Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge

The 1805 Prelude
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Erstmals und kongenial ins Deutsche übertragen: Wordsworths Hauptwerk, eines der großen Blankvers-Essays der Weltliteratur, beschreibt die geistige Entwicklung des Dichters und erhielt daher posthum den Titel »The Prelude, or Growth of a Poet’s mind«. Vergleichbar mit Rousseaus »Confessions« oder Moritz’ »Anton Reiser« breitet Wordsworth darin eine autobiografische Erfahrungsseelenkunde aus, die sich in knapp 10.000 Versen mit poetologischen und philosophischen Raisonnements sowie mit einem Epochenportrait der Zeit von 1770 bis 1805 verschränkt. Die hier übersetzte Version aus dem Jahr 1805 unterscheidet sich fundamental von der 45 Jahre lang revidierten und umgeschriebenen Fassung von 1850. Hinreißend schwärmerisch, dem Himmel und den Künsten zugewandt, erweist sich der junge Wordsworth als einer der ganz großen Sehnenden der Weltliteratur.

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FALTER-Rezension

Heiterkeit, Wahrheit und Entzücken

William Wordsworth (1770– 1840) war gerade 23, als er während einer Deutschlandreise beschloss, sein eigenes Dichterwerden nachzudichten. Das 8000 Blankverse lange „Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge“ steht im Gefolge der Versepen von Homer über Dante bis Milton und beansprucht, als „philosophisches Gedicht“ seine Zeit in Gedanken zu fassen.
Das kurze Eingangsgeplänkel über die Kindheit in der nordwestenglischen Grafschaft Cumberland steigert sich rasch zu hyperromantischer Erkenntnis. Pastorale Idyllen wechseln sich mit Gedankenlyrik ab, erzählerische Passagen gehen über in Polemik oder persönliche Epistel, Grundtenor des Ganzen ist die Aufforderung, „Kinds-Empfindsamkeit, das große Geburtsrecht unsrer Existenz“, zu pflegen.
Wordsworth beschreibt Kinderspiele, die erste Lektüre von Cervantes und Shakespeare, Schulbesuch, dann die erste Reise nach London, es folgt das Studium in Cambridge. Der Dichter weiß: „Ich war ein Freibürger“, mokiert sich aber auch über das „Gehuber mit Klassischen Preziosen“.
Er nimmt Reißaus und gerät im Frankreich des Jahres 1790 in die Revolution. Erster Eindruck in Calais: „wie begeistert den Kopf man hoch trägt, wenn des einen Freude / die Freude ist von zehn Millionen“.
Der euphorischen Neudefinition des Menschen folgt auch
Wordsworth während seiner Wanderung in den Schweizer Alpen: „Unsere Heimat – unsre Bestimmung & Natur: / die liegen im Unendlichen“. London erscheint danach als die schiere Unterwelt.
In langen Tiraden kämpft er sich von der „Naturliebe“ zur ­„Menschenliebe“ durch und unterzieht die ­Errungenschaften der Französischen Revolution einer drastischen Revision: „wie wenn wir einen Hund / das eigne Ausgespiene fressen sehen“. ­Zuletzt erfolgt ein Blick aufs Meer, die Bildung des dichterischen Geistes ist vollendet. Die Botschaft lautet: ­Heiterkeit in jedem Lebensakt, Wahrheit in ­Moralurteilen, Entzücken. Wolfgang Schlüter hat das Ganze grandios ins Deutsche gebracht.

Erich Klein in Falter 49/2015 vom 04.12.2015 (S. 32)

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Produktdetails
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ISBN 9783957570857
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 17.08.2015
Umfang 384 Seiten
Genre Belletristik/Lyrik, Dramatik
Format Hardcover
Verlag Matthes & Seitz Berlin
Übersetzung Wolfgang Schlüter
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