Betriebsstörung

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Gustav Ernst ist nicht nur ein arrivierter und bekannter Autor, sondern als Herausgeber der Literaturzeitschrift kolik zusätzlich eine wichtige Person des österreichischen Literaturbetriebs – und derart auch ein intimer Kenner der Szene. Wenn er nun in der für ihn typisch frontalen Art eine Betriebs(störungs)satire schreibt, darf man sich auf einiges gefasst machen. Sie werden nicht enttäuscht sein!Eine einflussreiche Literaturkritikerin wird ermordet, in Opatija auf der Uferpromenade über die Brüstung gestoßen – und bleibt als Gesprächsstoff äußerst lebendig. Wer ist der Täter? Ihr Ehemann, ein älterer Dichter mit schlohweißem Haupthaar? Oder sein jüngerer Kollege und literarischer Antipode? Oder doch der Kulturredakteur? Selten war diese Frage in der Literaturgeschichte belangloser als in Ernsts Prosa, die sich nicht als Krimiparodie versteht, eher als Absage an dieses allzu beliebte Genre.Die Figuren sind gleichermaßen Prototypen wie äußerst lebendige Figuren aus Fleisch und Blut – speziell beim Reden über Sex nehmen sie sich kein Blatt vor den Mund. Nina und Olga, Lehrerin und Apothekerin, sind beste Freundinnen und im Literaturbetrieb als Liebhaberinnen der Literatur eher Randerscheinungen, in Ernsts Roman stehen sie aber im Zentrum – die beiden halten den nie versiegenden Redefluss am Laufen: reden, tratschen, ausrichten, runtermachen. Immer wieder verbeißen sich die Figuren im Dialog ineinander, kosten Missverständnisse genüsslich aus, sind extrem nervig und nerven einander.Schlüsselromane sind indiskrete Fiktionen. Wer Ernsts Betriebs(störungs)satire für Realität hält und sich darin wiedererkennt, wird nicht daran gehindert.

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FALTER-Rezension

Herzhafte Satire auf den Literaturbetrieb

Mit 77 Jahren ist der Wiener Autor und Literaturvermittler Gustav Ernst frisch, munter und erfreulich streitlustig geblieben. Sein neuer Roman „Betriebsstörung“ ist eine Satire auf den Literaturbetrieb. Dass sich bislang niemand persönlich davon angegriffen gefühlt hat, ist nicht Ernsts Fehler.

Er legt in seinem Buch auf ebenso böse wie unterhaltsame Weise offen, wie oberflächlich und gleichförmig weite Teile der Literaturproduktion geworden sind. Das Ausbleiben von Reaktionen bestätigt das nur. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Autoren im Buch nicht realen Vorbildern nachempfunden, sondern Typen sind.

Eitel sind sie beide, der von Fans umschwärmte Starautor wie auch das verkannte Genie. Es geht um Groupies, Intrigen und um Journalisten, die Bücher – wenn überhaupt – sehr oberflächlich lesen. Die einzige Kritikerin, die noch sagt, was sie denkt, und ordentliche Verrisse schreibt, wird kurzerhand ermordet. Ernsts Roman ist gleichzeitig ein Spiel mit dem Krimigenre, ohne sich auf dessen Konventionen wirklich einzulassen.

Sprich: Wer hier wen umbringt, ist wurscht. Die Spannung spielt sich auf der Dialogebene ab. Das Buch ist fast durchgehend in direkter Rede gehalten. Der Autor, der früher auch für Theater und Film gearbeitet hat, kostet die Tücken des Kommunizierens voll aus.

Die Gespräche sind von Missverständnissen geprägt, man redet aneinander vorbei oder zelebriert Blabla als hochgestochenen Austausch über Literatur. Die Figuren entlarven sich durch ihre Rede selbst. Das ist zum Teil hochgradig amüsant und obendrein entwickelt der Text einen starken rhythmischen Sog.

Die Situation der Literatur? Erscheint hoffnungslos, aber nicht ernst. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten und mehrerer Leichen haben die beiden Autoren am Ende schon wieder ihre Hetz miteinander und delektieren sich an den Beschimpfungen, die sie sich für ihr Gegenüber ausgedacht haben. Der „Literaturhirnwichser“ und der „Gefühlsgatschschmierer“ – ein jeder spielt seine Rolle.

Sebastian Fasthuber in Falter 29/2021 vom 23.07.2021 (S. 28)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783854495703
Erscheinungsdatum 31.03.2021
Umfang 240 Seiten
Genre Belletristik/Erzählende Literatur
Format Taschenbuch
Verlag Sonderzahl
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