Grün-Weiss unterm Hakenkreuz

Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus
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Kurzbeschreibung des Verlags:

22. Juni 1941: Der Sportklub Rapid gewinnt im Berliner Olympiastadion mit einem 4:3-Sieg gegen Schalke 04 die Großdeutsche Fußballmeisterschaft. Am Morgen desselben Tages hatte das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion überfallen.
Der spektakuläre Sieg gegen Schalke und weitere sportliche Erfolge Rapids in der NS-Zeit gehören bis heute zu zentralen Erinnerungspunkten in der Vereinsgeschichte. Doch unter welchen politischen Rahmenbedingungen wurden diese Erfolge erzielt?
Der SK Rapid hat als erster österreichischer Bundesliga-Klub seine Rolle im Nationalsozialismus wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Studie zur sportlichen und politischen Geschichte Rapids in den Jahren 1938 bis 1945 werden im vorliegenden Buch erstmals veröffentlicht.

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FALTER-Rezension

"Der sportliche Erfolg bleibt"

Fußballgeschichte: Der SK Rapid ist weiter stolz auf seinen deutschen Meistertitel

Die Ereignisse in den Jahren zwischen 1938 und 1945 wurden im Nachkriegsösterreich nicht selten für lange Zeit einfach verdrängt. Was zwischen dem "Anschluss" an das nationalsozialistische "Dritte Reich" und der Befreiung durch die Alliierten geschah, ist etwas, woran sich das Land nicht gerne zurückerinnert. Es gibt jedoch eine große Ausnahme – wer weiß, vielleicht ist der SK Rapid die einzige Institution in Österreich, die ihre größten Heldenmythen ganz offiziell in dieser Zeit datiert.
Am 22. Juni 1941 gewann der Sportklub Rapid mit einem 4:3-Erfolg gegen Schalke im Berliner Olympiastadion die zweite deutsche Kriegsfußballmeisterschaft und holte damit den großdeutschen Meistertitel. Schalke war bereits mit 3:0 in Führung gelegen, doch Rapid, angeführt von seinem legendären Stürmerstar und dreifachen Torschützen Franz Binder, drehte das Finalspiel mit einer gewaltigen Anstrengung in der Schlussphase.

Meister Mythos
Rapid Wien als deutscher Meister, das hat bis heute einen magischen Klang. Dieses Finalspiel gilt immer noch als das größte der Vereinsgeschichte. Zahllose Mythen ranken sich um dieses Spiel, das ausgerechnet am Tag des Beginns des "Unternehmens Barbarossa", des Angriffs Nazideutschlands auf die Sowjetunion, ausgetragen wurde.
Neben seinen zahlreichen anderen Pokalen und Triumphen hebt der SK Rapid seinen Titel "Deutscher Meister 1941" besonders hervor, und so war es für die Vereinsverantwortlichen bei den Feierlichkeiten zum 110. Geburtstag des Vereins vor zwei Jahren nur logisch, den Finalgegner aus dem größten Spiel der Vereinsgeschichte nach Wien einzuladen. Im Sommer 2009 trafen Rapid und Schalke im Wiener Hanappi-Stadion aufeinander, die Marketingstrategie rund um die Partie war ganz auf "Neuauflage des legendären Finalspiels 1941" abgestimmt.

Rahmenbedingungen
Der ihrer Meinung nach unreflektierte Umgang mit dieser Partie veranlasste die beiden fußballhistorisch forschenden Politikwissenschaftler Jakob Rosenberg und Georg Spitaler damals dazu, dem SK Rapid einen Brief zu schreiben. In diesem baten die Redakteure des politisch angehauchten Fußball-Monatsmagazins Ballesterer darum, dass der Verein im Umfeld des Jubiläumsspiels auch darauf hinweisen möge, unter welchen gesellschaftlichen und historischen Rahmenbedingungen das Finale 1941 ausgetragen worden war.
Das nahm sich der Club tatsächlich zu Herzen und gab eine Studie zur Geschichte des SK Rapid im Nationalsozialismus in Auftrag, die über diverse Umwege just wieder bei Georg Spitaler und Jakob Rosenberg landete. Deren Forschungsbericht ist vor einer Woche unter dem Namen "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz – Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus" erschienen. Es ist das erste Mal, dass ein österreichischer Bundesligaverein seine NS-Vergangenheit wissenschaftlich durchleuchtet. Das Werk stieß auf einiges Interesse, zur ursprünglichen Auflage von 1000 Stück ist bereits ein Neudruck von weiteren 2000 Stück hinzugekommen. Offensichtlich zieht das Thema immer noch sehr.
Die zentrale Erkenntnis des Forschungsberichts: Kein einziger Rapid-Spieler der damaligen Zeit war Parteimitglied der NSDAP, wohl aber einige Funktionäre. Der SK Rapid war kein besonderer Hort des Nationalsozialismus, wohl aber arrangierte er sich mit dem Regime. Der sportliche Wert der Kriegsfußballmeisterschaften ist wohl schwer einzuordnen.

Jüdische Funktionäre
Dass die Frühgeschichte des Clubs von jüdischen Funktionären entscheidend mitgeprägt wurde, was teilweise das Rapid-Selbstbild als vorstädtisch-bodenständigen Verein im Gegensatz zur innerstädtisch-jüdischen Austria infrage stellt, hat der Nationalsozialismus erfolgreich ausgeblendet. Die zentrale Frage, die sich Rapidler stellen, ist aber: Darf man jetzt auf den deutschen Meistertitel stolz sein oder nicht?
"Dem Verein wäre es am liebsten gewesen, er muss seine Sicht auf den deutschen Meistertitel 1941 nicht ändern", sagt Spitaler. "Er hat aber keinen Einfluss auf unsere Arbeit genommen." Eine Antwort auf die Frage will er aber bewusst nicht geben. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger klang auf jeden Fall erleichtert, als er auf der Buchpräsentation meinte: "Man darf nicht vergessen, auf die politischen Rahmenbedingungen hinzuweisen. Aber der sportliche Erfolg bleibt."

Christoph Heshmatpour in Falter 11/2011 vom 18.03.2011 (S. 42)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783901142581
Ausgabe 3., Aufl.
Erscheinungsdatum 01.01.2016
Umfang 303 Seiten
Genre Ratgeber/Sport/Allgemeines, Lexika, Handbücher, Jahrbücher, Geschichte
Format Taschenbuch
Verlag Dokumentationsarchiv d. österr. Widerstandes
Adaptiert von Christine Schindler
Herausgegeben von DÖW
Beiträge von Domenico Jacono
Herausgegeben von Rudolf Edlinger, Brigitte Bailer, Roman Horak, Gerald Pichler, Matthias Marschik, SK Rapid
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