Emanzipatorische Bildung

Wege aus der sozialen Ungleichheit
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Der Kapitalismus produziert soziale Ungleichheiten. Durch Bildung können diese Ungleichheiten verstärkt, aber auch bewusstgemacht werden. Ziel emanzipatorischer Bildung ist es, zu mehr sozialer Gleichheit beizutragen und aus gesellschaftlichen und ökonomischen Abhängigkeiten zu befreien.
Das gesellschaftliche Konfliktfeld Bildung ist mit politischen Schlüsselbegriffen verknüpft: mit sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit, mit persönlicher Autonomie und politischem Empowerment, mit individuellen Lebenschancen und öffentlichen vs. privatwirtschaftlichen Interessen. Bildung wird vererbt: Individuelle Bildungskarrieren hängen eng mit Herkunftsfamilie und sozialer Klasse zusammen. Dies wirkt sich wiederum auf politische Partizipation aus, denn die Beteiligung steigt mit dem Bildungs- und Einkommensniveau. Anspruch und Wirklichkeit der Demokratie klaffen auseinander.
Neben sozialwissenschaftlichen und historischen Analysen enthält das Buch auch Beiträge aus der österreichischen Bildungspraxis von Laura Wiesböck, Gerd Valchars, Ilkim Erdost, Mario Steiner, Martina Zandonella, Sonja Luksik, Judith Kohlenberger, Sabine Letz, Philipp Schnell, Susi Haslinger, Stefan Bartl, Simone Peschek u.a.

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FALTER-Rezension

So darf es in Österreichs Schulen nicht weitergehen

Covid-19 hat einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, was Bildungsverantwortlichen seit 20 Jahren bekannt ist, seit nämlich Österreich an internationalen Bildungsvergleichsstudien teilnimmt: Die Bildungsungerechtigkeit ist hierzulande so groß wie in kaum einem vergleichbaren (OECD-)Land. In Österreich bestimmt Herkunft Zukunft. Durch die Pandemie ist die Schere noch weiter auseinandergegangen.

Ein vor kurzem im Mandelbaum Verlag erschienener Sammelband liefert nicht nur interessante Analysen, sondern zeigt auf, was man jetzt tun kann. Es schreiben Expertinnen aus Politik- und Sozialwissenschaft, aus der Bildungsforschung sowie aus der pädagogischen Praxis und der Jugendarbeit.

Der Begriff „emanzipatorische Bildung“ stammt aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Bildung darf sich nicht auf die Vermittlung von Wissen alleine beschränken, sondern muss eine kritische Analyse der Gesellschaft ebenso umfassen wie Wege raus aus diagnostizierten Defiziten. Heute geht es vor allem um die Inklusion von Menschen mit Migrationshintergrund, mit nichtdeutscher Erstsprache oder aus einem bildungsfernen und/oder ökonomisch schwachen Haushalt.

In Österreich besuchen beispielsweise 80 Prozent der Kinder aus Haushalten mit hohem Einkommen ein Gymnasium, aber nur 19 Prozent der Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten. Interessant ist, dass das Bildungsniveau insgesamt in den letzten Jahrzehnten zwar stark angestiegen ist, die Bildungsmobilität zwischen den Generationen aber gering blieb. Diese Schieflage stelle demokratiepolitisch ein großes Problem dar, wie Martina Zandonella in ihrem Beitrag herausarbeitet und dabei auch die historische Perspektive ausleuchtet.

Philipp Schnell und Barbara Rothmüller setzen sich mit der Frage auseinander, wie Bildungsungleichheiten entstehen. Sie sehen in der selektiven Struktur der Sekundarstufe I (Volksschule) das Schlüsselproblem des österreichischen Schulsystems. Die Schulwegentscheidung fällt viel zu früh. Startnachteile verfestigen sich, weil das Schulsystem die „Mitarbeit“ der Eltern voraussetzt und somit Kinder von vornherein benachteiligt, deren Eltern dazu nicht in der Lage sind.

Außerdem ist unser System nicht darauf vorbereitet, unterschiedliche Kinder zu unterrichten. Darum geht es unter anderem im Beitrag „Soziale Ungleichheit im Klassenzimmer“ von Verena Hohengasser, Simone Peschek und Felix Stadler. Die Autoren kommen aus der schulischen Praxis. Wenn sich der Unterricht nicht grundlegend ändert, werden wir weder die Schule gerechter machen noch werden wir international bestehen können. Konkret muss die Leistungsbeurteilung wegkommen von den Ziffernnoten hin zu lernzielorientierter, differenzierter Beurteilung; im Zentrum muss der Lernprozess stehen. Auf die Arbeit in diversen Klassenzimmern muss man vorbereitet werden.

Weitere Beiträge dieses höchst lesenswerten Sammelbandes behandeln das duale Lehrausbildungssystem, die Offene Jugendarbeit, soziale Ungleichheit an Österreichs Hochschulen, das Geschlecht der Bildung, Scham als Instrument sozialer Kontrolle sowie den Konnex von Bildungsausschluss und Wahlrechtsausschluss. Nach einem Praxisbeispiel aus der Arbeiterkammer bringt der letzte Beitrag – ganz aktuell – erste, besorgniserregende, Ergebnisse einer Studie zu Covid-19 und Distance Schooling.

Fazit nach der Lektüre: So kann es nicht weitergehen. Das kann und darf sich ein so wohlhabendes Land wie Österreich nicht leisten.

Heidi Schrodt in Falter 36/2021 vom 10.09.2021 (S. 20)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783854768944
Erscheinungsdatum 01.03.2021
Umfang 176 Seiten
Genre Pädagogik/Bildungswesen
Format Buch
Verlag Mandelbaum Verlag eG
Herausgegeben von Günther Sandner, Boris Ginner
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