Berenberg Verlag GmbH Sophienstraße 28/29 | DE-10178 Berlin info@berenberg-verlag.de
Unsere Prinzipien
✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
✔ hohe Sicherheit durch SSL-Verschlüsselung (RSA 4096 bit)
✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
Kurzbeschreibung des Verlags
Ordnung muss sein. Beim Baden bitteschön streng nach Geschlechtern getrennt, doch in der Wissenschaft zählt nur, was auf der Tafel steht. Jedenfalls für den Mathematiker David Hilbert, der seine brillante Kollegin Emmy Noether in Göttingen als Professorin durchsetzen wollte. Doch nicht nur damit war er seiner Zeit voraus (der Antrag wurde natürlich abgelehnt) - Hilbert hatte für die moderne Naturwissenschaft etwas denselben Stellenwert wie Pablo Picasso für die moderne Kunst. In Göttingen gaben sich bei diesem merkwürdigen Genie die bedeutendsten Köpfe die Klinke in die Hand: Einstein, Bohr, Heisenberg, Gödels Sätze über die Unvollständigkeit der Mathematik und Alan Turings Weg zur universellen Rechenmaschine - alles lässt sich hierher zurückverfolgen. Dank Georg von Wallwitz auf so verständliche wie vergnügliche Weise (mit Fußnoten für Fortgeschrittene).
Seit Gottfried Wilhelm Leibniz’ „Mathesis Universalis“ träumten vernunftgläubige Optimisten davon, eines Tages werde man die Rationalität, Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit der Mathematik und letztlich der (Natur-)Wissenschaften überhaupt beweisen können, indem man sie auf eine Reihe logischer Axiome zurückführt. Der Traum schien Wirklichkeit werden zu können, nachdem Gottlob Frege im späten 19. Jahrhundert gezeigt hatte, wie Mathematik auf Logik zurückführbar war. Damit wurde Frege, wie der geistreich gutgelaunte Wissenschaftspopularisierer Georg von Wallwitz formuliert, zum „Urgroßvater des Computerzeitalters“.
Dass Wallwitz die Geschichte des Traums von der Axiomatisierung aller Wissenschaften ausgerechnet am Beispiel David Hilberts nacherzählt, ist so gewagt wie originell: Der 1862 in Königsberg geborene Hilbert hatte zwar neben seinem Axiomatisierungsprogramm eine Fülle bis heute gültiger Theoreme entwickelt und entscheidend zur mathematischen Formulierung der Relativitätstheorie und der Quantenphysik beigetragen und war damit der einflussreichste Mathematiker der ersten Jahrhunderthälfte geworden.
Wie lassen sich Hilberts Leistungen aber Laien vermitteln? Wallwitz rettet sich öfters in Anekdotik und reduziert das Mathematische manchmal bis zur Unkenntlichkeit (oder schiebt es vorsichtshalber in Fußnoten); er bettet Hilbert jedoch so gekonnt in den Kontext jener Geschichte des Axiomatisierungstraumes und zugleich der Physik des 20. Jahrhunderts ein, dass das Unmögliche gelingt: Ein Geistesriese, der in doppelter Weise unvermittelbar scheint, wird anschaulich und menschlich anrührend im Kontext der Geschichte(n).
Kurt Gödel stellte später die Operationen, die wir mit Zahlen anstellen können, selbst als Zahlen dar. Das war ein entscheidender Schritt zur Entwicklung universeller Rechenmaschinen, mithin zum Computer. Wallwitz hat auf doppelt gewitzte Weise ein Unrecht unseres kollektiven Gedächtnisses korrigiert: Hilbert lebt, nur wussten wir nichts davon.