Klär mich auf

101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema
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Kurzbeschreibung des Verlags:


Das dicke, lustige Aufklärungsbuch mit Antworten auf 101 echte Kinderfragen.
Wie viel Aufklärung brauchen Kinder im Grundschulalter? So viel, wie sie selbst wollen, sagen Fachleute. Und was wollen Kinder wissen? Das sehen Sie auf den handgeschriebenen Zetteln, die in diesem Buch abgebildet sind. Die erfahrene Sexualpädagogin Katharina von der Gathen hat diese Fragen aus einem anonymen Briefkasten gefischt, den sie verwendet, um mit Grundschulkindern über Körper, Liebe und Sexualität zu sprechen. Dieses Aufklärungsbuch versammelt 101 dieser Fragen und gibt Antworten darauf – warmherzig und mit viel Gespür für das, was Kinder wirklich wissen wollen. Anke Kuhl interpretiert mit ihren cartoon-artigen Bildern die Fragen auf witzige, lebensfrohe und behutsame Weise.

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FALTER-Rezension

Von Vulvalippen und Menschen mit Uterus

Ein Mädchen surft in "Lina, die Entdeckerin" auf einer Slipeinlage durch seine rosarote Scheide. In "Liebe machen" sieht man zwei Steinzeit-Strichfiguren freizügig beim Sex in unterschiedlichen Stellungen. Und in "Erbsenklein melonengroß" bekommen "Menschen mit Uterus" die Babys. Alle drei Aufklärungsbücher sind kürzlich erschienen, für Kindergartenkinder geeignet, reich illustriert und grundverschieden.

"Sexualität wird oft als etwas sehr Isoliertes betrachtet, das ab einem bestimmten Alter da ist", beobachtet die Sexualpädagogin Julia Fraiss immer wieder. Dabei sind Lust und Erregungsgefühle nicht nur Erwachsenen vorbehalten: Schon im Mutterbauch kann das Baby eine Erektion des Penis oder der Vulva haben. "Jeder Mensch sammelt von klein auf Kompetenzen", sagt die Sexologin Anna Dillinger. "Und nicht erst in der Pubertät."

Fraiss leitet Speak Up, einen Wiener Verein, der Sexualberatung und Workshops in Schulen und Kindergärten anbietet. Dillinger arbeitet als Sexologin und Sexualpädagogin mit Erwachsenen und Kindern. Im Gespräch mit dem Falter sitzen die beiden vor einem Haufen Aufklärungsbücher. Zahlreiche Titel sind in den letzten Jahren erschienen. Viele der neueren Publikationen weisen eine Diversität auf, die den älteren Büchern fehlt: Transgender ist ebenso ein Thema wie In-vitro-Fertilisation (IVF). Familien können auch aus zwei Papas bestehen und die Schamlippen heißen nun Vulvalippen. Die deutschen Verlage Klett, Westermann und Cornelsen haben kürzlich die ersten Schulbücher mit einer korrekten Abbildung der Klitoris und der Benennung Vulva herausgebracht.

Auch das österreichische Bilderbuch "Lina, die Entdeckerin" sei revolutionär als Aufklärungsbuch, in dem die Klitoris in ihrer vollen Pracht ersichtlich wird, so die Sexualpädagoginnen. "Papa! Das heißt Vulva!", belehrt Lina ihren Vater, als dieser sie fragt, ob sie sich auch "zwischen den Beinen" gewaschen hat. Das Buch fokussiert stark auf den weiblichen Körper sowie die genaue und wertfreie Bezeichnung seiner Geschlechtsteile. "Es ist wichtig, dass ich alle Körperteile klar benenne und eine wertschätzende Sprache für den eigenen Körper sowie den des Kindes finde", so Fraiss.

Am Anfang geht es vor allem darum, dass sich das Kind gut spürt und im eigenen Körper wohlfühlt. Sinnliche Erfahrungen, wie im Gatsch zu spielen oder nackt durch den Wind zu laufen, stärken die Körperkompetenzen. Die meisten Aufklärungsbücher funktionieren jedoch primär auf intellektueller Ebene, sagt Fraiss. Dabei ist "Sexualerziehung gerade bei kleinen Kindern weniger kognitiv". Wesentlicher sind sinnliche Wahrnehmungen: "Die in der Kindheit erlernten Kompetenzen beeinflussen, wie man als Erwachsener die Sexualität erlebt und gestalten kann." Dillinger ergänzt: "Es wird oft übersehen, dass man erst lernen muss, Ja zu sich zu sagen, um dann in Folge auch Nein sagen zu können."

