Konsequenzen des Kapitalismus

Der lange Weg von der Unzufriedenheit zum Widerstand
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Eine essentielle Fibel über Kapitalismus, Politik und die Funktionsweise der Welt, basierend auf der sehr beliebten Vorlesungsreihe "Was ist Politik?" Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus? In diesem bahnbrechenden Text zeichnen Chomsky und Waterstone eine kritische Landkarte für eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft.
'Covid-19 hat eklatante Versäumnisse und monströse Brutalitäten im gegenwärtigen kapitalistischen System aufgedeckt. Es stellt sowohl eine Krise als auch eine Chance dar. Alles hängt von den Handlungen ab, die die Menschen in ihre eigenen Hände nehmen.'
Wie prägt die Politik unsere Welt, unser Leben und unsere Wahrnehmungen? Wie viel vom "gesunden Menschenverstand" wird tatsächlich von den Bedürfnissen und Interessen der herrschenden Klassen bestimmt? Und wie können wir die kapitalistischen Strukturen herausfordern, die heute alles Leben auf dem Planeten bedrohen?

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FALTER-Rezension

Der alte Mann und der Mehrwert

Wer schon öfters Chomsky gelesen und sich dabei manchmal angestrengt hat, erlebt hier eine freudige Überraschung: Die Sätze sind kurz, klar, oft direkt an den Leser gerichtet. Der geistige Überbau wird Schritt für Schritt gefertigt. Dieses Buch war ursprünglich ein Seminar. Noam Chomsky, der Sprachwissenschaftler, MIT-Philosophieprofessor und Bestseller-Kapitalismuskritiker hat sich in seinem 91. Lebensjahr mit dem etwas jüngeren Marv Waterstone zusammengetan.
Forschungsschwerpunkte des ebenfalls bereits emeritierten Professors sind seit Jahrzehnten soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Wandel. Gemeinsam hielten sie 2019/20 eine Lehrveranstaltung an Waterstones Wirkstätte, der University of Arizona. Ziel von Seminar wie Buch ist es, "die gemeinsamen Ursachen der wichtigsten Probleme von heute zu finden".

Das ergibt einen Rundkurs von neoliberalem Arbeitselend über die Verdrängung der Realwirtschaft durch die Finanzwirtschaft bis zur Klimakrise -und im Nachschlag auch noch zur Covid-19-Pandemie. Karl Marx kommt dabei so oft zu Wort wie bislang in kaum einem Werk des 21. Jahrhunderts. Dessen Grundformel zum Mehrwert erklärt Waterstone so nachdrücklich, dass sie als Gerüst der globalen Problemanalyse das ganze Buch lang trägt.

Scharfsinnig gestaltet sich diese bei der Betrachtung des "gesunden Menschenverstands", der durch kapitalistische Interessen verzerrt zum gemeinsamen Nenner wird: Mehr herausholen zu wollen, als drin ist, erscheint uns bei arbeitenden Menschen ebenso normal wie bei den Ressourcen eines ökologisch angeschlagenen Globus.

Nebenbei gibt's Nachhilfe in jüngerer Geschichte. Wer wusste etwa, dass Churchill, als er den Begriff des Eisernen Vorhangs prägte, Wien als eine der Städte nannte, die nun hinter dem Ost-West-Sperrgatter lägen? Oder wie nahe sowohl Russen als auch Amerikaner in der Kubakrise ihre Finger schon am Auslöseknopf für Atomsprengköpfe hatten?

Auch wie sich das Welt-Inlandsprodukt über die Jahrzehnte entwickelte, dürfte wenig bekannt sein. Dank ihrer globalen Konzerne halten die USA heute über 50 Prozent daran. Diese Details sind es, die so eine Rundfahrt auch für jene Leserinnen und Leser packend machen, die schon wissen, dass sie keine Kernkraftwerke als Lösung der Klimakrise und keine Freiheit auf Kosten von Lohnsklaven wollen. (Eine gendergerechte Sprache sucht man in diesem Buch übrigens vergeblich -die Autoren bleiben beim Maskulinum.)

Nachdem Chomsky und Waterstone gemeinsame Faktoren für die globalen Probleme identifiziert haben, plädieren sie abschließend für gemeinsame Lösungen. Allen voran rufen sie zum Widerstand gegen den neoliberalen Common Sense auf, der glauben macht, es müsse so sein. Und sie sehen Licht am Horizont: in kleinen sozialen Bewegungen aber auch im großen "Green New Deal". Und letztendlich bringt ihnen auch die Corona-Krise einen unerwarteten Hoffnungsschimmer. Denn hier seien "die Beweise für das Versagen des Systems für jedermann klar zu sehen".

Man kann das Spätwerk der Kapitalismuskritiker als einen Fischzug in bekannten Gewässern mit erwartbarem Fang sehen.

Oder man kann dieses große Werk als sprachlich gelungene, hoch präzise Analyse des archaischen Kampfs von Menschen gegen Unmenschlichkeit lesen, die immer wieder überraschende Schattierungen der scheinbar bekannten Geschichte ans Licht bringt. Das lohnt sich.

Andreas Kremla in Falter 26/2022 vom 01.07.2022 (S. 20)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783864893551
Erscheinungsdatum 13.06.2022
Umfang 464 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Format Taschenbuch
Verlag Westend
Übersetzung Michael Schiffmann
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