstehe auch nicht ganz, was die Leute so begeistert", sagt Dittert. Sie signierte Bücher bis nach Mitternacht.

In dieser Rezension ebenfalls besprochen:

weiterlesen