
Sebastian Fasthuber in FALTER 7/2026 vom 11.02.2026 (S. 28)
Warum starb Lili Schnitzler? Die Tochter von Arthur und Olga Schnitzler war nicht einmal 19 Jahre alt, als sie sich 1928 nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann, einem wesentlich älteren italienischen Faschisten, in die Brust schoss. Ihre Tagebücher ließ die Familie lange testamentarisch sperren. Nun durften die Aufzeichnungen aus Lilis turbulenten Ehejahren erscheinen.
Eine literarische Entdeckung sind sie nicht. Dafür lesen sich die Beobachtungen zu banal und oberflächlich. Paradoxerweise liegt darin aber auch der Reiz des Buches: in der totalen Engführung auf das eigene Empfinden und die ständigen Stimmungsschwankungen. Was vor der Haustür oder politisch gerade passiert, kümmert Lili kein bisschen. Als Dokument einer toxischen Beziehung -keine Erfindung der Gegenwart! - ist das durchaus reizvoll.


