Bobophon

Mit Zeichnungen von Christian Wallner
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Wer kennt sie nicht: den Kunstkakadu, die Diskursbiene, den Nischentiger, die sich aufplustern, sich abstrampeln oder sich aus- schließlich mit sich selbst beschäftigen. In seinen kybernetischen Fabeln überträgt Thomas Raab biologische Dynamik auf das Privat- und Erwerbsleben sogenannter Bobos in Universitäten, Kunst- betrieb und Wirtschaft. Im Wechsel zwischen menschlicher und tierischer Perspektive blitzen Analogien zwischen den Existenzformen auf, von der Motte bis zum Elefanten, von der Alge bis zum Fischstäbchen, von der niedrigen Charge bis zum CEO. Eine Menagerie sich spiegelnder Codes aus Zellforschung, Werbewirtschaft, Psychotherapie und Szene-Talk stellt Status und Befindlichkeit sozialer Schichten bloß.
Thomas Raabs unvergleichlicher, cooler Humor, der ein Pendant in Christian Wallners kongenialen Zeichnungen findet, zielt auf das verkitschte, ignorante Bewusstsein unseren Mit-Wesen gegenüber wie auch auf das inhaltsleere und egomanische Geflattert in Soziotopen, denen der Autor auch selbst angehört. Eine geistreich- melancholische und animalisch-witzige Menschenschau in einem Gehege, aus dem kritische Selbstbeobachtung üblicherweise ausgesperrt bleibt.

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FALTER-Rezension

Aus Verzweiflung und Hass wurde ein gutes Buch

Mit 2,02 Metern Körpergröße ist der Grazer Thomas Raab laut eigenen Angaben der größte lebende Autor der Welt. Der Grenzgänger zwischen Literatur und Wissenschaft studierte Naturwissenschaften, arbeite mit Oswald Wiener und trägt die Berufsbezeichnung „Kognitionsforscher“. Wenig überraschend sind seine Bücher, etwa der Roman „Verhalten“ (2004), keine konventionellen Erzählwerke, sondern satirische Auseinandersetzungen mit literarischen Konventionen und Lesererwartungen. Zuletzt trat Raab als Herausgeber der „Neuen Anthologie des schwarzen Humors“ hervor, die jene des Surrealisten André Breton fortschrieb.

Im Ritter-Verlag ist nun ein neuer Band des vom Literaturbetrieb viel zu wenig Wahrgenommenen erschienen. Im Nachwort benennt Raab, was die Arbeit an den durchwegs kurzen Texten befeuert hat: Hass und Verzweiflung. Entstanden sind sie über einen längeren Zeitraum als privates Gefecht, eine Publikation war zunächst nicht geplant. Gut, dass es anders kam, denn die Lektüre ist sowohl intellektuell anregend als auch ein Vergnügen der boshaften Art.

„Bobophon“ folgt Großstadtbewohnern auf ihren Wegen und stellt ihnen – daher der Untertitel „Lehrfabeln“ – das Verhalten von Tieren gegenüber. Im Eröffnungstext „Einzeller als Designer, verstanden“ führt Raab in das Milieu ein. Biobäcker, Modeschöpferin, Netzdesigner oder Aktienmanager – sie alle haben eines gemeinsam: Nur wer sich ständig neu erfindet, bleibt konkurrenzfähig.

Man kennt diese Typen und erkennt sich zuweilen auch selbst wieder. Raabs Beschreibungen sind jedoch nicht bloß treffend und voll bösem Witz, ihnen wohnt eine tiefe Melancholie inne. Über den Netzdesigner, der gerade ein lukratives Projekt an Land gezogen hat, heißt es: „Er wird heute früh zu Bett gehen müssen, um morgen sein großes Unterfangen, dessen Remuneration ihm ein halbes Jahr Überleben sichern wird, in Angriff zu nehmen.“

Bei aller Traurigkeit hilft nur eines: weitermachen! Dieser Imperativ gilt auch für Thomas Raab.

Sebastian Fasthuber in Falter 9/2020 vom 28.02.2020 (S. 34)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783854156000
Erscheinungsdatum 20.01.2020
Umfang 120 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Taschenbuch
Verlag Ritter Klagenfurt
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