Lukas Resetarits - Krowod

Erinnerungen an meine Jugend
€ 25
Lieferbar ab Jänner 2023
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Kurzbeschreibung des Verlags:



Student bei Hans Asperger, Beinahe-Rockstar in Schweden, Gammler in Venedig und Polizeihäftling in München – dieses Buch erzählt Geschichten aus dem turbulenten Leben des großen Kabarettisten Lukas Resetarits, als er noch Erich hieß.


Kaum hat am 14. Oktober 1947 Chuck Yaeger als erster Mensch in einem Flugzeug die Schallmauer durchbrochen, erblickt im Südburgenland der kleine „Krowod“ (= Kroate) Erich Lukas Resetarits das Licht der Welt. Als Vierjähriger kommt er dann nach Wien-Favoriten, lernt zügig Deutsch und wird Ministrant bei Kaplan Adolf Holl. Warum er dann nach einer Beat-Band-Karriere und einem abgebrochenem Studium als Angestellter des Flughafens Wien eine Königin rettet, für einen Rolling Stone dessen Koffer findet und an einer Weinverkostung in Australien teilnimmt? 
All das und noch viel mehr erfahren Sie in diesem Buch, das Sie auf eine spannende Zeitreise durch die 1950er, 60er und 70er Jahre mitnimmt.Dieses amüsante autobiographische Porträt zeigt einen Lukas Resetarits, wie ihn bisher keiner kannte.



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FALTER-Rezension

Lucky Lukas

Ältere Herren reden gern über die alten Zeiten. Auch Lukas Resetarits, seit 14. Oktober 75, redet in letzter Zeit auffallend viel von früher.
Im Frühjahr bestritt der Kabarettist im Wiener Stadtsaal mit dem eineinhalb Jahre jüngeren Falter-Gründer Armin Thurnher eine Matinee, in der die beiden Gegenkulturveteranen Anekdoten aus den 60er-und 70er-Jahren austauschten.

Seit kurzem ist das lesenswerte Buch "Krowod" im Handel; Resetarits erinnert sich darin an jene 30 Jahre seines Lebens, in denen er noch kein Kabarettist war. (Merkwürdig ist nur, dass das von Fritz Schindlecker geschriebene Werk so verkauft wird, als wäre Resetarits der Autor - weshalb wir es mit dem seltenen Fall einer in der dritten Person verfassten Autobiografie zu tun haben.)

Am 10. Oktober schließlich hatte, wieder im Stadtsaal, sein neues Soloprogramm "Über Leben" Premiere. "I red' jetzt nur noch über mi und die Vergangenheit -da kenn' i mi aus!", postuliert er da gleich am Anfang.

Krowod Der in den Vorstadtbezirken Favoriten und Floridsdorf sozialisierte Lukas Resetarits ist, wie viele echte Wiener, eigentlich ein Gscherter. Geboren wurde er als erster Sohn einer burgenlandkroatischen Familie in Stinatz. Im Dorf gab es keinen Gendarmerieposten, aber sieben Wirtshäuser, und man muss sich das Leben dort ziemlich archaisch vorstellen.

Holten die Frauen Wasser aus dem Gemeindebrunnen, balancierten sie aufrechten Ganges einen Kübel auf dem Kopf; für die meisten Besorgungen musste das benachbarte Stegersbach aufgesucht werden, aber bis zur Bushaltestelle waren es drei Kilometer. Als zwei Onkel einmal in Stegersbach ein Vokabelheft besorgen sollten, konnten sie mit dem Wort nichts anfangen. Sie verstanden "Kabelheft" und kamen schließlich - zur großen Freude des Buben - mit einem Cowboyheft zurück.

Deutsch war in Stinatz eben nicht unbedingt die Erstsprache. Dass Resetarits das Buch über seine Kindheit und Jugend "Krowod" betitelt hat, ist einerseits Bekenntnis zu den kroatischen Wurzeln. Und andererseits ein Augenzwinkern in Richtung des im April überraschend verstorbenen jüngeren Bruders Willi. Die beiden Brüder haben den eigentlich pejorativ gebrauchten Begriff "Krowod" nämlich wie einen Ehrentitel getragen, so wie sich viele Roma stolz "Zigeuner" nennen.

Pilot "Erich" wäre auch ein guter Titel für das Buch gewesen. In der Zeit, von der es handelt, hat nämlich noch niemand Lukas zu ihm gesagt. Als er Ende 1975 Mitglied der Kabarettgruppe Keif wurde, gab es dort schon einen Erich, den Liedermacher Erich Demmer - worauf Resetarits den zweiten Vornamen auspackte. Seither geht ein Riss durch seinen Bekanntenkreis: Die, die ihn immer schon kennen, nennen ihn bis heute Erich; für alle anderen ist er der Lukas.

Vor allem Letztere werden in dem Buch viel Neues erfahren. Etwa wie Resetarits auf dem Weg nach Schweden in München hängenblieb und dort ein paar Monate als "Gammler" verbrachte, LSD-Trip und Polizeiarrest inklusive. Oder wie er auf dem Wiener Flughafen anheuerte und als Erstes an den Informationsschalter gesetzt wurde. Die prominentesten Klienten dort waren der britische Sänger Tom Jones, der es gerade sehr eilig hatte (" Where is the men's loo?"), und der Jungautor Peter Handke, der sich mit leiser Stimme nach dem Check-in-Schalter für seinen Flug erkundigte ("auch ihm konnte geholfen werden").

