Schweine

Ein Portrait
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Kein anderes Tier wird häufiger verspeist, und auch sprachlich werden das Schwein, die Sau und das Ferkel oft und gern in den Mund genommen: Als Ausdruck unverdienten Glücks und fehlender Manieren, als Schimpfwort für Zeitgenossen und das kapitalistische System. Das Schwein ist auch metaphorisch ein Allesfresser, Symbol religiöser Unreinheit und sexueller Lust, besonderer Sparsamkeit und bodenloser Dummheit. Dabei zeigt sich vor allem, wie nah uns das Schwein ist - auch physiologisch. Neuesten Forschungen zufolge steht die Transplantation von Schweineherzen in menschliche Brustkörbe kurz bevor. Kein Wunder, dass sich der Mensch von seinem liebsten Nutztier durch eine Reihe von Tabus und Vorurteilen abzugrenzen versucht. Der Kulturwissenschaftler Thomas Macho verfolgt die Karriere des Borstentiers vom früh domestizierten und später von Hirten gehütetem Nutztier zum Fleisch- und Allegorienlieferanten Nummer eins. Sein Buch ist ein Plädoyer gegen Reinlichkeitsfantasien aller Art, ein Portrait alter und neuer Rassen sowie der Beweis, dass das Schwein dem Menschen in Komplexität und Widersprüchlichkeit in nichts nachsteht.

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FALTER-Rezension

Der Mensch, das Schwein und ihre Ähnlichkeiten

Nah und fern zugleich: Das Leitmotiv, mit dem der an der Humboldt-Universität lehrende Wiener Philosoph Thomas Macho das Verhältnis von Tier und Mensch kennzeichnet, beschrieb bisher auch die Beziehung des Autors zu seiner Heimatstadt.
Das ändert sich erfreulicherweise, wenn Macho ab März 2016 die Leitung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK) übernimmt.
Zu seinen vielfältigen Interessen gehört schon länger auch das Schwein, auf das er vor Jahren als Ausstellungskurator kam. Insofern lag es für die Herausgeberin der Reihe „Naturkunden“ bei Matthes & Seitz nahe, ihn dazu zu Wort kommen zu lassen.
Mit der spielerischen Leichtigkeit des Kulturwissenschaftlers durchstreift Macho die Jahrtausende der delikaten Beziehung zwischen Mensch und Schwein. Der Untertitel „Ein Portrait von Thomas Macho“ beunruhigt ob der Zweideutigkeit. Der Autor ist sich bewusst, dass sich das bei keinem anderen Tier aufgedrängt hätte. Hängt die Ambivalenz zum Objekt mit dem prekären Verhältnis des Menschen zu sich selbst zusammen?
Irritierend ist vieles an dieser Symbiose: Einerseits ist das Schwein das einzige Haustier, das ausschließlich um des Verzehrs willen gehalten wird, auf der anderen Seite heimelt es uns auf unheimliche Weise an. Seine Stimme etwa setzt es sozial zu Rottengesängen und Wiegenliedern ein, in Todesangst gemahnt sie schauerlich an Schreie kleiner Kinder.
Selbst sein Odeur lässt sich vergleichen. Jedenfalls berichten Zeitzeugen, dass der Geruch, der nach dem Dresdner Feuersturm tagelang die Ruinen durchwehte, beklemmende Assoziationen erweckte. Ob die Tabuisierung des Schweinefleischgenusses auch auf solch makabre Ähnlichkeit zurückzuführen ist und die Rückkehr vom Tier- zum Menschenopfer verhindern soll?
Auch heiterere Aspekte kommen nicht zu kurz, von der bei Plutarch erwähnten Weigerung der Gefährten des Odysseus, sich von Schweinen in Menschen zurückverwandeln zu lassen, bis zur kurzzeitigen Mode der Schoßschweinchen.

Thomas Leitner in Falter 38/2015 vom 18.09.2015 (S. 32)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheNaturkunden
ISBN 9783957570994
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 02.06.2015
Umfang 155 Seiten
Genre Ratgeber/Natur/Naturführer
Format Hardcover
Verlag Matthes & Seitz Berlin
Illustrationen Falk Nordmann
Herausgegeben von Judith Schalansky
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