Bauplan für eine Insel
500 Jahre Utopia

von Johannes Schmidl

€ 14,00
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Verlag: Sonderzahl
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Natur, Technik/Natur, Gesellschaft
Umfang: 96 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2016


Rezension aus FALTER 36/2016

Ein Plädoyer für Gedankenspiele

Vor 500 Jahren beschrieb Englands Lordkanzler Thomas Morus die Insel „Utopia“. Morus, der zum Gegenspieler von Heinrich VIII. werden sollte, legte damit einen Gegenentwurf zu den damaligen Lebensverhältnissen in England vor. Utopia war eine Insel, auf der der Staat alles regelte. Die Bewohner trugen die gleiche Kleidung, wohnten in den gleichen Häusern und mussten auf Luxus verzichten. Was heute wie eine Dystopie klingt, war damals ein Lösungsvorschlag, um Obdachlosigkeit, Armut und Hunger zu bekämpfen. Für die Unterprivilegierten wirkte Utopia also wie ein Sehnsuchtsort.
Wer alternative Gesellschaftsmodelle entwirft, stellt das Ist als Dogma in Frage. Wie Morus’ Utopia im Gedankenspiel soziale Ungleichheiten überwand, brauche es auch heute Modelle, die uns angesichts der drohenden Klimakatastrophe und des weltweiten Bevölkerungswachstums Auswege aufzeigen, fordert Johannes Schmidl in seinem Essay „Bauplan für eine Insel“. Doch wo sind die Alternativvorschläge?
„Utopische Bilder und Erzählungen des gelingenden Lebens haben sich bei den Menschen in der EU, in Kanada und den USA aufgebraucht, weil sie bereits realisiert scheinen“, schreibt Schmidl. Dabei sind Utopien ebenso wenig paradiesisch wie unerreichbar, oft sind sie längst verwirklicht. Israel etwa, das als Traum begann und als Land im Trauma im Dauerkrieg zu enden droht. Oder die EU – dieses nahezu unglaubliche Friedensprojekt. Es schuf enormen Wohlstand, stellt die Bewohner aber noch immer nicht zufrieden.
Den Schlüssel, um neue, zukunftsweisende Gedankenspiele in Gang zu setzen, sieht Schmidl in der Erzählung. Die gibt es, aber leider nur am anderen Ende der Welt: Dort träumen Menschen von der Realutopie Europa, weil sie die Erzählung vom besseren Leben erreicht. Ein kluges, hochpolitisches Buch zur richtigen Zeit.

Benedikt Narodoslawsky in FALTER 36/2016 vom 09.09.2016 (S. 24)


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