Das Bilderbuch "Alle haben einen Po" kommt mit wenig Text aus und schafft auf vergnügliche Art ein Bewusstsein für den eigenen Körper. Witzige Illustrationen zeigen alte und junge Körper, unbehaarte und behaarte. Es geht um die Kinder-Top-Themen: Furzen und Kacken. Ums Kälte-und ums Wärmespüren. Sex oder die Entstehung des Kindes kommen nicht darin vor. Kommt es zu Geschlechtsverkehr liegt der Fokus in den meisten Büchern auf den biologischen Vorgängen und dem romantischen Ideal. Die angenehmen und lustvollen Gefühle der Sexualität spielen, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle. "Dabei geht es meist doch darum, dass Menschen Lust aufeinander haben", meint Dillinger. Auch die kindliche Erregung ist in fast allen Büchern ein Tabu. Nicht so in "Lina, die Entdeckerin", wo das Mädchen seine Scheide von außen und innen ertastet. Das Bilderbuch "Von wegen Bienchen & Blümchen" erwähnt das "schöne Kribbeln" der Vagina und des Penis bei Kindern. Auch in Janoschs Klassiker "Mutter sag, wer macht die Kinder" geht es nicht nur ums Kinderzeugen, sondern auch um Lustgefühle.

Überraschend altbacken kommt "Liebe machen" für Kinder ab vier Jahren daher. Andreas Némets Zeichnungen sind einfach und explizit: Ein Steinzeitmann und eine Steinzeitfrau lieben sich darin auf einem Bärenfell in allen möglichen Stellungen. Letztendlich bricht das laut Verlag "direkteste Aufklärungsbuch seit der Entdeckung des Feuers" den Liebesakt aber auch nur auf den romantischen Zeugungsakt herunter. Die gereimte Sprache verstärkt den altmodischen und zum Teil grotesken Charakter: "Und was man nun erkennen kann: Es wird was hart bei Frau und Mann. Des Mannes Penis steht nach vorn, als wäre er ein großes Horn." Doch vielleicht finden manche Eltern es einfacher, über Intimes zu sprechen, wenn sie es in Versen tun können. Auch im Mädchen-Empowerment-Buch "Lina, die Entdeckerin" reimt sich der Text, wodurch er leider etwas von seiner Direktheit einbüßt.

Immer mehr Kinder kommen mit medizinischer Unterstützung zur Welt. Gerade für ihre Eltern kann es hilfreich sein, Formulierungen in Büchern zu finden. Auch wenn die neue Aufklärungsliteratur das Thema verstärkt aufgreift, gibt es dazu noch nicht viel: Eingebettet in eine längere Geschichte erzählt "Ich bin ein Kinderwunsch-Wunschkind" von IVF. Die Seite famart.de vertreibt individuelle Bilderbücher für Kinder, die etwa mit Samen-oder Eizellenspende auf die Welt gekommen sind.

In "Erbsenklein und melonengroß" nehmen "manche Menschen mit Uterus eine Spritze, in der Samenzellen sind, und geben sie in die Vagina". Im Versuch, alle zu inkludieren, wirkt das Buch teilweise sehr kompliziert und überladen. Simpler gelingt dies im 1997 erschienenen "Vom Liebhaben und Kinderkriegen". Auf die heteronormative Beschreibung der Zeugung folgt eine Doppelseite mit Informationen zur künstlicher Befruchtung, homosexuellen Eltern und adoptierten Kindern. Das knallig-bunte Bilderbuch "Wie entsteht ein Baby" hingegen scheitert am Anspruch, ein Buch für "jede Art von Familie und jede Art von Kind" zu sein. Es erklärt die Zeugung auf rein zellulärer Ebene: Eine Eizelle und eine Samenzelle schweben im undefinierten Raum herum und schütteln einander die Hand. Sex spart das Buch aus. Unter dieser abstrakten Erzählung kann sich ein Kind kaum etwas vorstellen. Überhaupt bekomme dieses Spiel von Samenzelle und Eizelle in den Aufklärungsbüchern eine übertriebene Wichtigkeit, stellen Fraiss und Dillinger fest: "Bei anderen Themen ist es ja auch nicht so, dass man versucht, einem Dreijährigen zu erklären, wie das Herz-Kreislauf-System funktioniert."

