Wo die Toten tanzen

Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird
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Kurzbeschreibung des Verlags:


»Ein engagiertes Plädoyer für die Schönheit der Kulte, sinnhaftes Trauern und nicht zuletzt eine Rückeroberung der Rituale, die noch immer und überall eine Form von Geborgenheit vermitteln.« FAZ

»Doughty – eine vertrauenswürdige Begleiterin durch die Welt des Todes – bringt uns zum Lachen.« Washington Post

Der New-York-Times-Bestseller endlich auf Deutsch!

Fasziniert von unserer Angst vor dem Tod, zieht es die Bestatterin Caitlin Doughty in die Welt. Um zu erkunden, was wir von anderen Kulturen über Tod und Trauer lernen können, besucht sie in Indonesien einen Mann, der mit dem mumifizierten Körper seines Großvaters zusammenlebt. Verfolgt in Japan eine Zeremonie, bei der Angehörige die Knochen des Verstorbenen mit Stäbchen aus der Verbrennungsasche lesen. Und geht in Mexiko dem »Tag der Toten« auf den Grund. Augenzwinkernd stellt sie Alternativen wie die Öko-Bestattung vor. Und hinterfragt, ob unsere westlichen Riten Raum zur angemessenen Trauer lassen. Ein außergewöhnliches Buch darüber, wie unterschiedlich mit der Sterblichkeit umgegangen werden kann. Und ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen.

Ausgezeichnet mit dem ITB Buch Award

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FALTER-Rezension

Kann man heiter über den Tod nachdenken?

Kulturgeschichte: Bei Caitlin Doughty erfährt man, wie rund um die Welt gestorben, begraben und getrauert wird

Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien in Texas einen Tornado auslösen? Beim sogenannten Schmetterlingseffekt geht es darum, dass winzige Änderungen in Systemen langfristig völlig unvorhergesehene, nichtlineare Auswirkungen haben können. So erlaubte etwa Indien in den 1990er-Jahren die Behandlung von kranken Rindern mit dem Entzündungshemmer Diclofenac. Weil im Hinduismus Rinder heilig sind und nicht geschlachtet werden dürfen, boten deren Kadaver Geiern seit jeher reichlich Nahrung. Doch das Diclofenac schlug den Aasfressern massiv auf die Nieren. Sie verendeten millionenfach, ihre Population sank um 99 Prozent.

Von Indiens 40 Millionen Geiern sind nur mehr 100.000 übrig. Dadurch hat auch die kleine, in Indien äußerst einflussreiche Religionsgemeinschaft der Parsen ein Problem. Seit Jahrtausenden bestatten die Parsen ihre Toten ausschließlich mit Hilfe der Geier, indem sie die Leichen in gemauerten „Türmen des Schweigens“ ablegen und den Vögeln zum Fraß überlassen. Das geht ratzfatz, wenn wie früher unzählige Geier da sind. Sind keine mehr da, sorgen die langsam vor sich hin verwesenden Leichen für jede Menge Querelen und sozialen Unfrieden, was nicht zuletzt zur religionspolitisch hochbrisanten Frage geführt hat, ob vielleicht auch ein Parse an Erdbestattung oder Einäscherung denken darf.

Und schon ist man mittendrin in Caitlin Doughtys Buch „Wo die Toten tanzen“, in dem sie auch die Parsen- und Geier-Geschichte erzählt. Und nicht nur diese. Wer etwas über all die verschlungenen, skurrilen, verblüffenden, unbegreiflichen Rituale wissen willen, die um das unvermeidliche Ende des Menschen und seinen toten Körper weltweit entfesselt werden, sollte es unbedingt lesen. Sein Untertitel: „Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird“. Und das ist wahrlich ein weites, farbenprächtiges Feld.

Doughty ist vom Fach. Die 35-jährige Kalifornierin ist Bestattungsunternehmerin aus Leidenschaft sowie Buchautorin und hat es mit ihrem Youtube-Kanal „Ask a Mortician“ (Frag einen Bestatter) und anderen „Lektionen aus dem Krematorium“ zu ziemlicher Bekanntheit gebracht. Mit übertriebenen Berührungsängsten, auch im konkreten Wortsinn, rechnet man bei einer Leichenbestatterin ohnehin nicht, doch Doughty geht ihr Thema statt mit branchenüblichem Ernst und Pathos mit hemdsärmeliger Unverblümtheit an und hält in vielen Ländern Nachschau, wie es dort gehalten wird mit Tod und Sterben.

Pietätlos oder makaber wird sie dabei auch dann niemals, wenn es ihr wie bei der katalanischen Tradition von in Glasvitrinen aufgebahrten Toten gegen den Strich geht. Ihr Credo: Weg mit den vielen künstlichen Schranken zwischen Lebenden und Toten, wie sie in westlichen Industrienationen aufgezogen werden! Und her mit mehr Zeit, mehr Nähe, mehr Handlungsmöglichkeiten für die Hinterbliebenen. Beispiele, wie das gelingen könnte, findet man hier zuhauf.

Es macht die Tatsache des Todes leichter verkraftbar, glaubt Doughty, wenn man ihm als Trauernde genug Zeit und Platz einräumt. Also plädiert sie für Totenwachen, schwärmt von einem Tokioter „Lastel“ (aus Last + Hotel), wo man sich den Sarg des Verstorbenen aus dem Kühlraum in die heimelige Atmosphäre der Zimmer holen kann, experimentiert in South Carolina an einem forensischen Institut mit der „Rekompostierung“ von Leichen, besucht in Indonesien Orte, an denen Menschen mit den mumifizierten Körpern ihrer Vorfahren im selben Zimmer schlafen, berichtet von Designer-Leichentüchern oder vom großen Geschäft mit immer luxuriöseren Särgen.

Nichts davon erzählt Doughty um des Show- oder Gruseleffekts willen. Ihr geht es um Tabus und Regeln, die mit dem Tod einhergehen und die sich von Kultur zu Kultur massiv unterscheiden. Vor allem möchte sie ihren Lesern den Blick weiten. Dass Doughtys Buch so heiter ist, tut ihrem Thema besonders gut. Man kann es als Plädoyer für mehr Selbstbestimmung und Freiheit im Umgang mit dem Sterben lesen – bis tief hinein in die Gruft der Wiener Michaelerkirche.

Julia Kospach in Falter 41/2019 vom 11.10.2019 (S. 53)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783890295060
Ausgabe 2. Auflage
Erscheinungsdatum 02.09.2019
Umfang 256 Seiten
Genre Ratgeber/Lebenshilfe, Alltag/Lebensführung, Persönliche Entwicklung
Format Hardcover
Verlag MALIK
Übersetzung Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
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