Flora

Roman (Edition Kommode)
180 Seiten, Hardcover
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch Street-Fiction / Urban-Fiction
ISBN 9783912563009
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 15.09.2026
Größe 20 x 13 cm
Verlag mairisch Verlag
Übersetzung Sophia Marzolff
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
mairisch Verlag
Schwenckestr. 68 | DE-20255 Hamburg
kontakt@mairisch.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Auf einem nächtlichen Spaziergang finden Adam und Sára am Stadtrand ein kleines, stilles Wesen. Das junge Paar entscheidet sich, das Geschöpf, das sie Flora nennen, erst einmal zu sich zu nehmen. Sie bringen es in die nahegelegene Datsche von Adams verstorbener Großmutter, die mitten in einem dystopischen, von der Stadtverwaltung abgesperrten Areal liegt. Sara entwickelt sofort Muttergefühle für das schnell wachsende Wesen und will in der Datsche bleiben, um es vor der Welt zu schützen, während Adam eine wachsende Distanz verspürt. Das Kleine wird ihm zunehmend unheimlich. Als seltsame Dinge geschehen, regt sich bei Adam ein furchtbarer Verdacht — doch was steckt wirklich dahinter? Jonáš Zbořill vertraut in seinem ersten Roman auf die Kraft der Fantasie. Er erzählt eine Geschichte aus einer nur leicht verschobenen Gegenwart, in der wir nicht mehr überblicken, wer unser Dasein bestimmt, wie grundlegend wir die Natur verändern und wie sehr künstliche Intelligenzen Einfluss nehmen. Und er stellt die Frage, wie man als Paar mit der eigenen Elternschaft und den damit einhergehenden zwiespältigen Gefühlen und Dynamiken umgeht und trotz allem Empathie für ein fremdes Wesen entwickeln kann.»Flora ist eine Offenbarung. Diese Geschichte von Liebe und einer neuen Welt, die eines Tages alles bedecken wird, wächst beim Lesen immer weiter. Eindrucksvolle, seltsame Bilder, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen.« (Marek Torcík)

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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch Street-Fiction / Urban-Fiction
ISBN 9783912563009
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 15.09.2026
Größe 20 x 13 cm
Verlag mairisch Verlag
Übersetzung Sophia Marzolff
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FALTER-Rezension

Neues Leben aus der Brache

Gerlinde Pölsler in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 14)

Dann fällt uns auf, dass es ein Gesicht hat.“ Lippen, die sich öffnen, aus denen aber kein Laut dringt. Augen. Der Körper klein und zerbrechlich. „Wir wissen nicht, wo er anfängt und endet, was dazugehört und was nicht. Dünne Schläuche, verflochten mit den Ranken des Gestrüpps, verheddert wie Kopfhörerkabel.“

Beim nächtlichen Spaziergang stoßen der Icherzähler Adam und seine Partnerin Sára auf „das Ding“. Während er weg will, entwickelt Sára augenblicklich Muttergefühle – das Paar hat bisher erfolglos versucht, ein Kind zu bekommen. Für sie steht in kürzester Zeit fest, dass das Wesen eine „Sie“ ist. Sie nimmt sie mit nachhause, legt sie zu sich ins Bett und flüstert ihr zu: „Ich gehe nicht weg, ich bleibe bei dir.“

Adam fragt sich da immer noch, ob „der Klumpen“ überhaupt ein Lebewesen ist. Eine der skurrilsten Passagen: „Ich schaue nach, ob ich den Klumpen in meinem Handy finde. Via Bluetooth. Ich überprüfe, ob er vielleicht ein Signal aussendet.“

„Flora“ ist der Debütroman des tschechischen Schriftstellers und Journalisten Jonáš Zbořil. Die traumwandlerische Erzählung kam in seinem Heimatland so gut an, dass sie nun zeitgleich in 20 Sprachen erscheint. Mit Vorliebe zieht es Zbořil zu Orten, die Menschen zurückgelassen haben und die sich die Natur wieder zurückholt: Brachen, wie sie unter Autobahnbrücken oder an Gleisen zu finden sind. Orte, die dazwischen liegen.

Auch Adam und Sára finden Flora, wie sie sie nennen werden, auf einer solch verwilderten Fläche, einem Sperrgebiet am Rande einer nicht benannten Stadt. Menschen entledigen sich dort der Dinge, die ihnen lästig geworden sind. „Einmal über den Drahtzaun geworfen, ist es, als würden sie aufhören zu existieren. Aber nein. Aus der Steppe verschwindet nichts.“

Rasch hat einen die seltsame kleine Familie in ihrer dunklen Datsche im Sperrgebiet in ihren Bann gezogen. Die Kapitel sind kurz, die Dialoge des Paares karg. So entsteht eine unheimliche Atmosphäre. Auch Adam wächst in eine Art Vaterrolle, zieht Flora Kinderkleider über ihre Kabel und Klauen. Als sie auf ihrer Windel Fettspuren und Ölflecken hinterlässt, wundert das die Leserin längst nicht mehr.

Doch die Kleine wird größer, scheint zu lernen, widerspenstig zu werden. Adam wird den Verdacht nicht los, dass sie die Menschen um sich aussaugt. Ein tschechisches Volksmärchen inspirierte den Autor: In „Otesánek“ von František Hrubín wünscht sich ein Paar sehnlichst ein Kind, also schnitzt der Vater aus einem Baumstumpf einen kleinen Jungen. Er erwacht zum Leben – doch dann isst er erst seine Eltern auf und dann alle Lebewesen, denen er begegnet.

Wer oder was ist lebendig? Diese Frage beschäftigt uns heute stark. Adam erwähnt Xenobots: Solche biologischen Mikroroboter, aus Zellen von Fröschen entwickelt, existieren tatsächlich. Mittlerweile können sie sich selbst vervielfältigen. Und natürlich geht es um künstliche Intelligenz. Nicht wenige Menschen glauben, Chatbots seien mit ihnen befreundet, so wie Sára meint, in Flora ein Kind zu haben. Aber ist das wahr? Und kann das Neue gemeinsam mit dem Alten existieren, oder löscht das eine das andere aus? Höchst aktuelle Themen.

Vor allem aber kreist das Buch um das, was der Mensch mit der Natur macht und wohin das führt. Zerstört er sie, oder sie am Ende ihn? In „Flora“ beginnt die Steppe ein Eigenleben zu führen. Sie erschafft aus den ihr hingeworfenen Dingen etwas Eigenes, wuchert Orte von einem Tag auf den anderen zu. Wer wird überleben?

Jonáš Zbořil sagt über die von ihm so geliebten Brachen, „diese Orte ähneln dem Unterbewusstsein. Es könnte gefährlich sein, sich dorthin zu begeben, aber man kann sie auch nicht loswerden.“ Mit seinem Roman setzt er der Leserschaft neuartige Bilder ins Gehirn. Einmal erwacht, treiben sie aus und pflanzen sich fort.

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