Roberts Donauschlepper
Erzählung

von Julian Schutting

€ 18,00
Lieferung in 2-7 Werktagen

Illustrationen: Angelika Kaufmann
Verlag: Bibliothek der Provinz
Genre: Kinder- und Jugendbücher/Erzählerische Bilderbücher
Umfang: 32 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.05.2007

Rezension aus FALTER 47/2009

Der finale Countdown

Die zehn jahresbesten Kinderbücher österreichischer Autoren – doppelt kritisch gelesen

Klar, dass es nicht ohne Diskussionen abgeht, wenn sich eine junge Leserin (*1998) gemeinsam mit ihrem Vater (*1968) auf eine Liste der jahresbesten Bilder- und Kinderbücher österreichischer Autorinnen und Autoren einigen soll. Sie war skeptisch beim "Donauschlepper", er bei der "Kürbismaus", sie bestand auf Glattauer als Spitzenbuch, ihm wäre die Neuauflage von Nöstlingers "Einer" wichtiger gewesen.
Am Ende ist es eine locker gefühlte Folge guter und hervorragender Bücher geworden, die seit dem letzten Kinderliteratur-Schwerpunkt (Falter 47/08) auf den Markt gekommen sind. Eine Liste, die schon deswegen nicht vollständig oder in strenger Ordnung ist, weil die Bücher von Heinz Janisch und Linda Wolfsgruber (siehe weiter vorne) sozusagen außer Konkurrenz liefen. Einiges fehlt aus Platzgründen – Nöstlingers "Leon Pirat und der Goldschatz" etwa oder Varvasovszkys "Gilbert", weil beide Autoren ohnehin schon mit anderen Büchern gut vertreten sind.

10.
Kürbisse und Kinderbücher gehen ganz gut zusammen, das weiß man, seit Barbara Frischmuth mit László Varvasovszky "Die Geschichte vom Stainzer Kürbiskern" schrieb. Mit den kurzweiligen Abenteuern der Kürbismaus legt die weststeirische edition kürbis jetzt noch eines nach: Die – ein wenig holprigen – Reime zu den neun Mausgeschichten hat der Grazer Autor Mike Markart verfasst, Andrea Markart, die sich die Figur ursprünglich für die regionale Ölspurzeitung ausdachte, hat dazu witzige Bilder gezeichnet.

Andrea Markart, Mike Markart: Die Kürbismaus im Kürbishaus. edition kürbis, 60 S., € 18,-, ab 4

9.
Ein Leseerlebnis vor allem für Ältere: Julian Schutting bringt in "Roberts Donauschlepper" Kinder bewusst mit ihrer weit aus- und wiederholenden Kunstsprache in Berührung, die gerade nicht auf simple Effekte und Verknappung setzt. Erzählt wird die Geschichte des schüchternen Robert, der plötzlich richtig mutig wird, als Schleppermatrose anheuert und dazu auch andere Kinder ermutigen will. Eigenwillig verrätselt, von Angelika Kaufmann, die schon mit Mira Lobe und Friederike Mayröcker gearbeitet hat, elegant ins Bild gesetzt.

Julian Schutting, Angelika Kaufmann: Roberts Donauschlepper. Bibliothek der Provinz, 48 S., € 18,-, ab 6

8.
Ein tröstliches Buch ist Helga Bansch mit "Mein lieber Papa" geglückt. Mit in flächigen Farbzeichnungen und zarten Bleistiftskizzen ausgeführten Traumbildern erzählt Bansch die Geschichte eines Buben, der sich seinen abwesenden Vater imaginiert. Der ist demnach seit Jahren mit Riesen auf Weltreise, kann mit Zitronen und Orangen jonglieren, 3000 Palatschinken verzwicken und tanzt am liebsten mit Flamingos Kasatschok. Genau, so sind Papas!

Helga Bansch: Mein lieber Papa. Jungbrunnen, 32 S., € 13,90, ab 4

7.
Märchen aus Afrika sind von europäischen gar nicht so verschieden. Hier wie dort geht es um das Gute und das Böse, um Stolz und Vorurteil, um Teilen und um Neid. Fred Ohenhen, der sich beim Grazer Verein Isop seit zehn Jahren um Interkultur bemüht, hat für "Die Taufe" 14 Märchen aus seiner ersten Heimat Nigeria ausgewählt, die von seinen Töchtern Idia und Alice sowie von Ulli Lang und Sabine Otto bebildert wurden. Große Klasse: "A-Huhu-Ha", die Fabel von der selbst- und fresssüchtigen Schildkröte.

Fred Ohenhen: Die Taufe. Und andere Märchen und Geschichten aus Nigeria. Steirische Verlagsgesellschaft, 64 S., € 14,-, ab 5

6.
Ein ordentliches Theater im Theater inszeniert Christoph Mauz in seinem "Mumpitz"-Buch. Die turbulente Geschichte um den Kobold Mumpitz, der die Premiere am Theater "Unter den Zitterpappeln" platzen lassen will und den Direktor Minestrone zur Verzweiflung treibt, liest sich wie von selbst. Ganz schön durchgeknallt!

