Bin Straßenbahn, wallah

Das Ethnolekt-Wörterbuch
120 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783800077953
Erscheinungsdatum 27.02.2026
Genre Sachbücher/Kunst, Literatur/Sprache
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Kurzbeschreibung des Verlags


Kennen Sie Sätze wie »Habibi, ich fühl das nicht« oder »Du bist nur auf TikTok, Diggah«? Für viele Jugendliche ist das ihre Alltagssprache. In Wien prägen Mehrsprachigkeit, Jugendsprache und Ethnolekt längst den Alltag. Wie ein sprachliches Take-away serviert Matej Jakic hier die Sprache der Stadt to go, frisch, authentisch und direkt aus dem Alltag Wiens. Mit Dialogen, einem Ethnolekt-Wörterbuch und Einblicken in das Leben junger Menschen zeigt er, wie diese Sprache funktioniert. 


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FALTER-Rezension

"Das 'Digga' hat das 'Oida' abgelöst"

Anna Goldenberg in FALTER 11/2026 vom 11.03.2026 (S. 43)

Wallah!", "Brate!", "Cringe!" - und natürlich "Habibi" statt "Haberer". Über 150 Begriffe aus dem Wiener Ethnolekt hat der Lehrer Matej Jakic für seine Masterarbeit gesammelt. So nennt die Sprachwissenschaft eine Mischung mehrerer Sprachen der jungen, meist migrantischen Generationen. Die Forschungsarbeit ist nun in Buchform erschienen.
Jakic, 29, selbst Sohn kroatischer Einwanderer, arbeitet als Lehrer an einer Mittelschule in Wien-Favoriten und hat seit dem Erscheinen des Buches schon wieder neue Wörter gelernt: "Bamsa", das arabische "Spaß", wenn man jemanden foppt zum Beispiel. Aber was sagt die neue Jugendsprache über die Jugend aus - und wohin führt das neue Deutsch?

Falter: Herr Jakic, wie entstand der Wiener Ethnolekt?

Matej Jakic: Er entwickelte sich aus der sogenannten "Lernervarietät". Die Gastarbeiter der 60er und 70er haben versucht, Deutsch zu sprechen, und dabei Artikel ausgelassen oder Sätze vereinfacht. Wenn ihnen Wörter nicht eingefallen sind, haben sie ihre Erstsprache verwendet. Damals waren das vor allem die Sprachen des Balkan und Türkisch.

Mittlerweile nutzen auch Menschen den Ethnolekt, die durchaus gut Deutsch sprechen.

Jakic: Für meine Masterarbeit habe ich Schulklassen untersucht. Ich beobachtete Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren, die Gruppenarbeiten durchgeführt hatten. Danach wertete ich 16 Stunden an Tonaufnahmen aus. Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen: Die Schüler wechseln zwischen Ethnolekt und Standardsprache, je nach Situation, also ob sie zum Beispiel mit dem Lehrer oder einer Mitschülerin sprechen. Sie machen das sehr schnell und geschickt. Und, zweitens, auch Schüler, die selbst keinen Migrationshintergrund haben, sprechen Ethnolekt. Das war bis dato unbekannt.

Warum tun sie das?

Jakic: Der Ethnolekt ist auch ein sogenannter Soziolekt, er wird also verwendet, um Zugehörigkeit zu signalisieren. Die Sprache dient nicht nur der Verständigung, sondern hat eben auch eine soziale Funktion.

Sie sind Jahrgang 1996 und in Wien aufgewachsen. Wie hat sich die Sprache seitdem verändert?

Jakic: Ich habe den Ethnolekt bei uns im zehnten Bezirk täglich gehört, aber konnte das Phänomen nie benennen. Was heißt das eigentlich, wenn Kinder sagen, "ich bin Sportplatz Abi"? Abi ist Türkisch und heißt "großer Bruder", ist also eine respektvolle Anrede. Mittlerweile sind aber sehr viele englische Ausdrücke dazugekommen, dank sozialer Medien. Und seit 2015 gibt es viele arabische Wörter. "Wallah", zu Deutsch "ich schwöre", oder "Habibi", also Freund, habe ich 2016 oder 2017 zum ersten Mal gehört.

Viele der Jugendwörter, die Sie auflisten, enthalten die Präposition "auf" gefolgt von einem Wort. Auf chillig, auf korrekt, auf Ehre. Woher kommt das?

Jakic: Der Ethnolekt verzichtet oft auf Präpositionen oder nutzt sie an einer anderen Stelle. "Auf dein Nacken" wäre auch so ein Beispiel. Es heißt so viel wie "du zahlst".

"Modus" ist ebenfalls sehr beliebt. Sie nennen zum Beispiel den "Balkan-Modus" für temperamentvolles Verhalten, oder den "Dankeschön-Modus", wenn man übertrieben höflich ist. Warum Modus?

Jakic: Ich glaube, das hat mit einer bekannten Spotify-Playlist zu tun, die in dieser Alterskohorte viel gehört wird. Sie heißt Modus Mio und hatte Millionen von Hörern. Im Oktober hat Spotify sie eingestellt. Sie enthielt vor allem Deutschrap. Sehr viele Ethnolekt-Wörter kommen auch aus dem Rap.

In Ihren Beispielsätzen kommt sehr oft "Bruder" vor. "Die Idee ist Gold, Bruder", zum Beispiel. Sprechen Frauen anders?

Jakic: Nein, die Sprache ist geschlechtsunabhängig. Sowohl die Mädchen als auch die Burschen haben von "Bruder" gesprochen. Auch Mädchen sagen zu anderen Mädchen "Bruder" und nicht "Schwester".

Viele klagen, das Deutsch der jungen Generation klinge nicht mehr österreichisch, sondern eher bundesdeutsch, etwa: "Was laberst du?" Das ist eindeutig deutsches Deutsch. Haben Sie das auch so erlebt?

Jakic: Auch das ist ein Social-Media-Phänomen. Mir fiel auf, das kaum jemand noch "Oida" sagt, so wie ich es in meiner Jugend tat. Das "Digga" hat das "Oida" abgelöst.

Warum?

Jakic: Das hat der deutsche Streamer Montana Black populär gemacht. Heutzutage braucht ein Wort nur einen Tag, um von London über Linz nach Wien zu kommen. Früher hat diese Entwicklung Monate oder Jahre gedauert.

Die Veränderung der Sprache, so argumentieren Sie in Ihrem Buch, sei etwas Normales -und Schönes. Aber geht nicht auch etwas verloren, wenn deutsche Streamer und US-Influencer die Wiener Mundart verdrängen?

Jakic: Niemand wird gezwungen, die neuen Wörter und Formulierungen zu verwenden. Es gibt auch Jugendliche, die sich davon abgrenzen wollen, vor allem aus gebildeten Schichten. Problematisch finde ich eher die Vorurteile gegenüber der Sprache der anderen. Wenn der Ethnolekt mit Einfachheit und Dummheit gleichgesetzt wird, wird es zum Problem. Auch ich habe übrigens Vorurteile. Ich persönlich empfinde es als positiv, wenn jemand in seinem Dialekt spricht. Ich spreche leider keinen, aber habe im Studium Studierende aus Oberösterreich und Kärnten kennengelernt. Die waren mir dann gleich sympathischer.

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