Ein philosophisches Portrait
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Das Werk Hans Blumenbergs steht wie ein Monolith in der philosophischen Landschaft. Während er immer mehr als einer der wichtigsten deutschsprachigen Philosophen des 20. Jahrhunderts entdeckt wird, erscheinen seine Bücher als ungemein faszinierend und schwer zu lesen, äußerst anregend
und zumeist umständlich sowie überaus stilbewusst und oftmals sehr um fangreich. Jürgen Goldstein, der selbst bei Blumenberg studierte, zeichnet ein philosophisches Portrait dieses Autors, indem er dessen geistige Physiognomie hervortreten lässt: Meisterhaft und anschaulich folgt er als ausgewiesener Kenner den Gedankenlinien des reichhaltigen Werkes, von den frühesten akademischen Schriften über die klassischen Bücher bis zu den essayistischen Miniaturen der späten Jahre und den bereits aus dem Nachlass gehobenen Schriften. Dabei wird nicht nur beleuchtet, was Blumenberg dachte, sondern auch, wie er es tat. So eröffnet seine Denkbiografie nicht nur Eingeweihten des Werks neue Perspektiven, sondern dient auch als Handreichung für jene, die bei einem seiner Bücher ins Stocken geraten sind. Auf diese Weise wird dem Gelehrten, der zeit seines Lebens den Zugriff auf seine Person scheute, Genüge getan: denn Blumenberg wollte nicht durchschaut, er wollte gelesen werden.

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FALTER-Rezension

Philosophie für das Mangelwesen Mensch

Jürgen Goldstein lehrt ­Philosophie in Koblenz. Er studierte bei Hans Blumenberg und präsentiert zu ­dessen 100. Geburtstag ein einfühlsames Porträt des ­solitären „­Langstreckendenkers“. Indem er die ­Konturen von Blumenbergs ­Denken nachzeichnet, erleichtert er den ­Einstieg in die Fülle des „kaum zu Referierenden“. Die Lektüreanregungen sollen das „Missverhältnis von Anerkennung und Würdigung“ des oft Zitierten und wenig Gelesenen korrigieren. Im ersten Moment scheint das Werk Blumenbergs schiere Unzumutbarkeit zu sein, schon der Umfang der Hauptwerke wirkt bedrohlich. Der „Wille zur Originalität“ und die sprachliche Form als ­Ausdruck des Inhalts erleichtern es nicht, ­tausende Seiten und hunderte Feuilletons durchzuackern.

Ein Zettelkasten von 30.000 Karteikarten diente dem Meister des Unabgeschlossenen, der „Theorietreiben“ als „Versöhnung mit dem Leben“ und Schild gegen die absolute Kränkung durch den Tod sah, als Grundlage der Textgebäude. Bis zu seinem Tod 1996 erzählte er seine „Bewusstseinsgeschichten“ weiter. Goldstein stellt das für ihn gedanklich wie sprachlich „idealtypische Meisterwerk“ ins Zentrum: „Die Genesis der kopernikanischen Welt“ (1975). Wie es sich für eine Genesis gehört, werden in sechs Kapiteln aus der Bewusstseinslage des späten Mittelalters die Konflikte von Glauben und Wissenschaft als innere Geschichte der Neuzeit erzählt. Leitmotive wie „Metaphorologie“ und „diskrete“, weil immer nur vorläufige Anthropologie entspringen hier.

Davon ausgehend zieht ­Goldstein vorsichtig und hellhörig Verbindungslinien zu späteren „­essayistischen Nachdenklichkeiten“, über ­Goethe etwa oder die Matthäuspassion. Er verweigert sich, ganz im Sinne ­Blumenbergs, dem Versuch schlüssiger Kurzfassungen. Für diesen ist Philosophie Tröstung des Menschen als kognitives Mangelwesen. Etwas, das man „getrost nach Hause tragen“ könnte, liefert Goldstein nicht, er weiß sich darin eins mit seinem Lehrer: „Wir kennen nur Umwege.“

Ein großartiger Einstieg in eine zugegeben schwierige Philosophie, die auch unbeantwortbare Fragen respektiert.

Thomas Leitner in Falter 30/2020 vom 24.07.2020 (S. 30)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783957577580
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 09.07.2020
Umfang 624 Seiten
Genre Sachbücher/Philosophie, Religion/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Matthes & Seitz Berlin
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