Über die Schwalbe

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Kurzbeschreibung des Verlags:

›Über die Schwalbe‹ bringt dem Leser einen erstaunlichen Vogel und begnadeten Flieger nahe, der die Menschen seit jeher inspiriert.
Stephen Moss erzählt von der unglaublichen Reise der Schwalbe von Afrika nach Europa und wieder zurück, von Brut und ihrem Verhalten, aber auch von der Rolle, die sie in unserer Kultur, in der Literatur wie in der Popkultur einnimmt. Dieses Buch lüftet die verborgenen Geheimnisse eines ikonischen Vogels, der direkt vor unserer Haustür lebt.

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FALTER-Rezension

Bonusmeilen und Schwanzlängenvergleich

Wenn diese Buchbeilage erschienen ist, dauert es noch genau acht Tage, bis die Schwalben zurückkehren: Punktgenau am 25. März sind sie dann da. So jedenfalls dachte man lange in Russland – vermutlich, weil Mariä Verkündigung, die auf dieses Datum fällt, ein wichtiges Fest der orthodoxen Kirche ist. Aber so einigermaßen haut das schon hin: Ende März dürfen wir die ersten Rauchschwalben erwarten, die Mehlschwalben sind einige Wochen später dran. Was die in der Stadt viel häufiger anzutreffenden Mauersegler anbelangt, kann der Rezensent präzise Auskunft geben: 2020 trafen sie am 28. April in Wien ein. Bloß dass Mauersegler keine Schwalben, ja mit diesen nicht einmal näher verwandt sind. Das weiß natürlich auch der britische Autor, Birder und TV-Produzent Stephen Moss. In seinem Buch „Über die Schwalbe“ weist er darüber hinaus auch noch darauf hin, dass diese „zwitschert“, wohingegen der Mauersegler „schreit“.

In Sachen Wendigkeit haben allerdings die Rauchschwalben die Schnabelspitze vorne: „Sie können in einem rechten Winkel abbiegen und legen dabei eine Strecke zurück, die kürzer als ihre eigene Körperlänge ist.“ In einem Punkt hat sich allerdings Moss etwas vertan: Es gibt zwar ein Gedicht des britischen Poet Laureate Ted Hughes, in dem Schwalben vorkommen. Es heißt allerdings nicht „Swallows“, sondern „Work and Play“; wohingegen Hughes’ Gedicht, das die Rückkehr der Vögel enthusiastisch feiert, eben nicht von Schwalben, sondern von Mauerseglern handelt: „Swifts“. Genug der orni-poetischen Klugscheißerei.

Schwalben sind jedenfalls unter allen 240 Vogelfamilien die am weitesten verbreitete, wobei hier schon wieder die Rauchschwalbe das Spitzenfeld anführt: Als einzige Schwalbenart kommt sie in der Alten und der Neuen Welt vor. Dass ihr Auftauchen als bedeutsam und als Signal für die Jahreszeitenwende wahrgenommen wurde – und zwar schon vom antiken griechischen Dichter Hesiod, einem Zeitgenossen Homers –, ist also nicht verwunderlich.

Im Unterschied zur Mehlschwalbe. Aber gut, vielleicht sollten wir zunächst den einmal klären. Rauchschwalbe: rostroter Kehlfleck, tief gegabelter Schwanz, nachlässiges Nestdesign im Inneren von Gebäuden (Stall!). Mehlschwalbe: weiße Kehle, leicht gegabelter Schwanz, 1A-Schlammkugel-Nestdesign an Außenwänden. Und: Im Unterschied zur individualistischen Mehlschwalbe ziehen die Rauchschwalben in riesigen Schwärmen in ihre angestammten Gebiete südlich der Sahara, ja bis nach Botswana, Namibia und Südafrika. Warum sich die Rauchschwalben – übrigens sind nicht alle Schwalben Zugvögel – diese ungeheuren Reisedistanzen von zweimal jährlich 10.000 Kilometer und mehr antun, weiß man nicht so genau, es hängt aber wohl damit zusammen, dass die Sahara vor 14.600 bis 5500 Jahren keine Wüste, sondern Grasland und Seengebiet war.

Wohin die Schwalben verschwinden, war lange unbekannt. Selbst der berühmte Taxonom Carl von Linné hielt an der Auffassung fest, Schwalben würden auf dem Grunde von Seen überwintern, und ein Jahrhundert davor vertrat der englische Geistliche Charles Morton, Lehrer des Autors Daniel Defoe, eine noch viel steilere These: Die Schwalben würden auf den Mond ziehen – wohin auch sonst?

Moss, der davor schon Bücher über das Rotkehlchen und den Zaunkönig vorgelegt hat, erweist sich auch in Sachen Schwalbe als routinierter Edutainer und Nature-Writer, der basale Informationen, Kuriosa, Kulturgeschichte und persönliche Beobachtungen mit leichter Hand verknüpft. Da sich das englische Wort „tail“ strikt auf die animalische Morphologie bezieht, ist die Zweideutigkeit, die der Übersetzung von Marion Herbert und Annika Klapper zuwächst, im Original allerdings nicht angelegt: „Wenn es sonst keinen Unterschied gibt, sind Männchen mit längeren, geraderen und symmetrischeren Schwänzen normalerweise erfolgreicher bei der Partnerinnensuche. […] Die zusätzliche Energie, die nötig ist, um einen langen Schwanz wachsen zu lassen, beweist, dass der Vogel stark und gesund ist.“

Klaus Nüchtern in Falter 11/2021 vom 19.03.2021 (S. 45)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783832180058
Erscheinungsdatum 12.03.2021
Umfang 224 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik
Format Hardcover
Verlag DuMont Buchverlag
Übersetzung Marion Herbert, Annika Klapper
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