Endstation. Sehnsucht
Kapitalismus und Depression 1

von Diedrich Diederichsen, Alain Ehrenberg, Boris Groys, Thomas Hauschild, Mark Siemons, Carl Hegemann

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Verlag: Alexander
Format: Taschenbuch
Genre: Kunst/Theater, Ballett
Umfang: 154 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.07.2000

Der vorliegende Band dokumentieret Ergebnisse der seit Januar 2000 monatlich in der Volksbühne Berlin stattfindenen Veranstaltungreihe 'Kapitalismus und Depression' und ist zugleich das Programmbuch zu Frank Castorfs Inszenierung 'Endstation Amerika'. Die Autoren des ersten Bandes sind der Feuilletonredakteur Mark Siemons (Kleine Ethnologie der Ratlosigkeit), der Ethnologe Thomas Hauschild (Kulturgeschichte des Kotzens), der Philosoph Boris Groys (Der Verdacht ist das Medium), der Soziologe Alain Ehrenberg (Die Müdigkeit, man selbst zu sein). Im Anhang finden sich kurze Texte von J. G. Fichte, Andy Warhol, Carl Hegemann und Diedrich Diederichsen.

Rezension aus FALTER 45/2001

Das Theater gehört ins Museum." Seltsam, wenn ein solcher Satz von einem Theatermann geäußert wird. Carl Hegemann ist Dramaturg an der Volksbühne in Berlin. Seine Einsicht, dass die Schöpfung nicht mehr in Gottes Hand oder "im handwerklichen Fantasieraum des Theaters" stattfindet, sondern "biotechnologisch und digital angegangen" wird, hat zwar nicht zur Schließung der Volksbühne, immerhin aber zum Versuch geführt, diese zum "kleinen, populär-elitären Medienkonzern" umzustrukturieren. Dafür stehen jene Diskussionen und Beiträge, die unter dem Motto "Kapitalismus und Depression" die theatralische Arbeit von Intendant Frank Castorf begleiten und auch gedruckt vorliegen. Drei liebevoll und unprätentiös gemachte Büchlein, die jenen Horizont zwischen Biotechnikdebatte, Medientheorie und Ökonomiekritik eröffnen, in dem sich wahre Zeitgenossenschaft heute (angeblich) ereignet. Darin findet sich u.a. ein hoch spannender Beitrag des französischen Soziologen Alain Ehrenberg zum Motto der Reihe, den Guillaume Paoli zwei Bände später als "republikanisches Märchen" zu enttarnen versucht. Frank Castorf erklärt Alexander Kluge, warum er ein Stalin-Bild im Intendantenzimmer hängen hat; Boris Groys erläutert noch einmal seine Theorie über den Verdacht, den wir allen medialen Bildern entgegenbringen, und Michel Houllebecq ("Ich glaube nicht an Sex ohne Liebe") wundert sich darüber, dass alle Welt die Bedeutung von Sex (in seinen Romanen) so himmelhoch überschätzt. Während Houllebecq "schon sehr störend" findet, dass er aufgrund mathematischer Inkompetenz "von der Welt überhaupt nichts" versteht, versteht Peter Weibel wie immer alles, setzt ganz auf die biotechnologische Befreiung des Menschen aus den Fesseln der Natur und prophezeit, dass man sich in zehn Jahren im eigenen Gehirn mit den Augen des Bruders ein Wiener Restaurant anschauen kann. Schon seit langem gelingt es Weibel ja hervorragend, sich mit eigenen Augen in fremden Gehirnen umzusehen und die entdeckten Gedanken als die eigenen zu betrachten, aber irgendwer sollte mal überprüfen, was aus all "seinen" Prophezeiungen geworden ist.

Klaus Nüchtern in FALTER 45/2001 vom 09.11.2001 (S. 66)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Glück ohne Ende (Dirk Baecker, Alain Finkielkraut, Wolfgang Gregor, Thomas Schulte-Herbrueggen, Michel Houellebecq, Peter Sloterdijk, Thomas P Weber, Peter Weibel, Carl Hegemann)
Erniedrigung geniessen (Jens Roselt, Orhan Pamuk, Franz Liebl, Jutta Koether, Jackson Pollock Bar, Jürgen Kuttner, Frank Castorf, Carl Hegemann)

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