Sensible Sammlungen

Aus dem anthropologischen Depot
€ 14.4
Lieferung in 7-14 Tagen
-
+
Kurzbeschreibung des Verlags:

'Sensible Objekte' in musealen Sammlungen werden seit den achtziger Jahren als 'menschliche Überreste' und 'Gegenstände von religiöser Bedeutung' definiert. Dabei sind nicht nur die Gegenstände selbst 'sensibel', sondern auch und vor allem die Umstände ihrer Herstellung und Beschaffung. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert reisten europäische Forscher in die kolonialisierten Teile der Welt. Sie sammelten Anthropologica – Knochen, Haarproben und Präparate – und Ethnografica – Gegenstände aus der materiellen Kultur – von Angehörigen der dort lebenden sogenannten 'aussterbenden Völker' und brachten sie in wissenschaftliche Sammlungen und Museen in Europa. Unter ähnlichen ethnografischen Fragstellungen und Sammlungsinteressen richtete sich der Blick aber auch auf in Europa lebende Bevölkerungsgruppen. Bei ihren Forschungen innerhalb und außerhalb Europas produzierten Wissenschaftler und Sammler Messdaten,Körperbeschreibungen, Zeichnungen, Fotografien, Gipsabgüsse, Filme und Tonaufnahmen von lebenden Menschen. Diese Zeugnisse wurden mithilfe handwerklicher und technischer Verfahren von ihren Körpern abgenommen. Sie entstanden oftmals in für die Erforschten prekären Situationen wie in Gefängnissen, Polizeistationen oder militärischen Einrichtungen und sind von kolonialen Herrschaftsstrukturen und der Definitionsmacht von Wissenschaftlern und Behörden geprägt. In diesem Buch wird die Geschichte solcher Sammlungsbestände in ihrem spezifischen kulturhistorischen Kontext an einer Reihe von Beispielen entlang erzählt. Mit Gipsabdrücken und Tondokumenten geraten dabei vor allem bisher weniger untersuchte Objekte als Bestandteile 'sensibler Sammlungen' in den Blick.

weiterlesen
FALTER-Rezension

Stimmen auf alten Schellackplatten, Notate von Volksliedern, Gipsmasken, Vermessungen von Körpern. Die Objekte stammen von Afrikanern aus der Kolonialzeit, von Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg, von den im Praterstadion 1939 internierten Juden, "produziert" von Anthropologen. Das Urteil über diese rassistisch grundierte Wissenschaft ist längst gesprochen. Menschen haben in diesen Objekten gegen ihren Willen Abdrücke ihrer selbst hinterlassen. Für ihre Nachkommen sind diese Spuren noch heute von Interesse. Dieser Band erzählt nicht zuletzt von der Begegnung mit diesen Menschen.

Oliver Hochadel in Falter 38/2012 vom 21.09.2012 (S. 38)

weiterlesen
Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheFUNDUS
ISBN 9783865726773
Erscheinungsdatum 26.08.2011
Umfang 280 Seiten
Genre Geisteswissenschaften allgemein
Format Hardcover
Verlag Philo Fine Arts
Herausgegeben von Redaktion ilinx
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Wolfgang Müller
€ 32,90
Harald Falckenberg
€ 22,70
Michael Diers, Dennis Grünemeier, Beat Wyss
€ 28,80
Georg Imdahl
€ 19,60
Almut Linde
€ 18,50
Jörg Heiser
€ 28,80
Stephan Schmidt-Wulffen
€ 16,50
Tom Holert
€ 26,80