
Wenn Schüler mit einer Pistole in die Schule kommen
Heidi Schrodt in FALTER 42/2024 vom 16.10.2024 (S. 18)
Die Wahl ist gelaufen, und das Thema Bildung fand man, abgesehen von den Neos, meist nur unter "ferner liefen" - mit einer Ausnahme: im Zusammenhang mit Zuwanderung und Integration. Vor allem in urbanen Räumen gibt es hier massive Probleme.
Christian Klar, Direktor einer Mittelschule in Wien-Floridsdorf mit einem Migrationsanteil von mindestens 90 Prozent, tritt medial seit Jahren als Kritiker unseres Schulsystems in Erscheinung. In seinem Buch stellt er dar, wie dramatisch die Situation an solchen Schulen bereits geworden ist. Anhand einzelner Fälle schildert er anschaulich, wie sich der Alltag an seiner Schule seit einiger Zeit verändert hat. Dass negative Beispiele überwiegen, hat damit zu tun, dass das Aufzeigen von solchen Schwachstellen die Intention des Buches ist. Er bringt auch einige positive Beispiele, doch davon hätte man sich mehr gewünscht.
Im Gegensatz zu den höheren Schulen, die Schülerinnen und Schüler der Schule verweisen können, ist das den Pflichtschulen nicht möglich. Gewalttätige Kinder können maximal vier Wochen vom Unterricht suspendiert werden. Geflüchtete, Asylsuchende, Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen und solche, die schon mehrfach ein Schuljahr wiederholt haben, finden sich in Klassen mit drei Jahre Jüngeren. Sie alle landen in Mittelschulen, die sich im Lauf der letzten Jahre in den Städten immer mehr zu Problemschulen entwickelt haben. Das liegt zu einem erheblichen Teil auch an fehlenden Ressourcen und stellt eine strukturelle Schwachstelle unseres Systems dar.
Zwei Bereiche nehmen im Buch viel Raum ein. Das sind die Themen Gewalt und Integration, letzteres mit Schwerpunkt Islamisierung und Radikalisierung. Wir erfahren von Schülern, die mit Waffen in die Schule kommen, in Drogenhandel involviert und in Banden organisiert sind, die polizeibekannt sind wegen Diebstahls, Raub oder Erpressung. Immer wieder liest man in den Fallberichten von Polizeieinsätzen in der Schule. Einmal muss der Direktor sogar den Polizeinotruf betätigen, da ein Schüler, der bereits einmal eine Pistole mitgebracht hatte, verdächtigt wurde, wieder Waffen bei sich zu haben.
Probleme mit dem Islam hätte es in dieser Weise früher nicht gegeben, meint Klar, der bereits seit 1988 im Schuldienst ist. Das Thema Islam und Islamisierung nimmt fast ein Drittel des Buches ein. Hier hätte sich im Lauf der Jahre besonders viel verändert, meint Klar. Immer häufiger kämen Mädchen nicht nur mit Kopftuch, sondern auch mit Abaya in die Schule, werden von Mitschülern überwacht und denunziert, wenn sie in der Schule diese Kleidung ablegten. Auch an anderen Schulen fordern Schülerinnen und Schüler einen Gebetsraum oder die Möglichkeit, während des Unterrichts auf ihren Gebetsteppichen beten zu können. Dass eine Schule unter den gegebenen Bedingungen mit all diesen Herausforderungen an ihre Grenzen gerät, versteht sich von selbst.
Natürlich gibt es an Klars Schule auch den ganz normalen Schulalltag mit Festen und Sportwettbewerben. Wie der Unterricht an einem durchschnittlichen Tag aussieht, davon hätte man als Leserin gerne mehr erfahren.
Fazit: Es ist fünf vor zwölf. Die Politik in Österreich darf nicht mehr länger wegschauen und ist gefordert, sich so schnell wie möglich des Themas anzunehmen. Parteiübergreifend. Ob das allerdings in Österreich möglich ist, daran darf mit Recht gezweifelt werden.


