Der teutsche Michel und der römische Papst

Alte und Neues aus dem Kampfe des Teutschtums gegen römisch-wälische Überlistung
332 Seiten, Taschenbuch
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre
ISBN 9783935877909
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 14.03.2003
Größe 220 x 155 mm
Verlag Allitera Verlag
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HerstellerangabenAnzeigen
Merianstraße 24 | DE-80637 München
info@buchmedia.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Eine Zensur findet nicht statt', diesen Passus aus der Weimarer Verfasssung gab es im Kaiserreich nicht, obwohl die 'Vorzensur' für Druckerzeugnisse schon 1848 abgeschafft worden war. Dafür gab es eine umso schärfere Nachzensur, denn die Staatsanwaltschaft konnte gegen veröffentlichte Schriften prozessieren. Und sie tat es gründlich wegen Gotteslästerung und Beschimpfung religiöser Einrichtungen, wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften und Bilder und vor allem wegen Majestätsbeleidigung. Der Münchener Irrenarzt Oskar Panizza, der sich in seinen Schriften heftig gegen Deutschtümelei, Obrigkeit und Kirche auflehnte, bekam diese Härte des Gesetzes mehrfach zu spüren. Sein Buch Der teutsche Michel und der römische Papst wurde verboten, für Das Liebeskonzil, eine bissige Parodie auf die Heilige Familie und das Papsttum wurde Panizza zu Zuchthaus verurteilt. Seine Werke finden sich als Remota im 'Giftschrank' der Bayerischen Staatsbibliothek, München unter Verschluss, so auch die Vorlage für diesen Reprint. Nach weiteren ketzerischen Veröffentlichungen wurde Panizza für geisteskrank erklärt, entmündigt und 1905 in eine Irrenanstalt gebracht.

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FALTER-Rezension

Martin Droschke in FALTER 28/2003 vom 09.07.2003 (S. 62)

Welches Tabu brach noch mal 1996 der Kultfilm "Trainspotting" nach dem gleichnamigen Roman des schottischen Schriftstellers Irvine Welsh? Richtig: gar keines! Aufsehen erregte das Kinostück, das sich inhaltlich kaum einen Zentimeter von der fast fünf Jahrzehnte davor gelebten Drogenrevolte der Beatgeneration entfernt hatte, lediglich durch seine exzentrische Kameraführung. Trotzdem behauptet Arne Hoffmann in seinem "Lexikon der Tabubrüche", "Trainspotting" hätte mit der revolutionären Behauptung schockiert, dass "die bürgerliche Existenz mindestens ebenso entfremdet und seelenlos" sei "wie das Leben als Junkie". Wen das schockiert? Alle, die wie Hoffmann anscheinend nie etwas von Allen Ginsberg & Co gehört haben, "T" wie "Trainspotting" folglich für lexikontauglich halten; und denen im Gegenzug der Name Oskar Panizza nichts sagt, weswegen der im Lexikon auch fehlen darf.
1894 beschlagnahmte der Münchner Staatsanwalt Panizzas Theaterstück "Das Liebeskonzil" und dessen antiklerikales kulturgeschichtliches Pamphlet "Der teutsche Michel und der römische Papst". Zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt, geriet Panizza in den Ruf eines der radikalsten Tabubrecher der literarischen Moderne. Der Reprint seines "Teutschen Michels" vermag auch nach über hundert Jahren zu provozieren. Nicht aufgrund seiner historisch längst überholten, pubertär anmutenden Inhalte, sondern weil der Kämpfer gegen jedwede Bevormundung durch jedwede Obrigkeit, den die Linke seit 1968 als einen Wegbereiter für sich reklamiert, darin mit chauvinistisch-deutschnationalen Parolen um sich wirft. Kaum jemand weiß, dass Panizza bis 1945 als Wegbereiter von Hitlers Rechten editiert wurde und dass Hitlers Vertrauter und Sekretär, der antiklerikal eingestellte Martin Bormann persönlich befahl, den "Teutschen Michel" massenhaft zu verbreiten.

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