Das Corona-Rätsel

Tagebuch einer Pandemie
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Niemand blieb von der Corona-Pandemie verschont. Kein Land, keine Altersgruppe und auch kein Bereich unserer Gesellschaften. Der Arzt und Gesundheitswissenschaftler Martin Sprenger führte während der ganzen Zeit ein Tagebuch. Er war vier Wochen Mitglied des Beraterstabs der Coronavirus-Taskforce im Gesundheitsministerium. Dieses Buch beschreibt seinen persönlichen Weg durch die Corona-Krise. Dabei berichtet er offen und ehrlich über seine Lernkurve als Wissenschaftler, seine Auseinandersetzungen mit Intransparenz und Machtapparaten, aber auch über die vielen Begegnungen mit engagierten Wissenschaftlern, Journalisten und vielen anderen Menschen, die, so wie er, auf der Suche nach einem besseren Verständnis des Geschehens waren. Mit viel Gespür für Details, der Verknüpfung von zeitgleichen politischen Entscheidungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen, ist das Buch auch eine Art Biografie der Pandemie. Hinterher sind alle klüger. Aber der Weg vom Irrtum bis zur Erkenntnis ist entscheidend. Wie die dabei gesammelten Erfahrungen den Menschen und Wissenschaftler Martin Sprenger verändern, bleibt bis zum Schluss spannend.

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FALTER-Rezension

Kritische Blicke auf das Corona-Krisenmanagement

Für die Corona-Auszeit fehlt es nach wie vor an Daten, Einblicken und Transparenz. Und auch die Urteile über das Krisenmanagement der Regierung gehen auseinander. Für ein abschließendes Ergebnis ist es sicher zu früh, aber erste Zwischenbilanzen lassen sich ziehen.

Dazu sind in der vergangenen Woche zwei Bücher erschienen. Sie sind beide im Chronologie- beziehungsweise Tagebuchmodus gestaltet und können nicht nur als Kritik, sondern auch als Quelle für spätere Aufarbeitungen und Beurteilungen der Corona-Ausnahmephase gelesen werden.

Michael Fleischhacker und sein Addendum-Rechercheteam haben ihre Corona-Texte zu einem Buch verdichtet: „Corona. Chronologie einer Entgleisung“. Der Public-Health-Experte Martin Sprenger, der auch Mitglied des Corona-Expertenbeirats im Gesundheitsministerium war, bis er im April ausschied, hat seine Erfahrungen in „Das Corona-Rätsel. Tagebuch einer Pandemie“ festgehalten.

Sprenger und Fleischhacker verbindet vieles. Sprenger gab Addendum seine ersten großen Interviews, was seinen Ruf als „Kritiker“ des Corona-Krisenmanagements festigte. Addendum hielt – ähnlich wie der Falter – auch in der ersten Phase des nationalen Schulterschlusses skeptische Distanz zum Agieren der Regierung. Wenig verwunderlich, dass die beiden in ihren Büchern gleich mehrmals aufeinander Bezug nehmen. Und dass beide mit dem Krisenmanagement der Regierung hart ins Gericht gehen, von Anfang an, selbst wenn sie die Sinnhaftigkeit des Lockdown auch im Nachhinein nicht anzweifeln. Fehlende empirische Evidenz, unnötige Eskalation und Emotionalisierung, vor allem rund um den 30. März, fehlender Blick auf gesamtgesellschaftliche Folgen der Corona-Maßnahmen, so lässt sich die Kritik zusammenfassen.

„Am 30. März entgleist das Angst-Geschehen. Der Bundeskanzler verschärft die Gangart und erklärt, dass bald jeder einen kennen werde, der am Coronavirus gestorben ist. Also: Verlängerung der Maßnahmen und Maskenpflicht. Eine empirische Grundlage für diese Behauptung gibt es nicht. Die Daten zeigen eindeutig, dass es zu einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems nicht kommen wird. Kurz beruft sich auf eine ‚Studie‘ von Mathematikern, deren Fehlerhaftigkeit schon bei ihrer Präsentation angesprochen wird“, fasst Fleischhacker die Ereignisse zusammen.

„Eine wissensbasierte Begründung für alle diese Entscheidungen wird nicht mitgeliefert. Experten waren auf der Bühne nicht vorgesehen, die ist in Österreich ausschließlich Politikern vorbehalten. Sie sind auch die deutlich besseren Schauspieler, das muss man ihnen lassen! Eine so fernsehtaugliche Gestik und einen so schönen Sprechfluss lernt man auf keiner Universität“, spottet Sprenger.

Sprenger legt in seinem bisweilen wirklich recht persönlich gehaltenen „Tagebuch“ auch offen, wie der Sonderbeauftragte für Gesundheit im Gesundheitsministerium, Clemens Martin Auer, versuchte, ihn im Tandem mit dem Rektor der MedUni Graz, Hellmut Samonigg, von weiteren öffentlichen Auftritten abzuhalten. „Sie wurden zuletzt wiederholt in meinem Auftrag von Herrn Mag. Auer gebeten, allfällige öffentliche Stellungnahmen Ihrerseits klar und eindeutig als Privatmeinung auszuweisen“, schreibt Samonigg. Und Auer weist ihn salopp per Mail zurecht: „Net wirklich hilfreich, von der Bande hereinzukeppeln, werter Herr Kollege!“

Es lohnt sich, beide Bücher parallel zu lesen. Zur merkwürdigen Zurechtweisung Sprengers passt zum Beispiel das Kapitel „Das Ministerium braucht zwei Bypässe“ des Addendum-Teams bestens, wo es darum geht, wie dürftig das Gesundheitsministerium auf die Krise vorbereitet war. Es wird wohl nicht die letzte Corona-Bilanz gewesen sein.

Barbaba Tóth in Falter 27/2020 vom 03.07.2020 (S. 19)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783904123341
Erscheinungsdatum 30.06.2020
Umfang 312 Seiten
Genre Medizin/Allgemeines
Format Hardcover
Verlag Seifert Verlag
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