Pandemie und Gesellschaft

Ein Gespräch über eine Zeitenwende
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Der Kassler Soziologe spricht über die wachsende Bedeutung von Solidarität in Corona-Zeiten. Er sieht neues Potenzial für eine Gesellschaft, in der sich die Menschen wieder umeinander kümmern. Und die Pandemie hat gezeigt, dass der schützende Staat immer wichtiger wird.
Die Probleme nach Corona sind die Probleme vor Corona, nur schlimmer. Das hat die Pandemie schonungslos gezeigt. Ob Ungleichheit und Klimawandel, Wirtschaft und Arbeit, Geschlechterverhältnisse, Gesellschaft, Demokratie und Staat – Corona beschleunigt alte Missstände und Widersprüche. Was sind die Folgen? Wie kommen wir da wieder raus? Und was können wir besser machen? Ein Band aus unserer Corona-Interviewreihe, in der acht prominente Köpfe aus Wissenschaft, Politik und Kultur Antworten geben.

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FALTER-Rezension

Macht Schluss mit der Schüchternheit!

Es war nicht alles schlecht an der Pandemie. Eine der positiven Seiten bestand darin, dass sich Gesprächspartner zu öffentlichen Debatten zusammenfinden konnten, ohne dass man gleich einen Überseeflug unternehmen musste. Eine dieser Unternehmungen hat nun der deutsche Dietz-Verlag als Buchreihe herausgebracht. Der deutsche Staatsrechtsprofessor und SPD-Vordenker Christian Krell hat kluge Köpfe zum Dialog eingeladen. So den Soziologen Heinz Bude, die Sozialphilosophin Lisa Herzog, den Soziologen Andreas Reckwitz, die Ökonomen Thomas Piketty und Joseph Stiglitz, die Think-Tank-Leiterin Maja Göpel, die Politikerin Gesine Schwan und die Journalistin und Feministin Teresa Bücker.

Heinz Bude etwa spinnt seine Überlegungen zum Thema Solidarität weiter. Solidarität definierte der deutsche Soziologe in seiner letzten Großstudie nicht mehr als Begriff des Kampfes, resultierend aus kollektiv erfahrener Unterdrückung, heute müsse Solidarität aus der „Erfahrung der allgemeinen Verwundbarkeit“ folgen. „Ich werde mich nicht alleine retten können“, was aber auch umgekehrt heiße: „Du bist eben niemals alleine.“ Die Pandemie ist ihm ein Lehrstück zu seiner These. Budes Berichte sind noch einmal speziell interessant, da er im März 2020 einen Anruf aus dem deutschen Innenministerium erhielt, mit der Bitte, an einer Denkergruppe teilzunehmen, „die sich mit der Frage der Eindämmung des Virus befasst“. Eine der frühesten Überlegungen war gewesen, „dass Isolation nicht auf Dauer funktionieren kann, da Menschen nur begrenzt ohne soziale Kontakte sein können“, daraus würde sogar so etwas wie „Überlastungspanik“ entstehen. Man habe „so etwas wie die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft“, bei gleichzeitiger Frustration, gesehen. Ergebnis: eine seltsame Mischung „aus autoritären Sehnsüchten und Freiheitsfantasien“, oft bei ein und derselben Person.

Lisa Herzog beschäftigt sich seit Jahren mit dem Status der Arbeit im Leben der Einzelnen. Arbeit als Ressource für Einkommen, aber auch für Identität, Ansehen und Selbstrespekt, und sie hat eine aktualisierte Theorie des Liberalismus vorgelegt, die Freiheit für alle ins Zentrum rückt und damit auch die freiheitseinschränkenden Wirkungen von krasser Ungleichheit und Armut. Herzogs Linksliberalismus denkt den Arbeitsmarkt weiter (warum reden wir von „Privatunternehmen“, wo doch die Verrichtung von Arbeit eine soziale Tätigkeit ist und in aller Regel nicht daheim, sondern öffentlich geschieht?). Wir arbeiten mit Menschen zusammen, mit denen wir im Privatleben meist nichts zu tun haben, verkaufen Zeug an Kunden etc., und doch hat die Pandemie gezeigt, „dass etwas fehlt, wenn dieses persönliche Miteinander nicht mehr da ist“. Arbeit ist Zwang und Fremdbestimmung, zugleich aber bereichernde soziale Interaktion. Herzogs Forderungen für die kommenden Auseinandersetzungen: Wirtschaftdemokratie, mehr Mitbestimmung in Unternehmen, eine öffentliche Jobgarantie und endlich wieder „Vollbeschäftigung“ als gesellschaftliches Ziel.

Ganz in eine ähnliche Kerbe schlägt Thomas Piketty, der gegenwärtige Weltstar der Ökonomie, mit seiner Idee vom „partizipatorischen Sozialismus“. Die Progressiven – Sozialdemokraten, die US-Demokraten, andere demokratische Linke – müssten, so Piketty, „radikaler“ werden. Mit den Populisten konnten die Linken in den vergangenen Jahren nicht mehr um die Stimmen der Unzufriedenen konkurrieren, „weil sie zu schüchtern waren“. Und warum waren sie zu schüchtern? Weil sie viele ideologische Postulate der Gegner einfach akzeptiert hätten.

Eine Buchreihe voller flimmernder Gedankengänge, zugleich leicht lesbar im lockeren Plauderton.

Robert Misik in Falter 21/2021 vom 28.05.2021 (S. 22)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783801206086
Erscheinungsdatum 07.04.2021
Umfang 64 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Format Hardcover
Verlag Dietz, J H
Herausgegeben von Thomas Hartmann, Jochen Dahm, Christian Krell
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