Meisterinnen der Sex Education sind die Illustratorin Anke Kuhl und die Sexualpädagogin Katharina von der Gathen: Zusammen haben sie mehrere großartige Aufklärungsbücher herausgebracht. Die zweiteilige Serie "Klär mich auf" beantwortet Fragen von Kindern, wie "Was ist Selbstbefriedigung?", "Wie kriegt man als Mann eine Scheide, wenn man einen Penis hatte?" oder "Kann ein Kind auch aus dem Po kommen?". Die Bücher sind für Kinder ab acht Jahren, die Erklärungen simpel, direkt und ehrlich.

"Das Liebesleben der Tiere" holt das Thema charmant und witzig über die Hintertür herein. Kuhl und von der Gathen beschreiben darin das Paarungsverhalten verschiedener Tierarten: Pandas haben eigentlich nie Lust auf Sex; Delfine und Löwen leben häufig gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Enten sind sehr treu. Das Buch ist witzig im Comicstil illustriert und liefert interessante Fakten: Aale etwa paaren sich nur ein einziges Mal in ihrem ganzen Leben. Wie sie das genau machen, ist nicht bekannt. Sie tauchen nämlich so weit in die Tiefe hinab, dass sie bis heute noch niemand dabei beobachten konnte.

Bis zur Pubertät sollten Kinder wissen, was auf sie zukommt. "Es ist die Realität, dass so gut wie alle mit spätestens zwölf Jahren pornografisches Material gesehen haben. Ob unabsichtlich oder absichtlich", so Fraiss. "Umso wichtiger ist es daher, dass Kinder andere, wertvolle Informationen zu Sexualität erhalten und andere Möglichkeiten gehabt haben, sich mit Sexualität auseinanderzusetzen."

Sara Schausberger in Falter 10/2022 vom 11.03.2022 (S. 32)


Ob ein Kind auch aus dem Po kommen kann?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teenager in die peinliche Situation gerät, von Herrn Papa oder Frau Mama verschämt gefragt zu werden, ob es zum Thema S. Fragen gebe, sollte ­heute eigentlich eher gering sein. Wem das Sprechen über Sex dennoch schwerfällt, vor allem mit den kleineren Zeitgenossen, dem sei das Buch "Klär mich auf" ans Herz gelegt.
Denn je früher man die kindlichen Fragen mit lockerer Souveränität beantwortet, desto unkomplizierter ist das Sexgespräch auch in der Folge. Die auf Sexualpädagogik spezialisierte Autorin Katharina von der Gathen schlägt mit "Klär mich auf" einen originellen und informativen Weg ein. Sie hat jene Kinderfragen gesammelt, deren Autoren und Autorinnen ihre Workshops mitgemacht haben bzw. mitmachen mussten. Das geschah anonym und mit dem Versprechen, ganz sicher auch wirklich jede Frage zu beantworten.
Die charmante Leichtigkeit, mit der Katharina von der Gathen ihren Pfad durch den Dschungel der körperlichen Ungewissheiten schlägt, ist dadurch sichergestellt, dass sie die Kinderfragen im originalen Zustand belassen und die perfekte Illustratorin für dieses Thema gefunden hat. Mit ihrer "naiven" Linie und einer ungeheuren Liebe zum Detail hat sich Anke Kuhl schon mit der Illustration von "Alles lecker", einem visuellen Wörterbuch von Alexandra Maxeiner über Nahrungsmittel und Essensgewohnheiten, in Kinder- und Erwachsenenherzen gezeichnet.
In "Klär mich auf" sorgen die vielen unterschiedlichen Schreibschriften inklusive orthografischer Unsicherheiten bereits beim Lesen der Fragen für ein Lächeln, gleichzeitig lassen sie die Dringlichkeit des kindlichen Wissenwollens erahnen.
Die Palette der Neugier ist vielfältig: "Warum krikt man einen steifen Penis wen man über sex redet?", "Kann ein Kind aus dem Po komen?" oder auch: "Was passiert wenn man keine lust auf Sex hat?" Die Antworten stehen jeweils auf der Rückseite des Blattes. Sie sind so bestechend offen wie die Fragen und dabei doch stets behutsam formuliert.

ab 8 Jahren

Marianne Schreck in Falter 51/2014 vom 19.12.2014 (S. 33)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783954701193
Erscheinungsdatum 06.12.2021
Umfang 208 Seiten
Genre Kinder- und Jugendbücher/Sachbücher, Sachbilderbücher/Mensch
Format Hardcover
Verlag Klett Kinderbuch
Empf. Lesealter ab 8 Jahre
Illustrationen Anke Kuhl
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