Als "Loadsheet-Officer" war Resetarits in Schwechat später dafür zuständig, dass die Flugzeuge korrekt beladen werden. Eine durchaus verantwortungsvolle Arbeit, für die er sich auch viel flugtechnisches Knowhow aneignen musste -mehr Pilot als der Loadsheet-Officer war beim Bodenpersonal niemand. Die Affinität zur Aeronautik ist dem Kabarettisten von damals geblieben; lang nach seiner Zeit am Flughafen hat er den Hubschrauberpilotenschein gemacht.

Neuanfänger Lukas Resetarits' erstes Soloprogramm hieß "Rechts Mitte Links" und hatte 1977 Premiere. Dass im selben Jahr ein eigenwillig gestaltetes Alternativblatt namens Falter herauskam, ist kein Zufall. Die Zeit war reif für neue, kritische Medien und für neue, kritische Kabarettisten.

Kaum zu glauben, aber es gab in Wien damals praktisch keine Kabarettszene. Qualtinger, Bronner &Co waren längst nicht mehr aktiv; Hader hatte noch nicht maturiert, Vitásek war gerade auf der Pantomimenschule in Paris; Kabarettlokale wie Kulisse oder Spektakel hatten noch nicht aufgesperrt. Resetarits spielte seine ersten Programme im Ensemble Theater, das damals im Keller des Konzerthauses eingemietet war (und später auf den Petersplatz übersiedelte).

Für einen Kabarettdebütanten war er mit 30 nicht mehr der Jüngste. Für ihn selbst war es das ideale Alter. "30 war für mich die Blüte des Blödelns, und darüber komme ich nicht hinaus", sagte er 35 Jahre später im Interview. "Es ist mir bewusst, dass ich ein Riesenglück gehabt habe. Was der Rock 'n'Roll für mich war, war ich für die damals stagnierende Kabarettszene in Wien. Das war mein Massel."

Resetarits war von Anfang an erfolgreich, offenbar hatte das studentische Publikum auf einen wie ihn nur gewartet: ein Bühnenviech mit einnehmendem Schmäh, ein linker Intellektueller mit Proletarier-Credibility.

Als Resetarits in den 80er-Jahren dann auch noch die Hauptrolle in der legendären ORF-Serie "Kottan ermittelt" übernahm, war er endgültig ein Star -Schattenseiten inklusive: "Der ,Kottan'-Schub hat dazu geführt, dass auch die Trotteln gekommen sind, die sehen wollten, ob's den aus dem Fernsehkastl wirklich gibt."

Altmeister Das Ensemble Theater gibt es schon lang nicht mehr, die Kellerbühne im Konzerthaus steht leer, und Lukas Resetarits ist seit zehn Jahren offiziell in Pension. Aufgehört aber hat er nie, und nun läuft, 45 Jahre nach "Rechts Mitte Links", sein 29. Soloprogramm "Über Leben". Eigentlich habe er vorgehabt, das 2021 herausgekommene Programm "Das Letzte" noch länger zu spielen, aber wegen der ständigen Regierungsumbildungen habe er es dauernd umschreiben müssen. Deshalb stellt er diesmal klar: "Es handelt sich nicht um ein klassisches politisches Kabarettprogramm, weil: Des moch i nimma!"

Um Tagespolitik geht es in "Über Leben" tatsächlich nicht, sondern um seine Kindheit in Stinatz, um Vierteltelefone und die "Halbfertiganzüge" aus dem Favoritner Modehaus Tlapa; manches überschneidet sich auch mit "Krowod".

Erstens sind Resetarits-Programme aber auch dann nie unpolitisch, wenn es nicht explizit um Politik geht; und zweitens hat er "klassische politische Kabarettprogramme" ohnedies schon lang hinter sich gelassen. Mit "Ich tanze nicht" kehrte Resetarits dem herkömmlichen Nummernkabarett 1999 den Rücken, um auf der Bühne stattdessen lieber Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Seit damals ist auch seine jüngere Tochter, die Filmemacherin Kathrin Resetarits, als Coach und Co-Autorin an Bord.

Doktor Von den drei Resetarits-Brüdern hat nur der jüngste, der Jurist und ORF-Journalist Peter Resetarits, einen Doktortitel. Bei Willi war lediglich der von ihm verkörperte Kurt Ostbahn promoviert, und Lukas konnte sich für sein Studium (Psychologie, Anthropologie, Humangenetik) nie so richtig begeistern. Eigentlich hätte er gern Medizin inskribiert, aber da haben ihn die 45 Wochenstunden abgeschreckt.

Das Interesse an der Heilkunde ist geblieben, und Resetarits wurde so eine Art Privatdoktor. Wenn in der Familie jemanden was zwickt, ruft er als Erstes den Erich an. Beim Bundesheer hat er die Sanitäterausbildung absolviert, einem befreundeten Chirurgen hat er bei kleineren Operationen assistiert. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich irgendwo in einem Landspital als Hochstapler knapp vor der Primarstelle wäre", sagte er in einem Interview einmal, und das war nicht nur ein Witz.

Lukas Resetarits ist auch selbst schon auf OP-Tischen gelegen, aber bisher ist es immer gut ausgegangen. "Ich habe die Vergangenheit überlebt, das ist eine Tatsache", hält er in seinem neuen Programm zufrieden fest. Und dann erzählt er die Geschichte, wie ihm eine Leberkässemmel einmal das Leben gerettet hat.

Wolfgang Kralicek in Falter 42/2022 vom 21.10.2022 (S. 32)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783800078004
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 15.09.2022
Umfang 196 Seiten
Genre Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Carl Ueberreuter Verlag
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