Christoph Mauz, Helmut Emersberger, Sibylle Vogel: Mumpitz macht Theater. Nilpferd in Residenz, 48 S., € 13,90, ab 5

5.
Ein richtiges Kunstwerk ist das erste Kinderbuch des Luftschacht Verlags geworden. Um eine Krähe geht es, die die Welt nicht so schwarz-weiß wie ihre Artgenossen sehen will und sich daher ordentlich bunt selbstverwirklicht. Alexander Strohmaiers Zeichnungen, die viel Schwarzraum mit satten Farben kombinieren, rahmen Laibls fröhlich alliterierenden Text dabei auf einmalige Weise.

Melanie Laibl, Alexander Strohmaier: Von der Krähe, die einen Vogel hat. Luftschacht, 32 S., € 19,-, ab 4

4.
Ein Klassiker der österreichischen Kinderliteratur ist endlich in einer Neuauflage verfügbar, ursprünglich erschien "Einer" bereits 1980. Christine Nöstlingers brillant erzählte Geschichte von einem, der "nicht mal einen Namen" hat und den es jedes Jahr im Winter in den Süden zieht, hat nichts von ihrer zeitlos-melancholischen Schönheit eingebüßt, Janoschs Zeichnungen begleiten die Erzählung ebenso unaufdringlich wie charmant. Gehört in jede Bibliothek.

Christine Nöstlinger, Janosch: Einer. Beltz & Gelberg, 32 S., € 19,-, ab 6

3.
Ostern ist zwar noch weit, László Varvasovszkys "Osterbär" kann man aber völlig jahreszeitenunabhängig mit gewaltigem Vergnügen lesen. Der 1947 geborene Autor und Zeichner, der mit seinem "Schneebärenbuch" so richtig bekannt wurde, schleust seinen Bären diesmal in die Wald-Universität ein, um Osterhase zu studieren. Im Vorlesungsverzeichnis: "Technologie des Eies" und "Tarnen, Täuschen, Flüchten". Ein Witz! Und was für einer! Auch super: Varvasovszkys bei Residenz erschienenes Elefanten-Slapstick-Stück "Gilbert".

László Varvasovszky: Osterbär. Bibliothek der Provinz, 48 S., € 18,-, ab 5

2.
Dieses Buch hat alle Zutaten, die einen Instant-Klassiker ausmachen: eine Hauptfigur, die jeder auf Anhieb mag (den ängstlichen Joschi, der unter seiner Schwester Mizzi leidet), einen super Sidekick (das Gruselwusel-Wesen), einen Bastelbogen, um das Gruselwusel nachbasteln zu können (ja, schon wie "Das kleine Ich bin Ich") und mit Christine Nöstlinger natürlich eine Autorin, die das Ganze in extraflotte Sätze gießen kann. Das Konzept geht auf, das Buch ist zwar erst im August erschienen, erlebt aber bereits seine dritte Auflage. Völlig zu Recht!

Christine Nöstlinger, Franziska Biermann: Die Sache mit dem Gruselwusel. Nilpferd in Residenz, 64 S., € 14,90, ab 5

1.
Klarer Favorit der jungen Kritikerin, die sich mit ihrer Meinung schließlich durchgesetzt hat: Für "Schlaf gut, Susi!" hat auch Nikolaus Glattauer seiner Tochter aufmerksam zugehört und dabei erfahren, dass diese mit ihrem Schlaf spricht, der noch dazu eine Frau ist. Aus diesen Gesprächen hat Glattauer ein nicht ganz einfaches, dafür im Tonfall einmalig treffsicheres, wunderbar facettenreiches Buch gemacht, dem es gelingt, Momente totaler Ausgelassenheit an nachdenkliche, geheimnisvolle und traurige zu reihen. Verena Hochleitner gibt ein meisterhaftes Debüt als Kinderbuchillustratorin.

Nikolaus Glattauer, Verena Hochleitner: Schlaf gut, Susi! Schlaf gut, Schlaf! Nilpferd in Residenz, 36 S., € 12,90, ab 6

Thomas Wolkinger in FALTER 47/2009 vom 20.11.2009 (S. 49)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Einer (Christine Nöstlinger, JANOSCH)
Schlaf gut, Susi! Schlaf gut, Schlaf! (Nikolaus Glattauer, Verena Hochleitner)
Mumpitz macht Theater (Christoph Mauz, Sibylle Vogel, Helmut Emersberger)
Die Sache mit dem Gruselwusel (Christine Nöstlinger Franziska Biermann)
Mein lieber Papa (Helga Bansch)
Die Taufe und andere Märchen und Geschichten aus Nigeria (ISOP - Innovative Sozialprojekte, Fred Ohenhen)
Die Kürbismaus im Kürbishaus
Von der Krähe, die einen Vogel hat (Melanie Laibl, Alexander Strohmaier)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb