Die Wütenden

Warum wir im Umgang mit dschihadistischem Terror radikal umdenken müssen
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Kurzbeschreibung des Verlags:

„Ich weiß, dass es falsch ist, aber ich muss immer noch an den Dschihad denken“
Warum radikalisieren sich Jugendliche, die in Österreich, Deutschland oder Frankreich aufwachsen? Was muss passieren, um weitere dschihadistische Anschläge zu verhindern? Fabian Reicher und Anja Melzer geben authentische Einblicke in die Wirkungsweise der Propaganda des sogenannten Islamischen Staates und ihre Anziehungskraft auf europäische Jugendliche. Anhand von fünf Biografi en radikalisierter Jugendlicher beschreiben sie, wie es gelingt, mit Kenntnis der Vorgehensweisen und den richtigen Methoden beim Ausstieg aus der vermeintlich attraktiven Jugendsubkultur zu helfen.

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FALTER-Rezension

Zum Dschihad aus Wut, Demütigung und Gewalt

Als vor eineinhalb Jahren im Wiener Bermuda-Dreieck und am Schwedenplatz die Sirenen heulten und Schüsse gellten, als die Bilder von einem Schwerbewaffneten auftauchten, der Menschen erschoss, da saß Fabian Reicher in seinem Büro und hatte, neben der Sorge um die Opfer, ganz schnell den einen Gedanken: Hoffentlich war das keiner von meinen Jungs.

Fabian Reicher ist Sozialarbeiter. Er hat jahrelang als Streetworker mit Jugendlichen gearbeitet und ist einer der besten Kenner der "Dschihadisten-Szene". Jetzt hat er gemeinsam mit der Journalistin Anja Melzer ein Buch geschrieben: "Die Wütenden" heißt es, und es ist ein packender Report aus der Nähe geworden. Es beschreibt die Lebenswelten von männlichen Jugendlichen, die nach Syrien fuhren, um für den IS zu kämpfen, die Gefahr liefen, selbst zu Terroristen zu werden, oder die Terrorakte unterstützten und die Ideologie des Dschihadismus verbreiteten.

Es beginnt mit Kids, die im öffentlichen Raum herumlungern, noch keine 15 Jahre alt und "schon vollgestopft mit Abwertungserfahrungen" sind. Die Gesellschaft sagt ihnen, sie sind nichts wert -und die islamistischen Agitatoren sagen ihnen, sie seien viel wert, wenn sie den Weg Allahs gehen.

Sie leben in einer Welt, in der Gewalt alltäglich wird, aber viele sind einfach auch junge Männer, die sich für etwas einsetzen wollen, dafür jedoch keinen vernünftigen Weg finden und keine Geschichten und Vorbilder zur Hand haben.

Die Protagonisten heißen Alan, Dzamal, Outis, Sebastian, sind meist afghanischer oder tschetschenischer Herkunft und tun, was Jugendliche üblicherweise in der Adoleszenz tun: Sie rebellieren gegen die Welt um sie herum, empören sich über Ungerechtigkeitserfahrungen und revoltieren auch gegen die Welt ihrer Eltern. Genau dafür liefert ihnen der globale Protest-Islam der Dschihadisten die Stichworte. Er hat auch wenig "mit dem Islam ihrer Eltern" zu tun, schreiben die Autoren. Der ausgestreckte rechte Zeigefinger, das Zeichen des IS, machte "sie zum Teil einer globalen Protestbewegung".

Das gesamte Buch ist aus der Perspektive Reichers und der von ihm betreuten Burschen geschrieben, "ein Streetworker berichtet" prangt auf dem Titelblatt. Die Co-Autorin Anja Melzer, unter anderem preisgekrönte Kriminalreporterin, hat dazu beigetragen, die Story zur Erzählung zu verarbeiten, die man gebannt liest und nicht mehr weglegen will.

Reichers Geschichte geht noch vergleichsweise "gut" aus. Seine Jungs sind an keinem Terroranschlag beteiligt, die meisten bringt er auf eine Spur zurück.

Einer sitzt im Gefängnis und schreibt mittlerweile selbst an einem Buch. Einer wurde praktisch wegen nichts nach Tschetschenien abgeschoben, versteckt sich vor den Häschern des Tyrannen Kadyrow und hat dort sogar noch an "Die Wütenden" mitlektoriert. Einzelne kämpfen in den Echoräumen der Social Media mittlerweile gegen die Narrative der Dschihad-Propagandisten.

So perfekt es den IS-Leuten auch gelingen mochte, rebellierende Jugendliche für sich einzunehmen, so hat die Dschihad-Propaganda auch eine Schwäche, macht Reicher klar: Es ist erstens keine gute Geschichte, die erzählt wird. Am Ende müssen die Agitatoren Killer und Grausamkeiten rechtfertigen, die auch ihre Anhänger abstoßen. Und zweitens ist es keine wahre Geschichte. Denn dass die Welt nicht schwarzweiß ist, dass das Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen im Alltag gelingt, ist eine Erfahrung, die auch die Jugendlichen machen.

Robert Misik in Falter 13/2022 vom 01.04.2022 (S. 26)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783864893636
Erscheinungsdatum 21.02.2022
Umfang 240 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Format Taschenbuch
Verlag Westend
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