Popóm

Roman
224 Seiten, Hardcover
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783755800798
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 14.07.2026
Größe 20.8 x 13.4 cm
Verlag DuMont Buchverlag
Sammlung Literatur aus Österreich Besser lesen mit dem FALTER - Die Bücher zum Podcast Folge 151-
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HerstellerangabenAnzeigen
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Amsterdamer Straße 192 | DE-50735 Köln
herstellung@dumont.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Seine Endzwanziger hat sich Hendrik Popom anders vorgestellt. Nichts will ihm so richtig gelingen. In seinem Agenturjob sitzt er seine Zeit ab, mit seiner Freundin lief es schon einmal besser, und dann ist da plötzlich dieser Mann – Popóm. Er ist fast doppelt so alt und dennoch weiß Hendrik: Dieser Mann bin ich. Zögerlich nähern sich die beiden einander an. Ihre Beziehung ist voller Rätsel, Zuneigung und Widerstände. Hendrik hofft, in seinem anderen Ich das zu finden, was ihm in seinem Leben fehlt – Halt und Zuversicht. Doch je stärker er sich an Popóm klammert, desto mehr weicht dieser zurück. Als er sich einer Kollegin anvertraut, begreift er, welch hohen Preis man zahlt, wenn man sich dem Leben entzieht. In ›Popóm‹ entfaltet sich das klassische Literaturmotiv des Doppelgängers vor der Kulisse einer immer unübersichtlicheren Gegenwart. Nach dem großen Erfolg ihres Debüts ›Nincshof‹ und der beim Bachmann-Wettbewerb mehrfach ausgezeichneten Kurzgeschichte ›Das Gurkerl‹ lotet Johanna Sebauer erneut die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aus – leichtfüßig und mit feinem Humor.

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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783755800798
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 14.07.2026
Größe 20.8 x 13.4 cm
Verlag DuMont Buchverlag
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FALTER-Rezension

Das bin doch ich

Sebastian Fasthuber in FALTER 29/2026 vom 15.07.2026 (S. 29)

Ein junger Mann holt Snacks - und begegnet sich im Supermarkt selbst. Der modisch gekleidete Typ im saharagelben Mantel und mit taubengrauem Hut, den er beim Regal mit den Dosenpfirsichen sieht, könnte vom Alter her sein Vater sein. Optisch ähnelt er ihm indes gar nicht.
Trotzdem ist dem antriebslosen Endzwanziger Henrik Popom in dem Moment bewusst: Das bin doch ich. Die Situation fühlt sich für ihn wie ein Déjà-vu an. Nur dass das seltsame Gefühl von Dauer ist.

Mit dem Roman "Popóm" - um zu verstehen, was es mit dem Akzent auf sich hat, muss man den Roman lesen - legt die österreichische Autorin Johanna Sebauer eine aufgeweckte Abwandlung des in der Literatur der Romantik wie später auch in der Moderne beliebten Doppelgängermotivs vor. Nach Vea Kaiser und Tonio Schachinger ist sie der nächste österreichische Stern am deutschsprachigen Buchmarkt.

Gleich mit ihrem Debüt "Nincshof" nahm der Kölner DuMont Verlag Sebauer 2023 unter Vertrag -ein Jackpot. Dort erscheinen die Werke von Haruki Murakami und Michel Houellebecq in deutscher Übersetzung. Nicht schlecht für eine liebevoll-schräge Romansatire über ein burgenländisches Dorf, das von der Landkarte verschwinden will.

Anklang fand der Erstling vor allem wegen der Formulierungsgabe und des Sprachwitzes. Einen Schub erfuhr Sebauers Karriere durch den Bachmannpreis, wo sie 2024 mit ihrem Beitrag "Das Gurkerl" den Publikumspreis wie auch den 3sat-Preis einsackelte. Der Text machte die Auswüchse der Aufregungskultur im Internet kenntlich, ohne großartig zu übertreiben.

Von ihrem Erfolg ist Sebauer selbst überrascht. Ihren Job in der Wissenschaftskommunikation hat sie schließlich gekündigt.

Weniger, weil es mit dem Schreiben so gut läuft, sondern vielmehr, weil es auf Dauer nicht machbar ist, vom Burgenland aus für ein Hamburger Forschungsinstitut zu arbeiten.

Nach elf Jahren in der Hansestadt ist sie 2024 ins Burgenland zurückgekehrt und wohnt nun wieder in dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist. "Im Hinterkopf habe ich immer gewusst, dass ich irgendwann zurückkomme", sagt Sebauer. "Hamburg finde ich nach wie vor großartig, aber ich gehöre in den Süden."

Durch den Tod ihres Vaters bekam jenes "Irgendwann" plötzlich Dringlichkeit. Sie ist die Tochter der Verlegerin Vera Sebauer, die bereits 2015 verstorben ist, und von Wolfgang Weisgram, der als Sportredakteur und Burgenland-Korrespondent für den Standard schrieb. Das Jahr 2024 war für Sebauer extrem fordernd: "Zuerst ist mein Onkel gestorben, dann mein Vater und dazwischen war der Bachmannpreis." Sie hat keine Geschwister. Nach kurzem Überlegen war für sie klar, dass sie das Elternhaus unbedingt behalten will und dort einziehen wird.

"Es ist wieder mein Ort", sagt sie. "Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Familie. Manchmal fühlt es sich schräg an, im Haus meiner Kindheit zu leben. Aber ich hätte nicht gewollt, dass jemand anderer drin wohnt. Vielleicht ist es nicht für immer, aber im Moment das Richtige."

Johanna Sebauer wurde 1988 in Wien geboren. Kurz vor ihrer Einschulung übersiedelte die Familie in einen "Bastler-Hit" nach Marz im Bezirk Mattersburg. Rückblickend findet sie das Aufwachsen am Land gut: "Natürlich hatte ich als Teenager Phasen, wo ich mir dachte: Warum sind wir da? Es ist alles so langweilig. Woanders auf der Welt ist immer was los, und bei uns nichts. Aber eigentlich war es eine ziemlich coole Jugend."

Nach der Matura wollte sie dennoch weg. Sie studierte Politikwissenschaft in Wien und absolvierte einen internationalen Journalismuslehrgang. Das literarische Milieu lernte sie auf Hamburgs Lesebühnen kennen. Schrieb Sebauer in ihren norddeutschen Jahren die Burgenland-Hommage "Nincshof", so hat sie "Popóm" in einer Stadt im Norden Deutschlands angesiedelt.

Was mit der Supermarkt-Begegnung amüsant beginnt, wächst sich zu einer überraschend ernsten, ja existenziellen Geschichte aus. Der Roman handelt im Kern von Entfremdung, Einsamkeit und Verlusten -allerdings auf leichtfüßige Art. Man kann sich an die Lehmann-Romane von Sven Regener erinnert fühlen, oder an den frühen Thomas Glavinic.

Das Skurrile ist eine Spezialität der Autorin. Für Heiterkeit sorgt etwa eine Nebenfigur mit Faible für Steffi Werger, die ihren Bürokollegen verzweifelt beizubringen versucht, dass diese keine Schlagersängerin sei, sondern sehr tiefgründige Texte habe.

Sebauers Schreiben lebt vom "Herumscheißen", wie die Autorin es selbst nennt. "Manchmal schreibe ich einen Satz zigmal um, bis der Rhythmus für mich passt. Es kann passieren, dass mir der Vokal ,o' zu oft vorkommt. So vergeht die Zeit schnell. Ich setze mich in der Früh hin und klappe abends um acht den Laptop zu. Dann wundere ich mich, dass es schon so spät ist."

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