Schwindelfrei

453 Seiten, Hardcover
€ 25,70
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Lieferung in 2-5 Werktagen
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Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft
ISBN 9783950596007
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 14.09.2026
Größe 19 x 12 cm
Verlag Elster & Salis Verlag GmbH
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Elster und Salis Verlag GmbH
Kärntner Ring 12/2b | AT-1010 Wien
office@elstersaliswien.com
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Kurzbeschreibung des Verlags

Vom kleinen Mädchen mit Nazi-Eltern zur jungen Rebellin, für das Fach Regie erkämpft, zur selbstbewussten Frau, die als Pionierin preisgekrönte Filme dreht. Käthe Kratz ringt ihr halbes Leben darum, die Spuren ihrer Herkunft abzustreifen. Gleichzeitig gelingt ihr eine außerordentliche Karriere in einer Männerdomäne. Sie kämpft für sich und für alle Frauen, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. In „Schwindelfrei“ zeichnet Käthe Kratz ein analytisches Bild der politischen und gesellschaftlichen Bewegungen, die eine ganze Generation prägten: von der Nachkriegszeit über den Umbruch der 68er-Jahre und die Befreiung durch die Frauenbewegung. Eine zeitgeschichtliche Lebensdarstellung, die das Private und Politische untrennbar zusammendenkt.

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FALTER-Rezension

Käthe Kratz: Der Sumpf, die Kälte und die Solidarität

Thomas Leitner in FALTER 40/2026 vom 30.09.2026 (S. 30)

Käthe Kratz (Jg. 1947) war mit ihren Filmen und Publikationen über 25 Jahre eine maßgebliche Stimme im kulturellen Leben Österreichs. Sie klang feministisch, links, kritisch und empathisch. Fast ebenso lang dauerte ihr Schweigen danach. Schön, dass sie es nun beendet.

"Schwindelfrei" gibt Einblick, welche äußeren Probleme und inneren Konflikte ihr künstlerisches Werk antrieben und sie dann verstummen ließen. Die literarische Form zeigt, dass sie jegliche Nabelschau vermeiden will, vielmehr individuelles Empfinden in Bezug setzt zu gesellschaftlichen Entwicklungen und deren kollektiver Wahrnehmung. Konsequent spricht Kratz von sich als "das Mädchen", " die junge", dann "alte Frau", nennt aber keine Namen aus dem persönlichen Umfeld. So spiegelt sie die verschiedenen "Aggregatzustände" ihres Ichs in fortlaufenden zeitgeschichtlichen Momentaufnahmen.

Ihre Salzburger Jugend beschreibt Kratz als trostlosen Familiensumpf, belastet durch das nazistische Gedankengut der Eltern. Literarisch fein herausgearbeitet ist das Motiv der Kälte, physisch wie psychisch, die sie lebenslang begleitet. Sie fühlt sich fremd den sozial über ihr stehenden Mitschülern gegenüber. Erst in der Frauenbewegung der 1970er, die sie als Filmemacherin mitgestaltet, wird sie dieses Gefühl ablegen.

Der Tod einer engen Freundin sowie problematische Beziehungen in einer patriarchalisch geprägten Männerwelt stürzen sie in eine tiefe Krise. Sie wirft sich selbst das zu späte Erkennen der Kluft zwischen Wahrheit und "vorgelebtem" Leben vor. Aus diesem Schweigen schreibt sie sich nun heraus.

Das Buch ist keine Abrechnung mit den anderen: Das Sich-bewusst-Machen eigener Versäumnisse steht im Vordergrund. Nicht zuletzt will Kratz Verständnisbarrieren zu ihrer Tochter abbauen, die zwischen den beiden standen.

Solidarität ist das Hauptanliegen dieser so schnörkellosen wie bildmächtigen "Konfessionen".

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