Freischnorcheln
Roman

von Mieze Medusa

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Verlag: MILENA
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 170 Seiten
Erscheinungsdatum: 25.01.2013

Rezension aus FALTER 42/2008

"Ist das noch Boheme oder schon die Unterschicht?", hat Christiane Rösinger mit Hinblick auf das Leben als Neuer Selbständiger einmal gefragt. Man ersetze Boheme durch große Ferien, und schon ist man mittendrin in Mieze Medusas "Freischnorcheln". Die Wiener Spoken-Word-Artistin legt mit ihrem Debütroman eine Mischung aus Prekariats- und Adoleszenzroman vor.
Die Ich-Erzählerin Nora Klein ist zwar schon an die 30, wirkt aber noch sehr kindlich. Dass sie als freie Grafikerin erfolglos vor sich hin werkelt, stört sie zwar – aber nur so lang, bis die nächste kleine Honorarnote einlangt und wieder eine Woche Blaumachen an der Donau finanziert. Interessanter wird es, als sie bei ihren Streifzügen durch die Stadt einen älteren Gentleman ("Segeln Sie auch, Frau Klein?") kennenlernt. Nora kann nicht anders, als in ihm einen Stelzbock zu sehen, dabei macht der Kerl eigentlich einen durchaus netten Eindruck.
Die Folge von einigem Geplänkel ist ein Stelldichein auf dem Hausboot des sensiblen Geldsacks, das zu einer der traurigsten Sexszenen der letzten Zeit gerät: "Ich werfe einen Blick auf seinen Schritt, der leichte Anzugstoff sollte ein Zelt bilden, es ist dort maximal ein Maulwurfhügel zu sehen. Mir fällt es auch schwer, mich zu konzentrieren." Hier treffen zwei auf­einander, die eher gar nicht ­wollen, sich aber das Begehren zumindest gegenseitig vorspielen zu müssen glauben. Umso mehr braucht es Handschellen.
Im Kern ist "Freischnorcheln", so fluffig und zeitgeistig es eingangs daherkommt, ein Buch über Einsamkeit. Nora Klein kämpft nicht nur businesstechnisch allein, auch ihr soziales Gefüge besteht lediglich aus einigen sehr wenigen Getreuen sowie ein paar halb Verrückten, die sie besser gar nicht erst konsultiert. So hält sie schließlich auch nichts zurück, als sie Wien nach einer sehr doofen Aktion übereilt verlassen muss.
Am Schluss versucht sie, an einem Strand am Rand von Europa in sich selbst hineinzuleuchten. Aber ist da was? Trotz einiger Unzulänglichkeiten und Klischees ein überraschend starker Erstling, der geschickt mit Jugendbuchelementen hantiert.

Sebastian Fasthuber in FALTER 42/2008 vom 17.10.2008 (S. 20)


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