Untersuchungen zum Vorkommen und zur Bedeutung von Mycoplasma spp. bei Singvögeln unter besonderer Berücksichtigung von Europäischen Staren (Sturnus vulgaris) und Rauchschwalben (Hirundo rustica)

218 Seiten, Taschenbuch
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Reihe Edition Scientifique
Themen Medizin Tiermedizin Allgemein Forschung
ISBN 9783835972766
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 25.03.2026
Größe 21 x 14.8 cm
Verlag VVB Laufersweiler Verlag
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Kurzbeschreibung des Verlags

In der Geflügelindustrie verursachen Mykoplasmen große wirtschaftliche Verluste. Die pathogene Bedeutung von Mykoplasmen ist je nach Tierart sehr unterschiedlich. Auch die Mykoplasmenprävalenzen bei Vogelpopu-lationen weisen sehr große Unterschiede zwischen 0 % und 100 % auf. Die Rolle von Mykoplasmen bei Vögeln wird je nach Mykoplasmenart als pathogen oder kommensal diskutiert. Vor allem bei Vögeln, bei denen die Vokalisation für den Reproduktionserfolg entscheidend ist, wurden in früheren Studien keine Mykoplasmen nachgewiesen. Vögel mit hohen Mykoplasmenprävalenzen wie Greifvögel und Störche sind bei der Fort-pflanzung nicht auf ihre Vokalisation angewiesen. Rabenvögel mit einer intermediären Prävalenz nutzen neben der Vokalisation auch andere Strategien zur Partnerwahl. In einer früheren Studie wurde angenom-men, dass das Vorkommen von Mykoplasmen im Respirationstrakt und die Bedeutung der Vokalisation zur Reproduktion in einem evolutionären Zusammenhang stehen. Da die Vokalisation bei Europäischen Staren ein wichtiger Faktor für die Partnerwahl ist, wurde bei dieser Art eine ge-ringe Mykoplasmenprävalenz erwartet. Bei Rauchschwalben gibt es zwei Merkmale, die für die Partnerwahl relevant sind: die Länge der Schwanz-federn und die Vokalisation. Hier wurde eine intermediäre Prävalenz er-wartet. Bislang ist insgesamt nur wenig über Mykoplasmen bei Europäi-schen Staren und Rauchschwalben und ihre Rolle als Vektor oder Re-servoir für geflügelpathogene Mykoplasmen bekannt. In dieser Studie wurde die zuvor beschriebene Hypothese geprüft und das Vorkommen von Mykoplasmen bei Europäischen Staren und Rauchschwalben un-tersucht. Um mehr Informationen über das Vorkommen und die Bedeu-tung von Mykoplasmen bei verschiedenen Vogelarten zu erhalten, wur-den zusätzlich Choanentupfer von verschiedenen Singvogelarten, die in einer Tierklinik vorgestellt wurden, auf Mykoplasmen untersucht. Choanentupfer von 124 gesunden freilebenden Staren-Nestlingen aus 36 Nestern an 7 Standorten und von 188 gesunden Rauchschwalben-Nestlingen aus 59 verschiedenen Nestern von zehn verschiedenen Ko-lonien auf Betrieben in Hessen, Deutschland, wurden durch Kultivierung und Mycoplasma-genusspezifische PCR auf das Vorkommen von Myko-plasmen untersucht. Anschließend erfolgte die molekularbiologische Identifizierung der Spezies basierend auf der 16S rRNA- und 16S-23S rRNA intergenic transcribed spacer Region. Insgesamt wurden Myko-plasmen in 67 von 124 (54 %) Staren und in 23 von 36 (64 %) Starennes-tern und in 31 von 188 (16 %) Rauchschwalben und in 14 von 59 Rauchschwalbennestern (24 %) nachgewiesen. Das Vorkommen von Mykoplasmen variierte je Starenstandort von 33 % bis 100 % und je Rauchschwalbenkolonie von 0 bis 50 %, unabhängig davon, ob Geflügel im Betrieb gehalten wurde. Sowohl bei den Staren als auch bei den Rauchschwalben wurde in allen positiven Proben nur M. sturni nachge-wiesen. Insgesamt wurden in der Klinik 221 Singvögel aus 34 Arten und 17 Familien beprobt. Mykoplasmen wurden insgesamt bei 12 % der Sing-vögel nachgewiesen. Mykoplasmen traten am häufigsten in vier Familien auf: Sturnidae, Muscicapidae, Turdidae und Hirundinidae. Auch bei den Proben aus der Klinik wurde am häufigsten M. sturni nachgewiesen. Zu-dem wurden Mycoplasma columborale, Mycoplasma moatsii und zwei nicht identifizierte Mycoplasma spp. gefunden. Unsere Ergebnisse zei-gen, dass M. sturni kein obligat pathogener Erreger für Singvögel ist, ins-besondere nicht für Europäische Stare oder Rauchschwalben. M. sturni kommt mit einer unerwarteten intermediär bis hohen Prävalenz bei Sta-ren und einer erwarteten intermediären Prävalenz bei Rauchschwalben vor. In zukünftigen Fällen sollten Mykoplasmen bei kranken Staren oder Rauchschwalben also nicht automatisch als der Krankheitsauslöser be-trachtet werden, da ein apathogenes Vorkommen sehr wahrscheinlich ist. Die Ergebnisse aus der Klinik deuten auch darauf hin, dass in einigen Singvogelfamilien Mykoplasmen häufiger auftreten als in anderen Sing-vogelfamilien. Das seltene Auftreten von Mykoplasmen bei Singvögeln im Allgemeinen unterstützt jedoch die Hypothese eines evolutionären Zusammenhangs zwischen der Mykoplasmenprävalenz und dem Ein-fluss der Vokalisation auf die Reproduktion. Unsere Ergebnisse stützen diese Hypothese jedoch nicht uneingeschränkt. Sie deuten darauf hin, dass weitere Faktoren eine Rolle spielen könnten. Stare und andere Singvögel könnten aber auch auf zusätzliche Strategien zur Fortpflan-zung zurückgreifen, die bisher nicht erkannt oder unterschätzt wurden. Um die Hypothese eines evolutionären Zusammenhangs zwischen der Mykoplasmenprävalenz und dem Einfluss der Vokalisation auf die Re-produktion weiter zu untersuchen und die Gründe für die großen Unter-schiede in der Prävalenz bei verschiedenen Vogelarten zu verstehen, sind weitere Studien erforderlich.

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Reihe Edition Scientifique
Themen Medizin Tiermedizin Allgemein Forschung
ISBN 9783835972766
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 25.03.2026
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