Müßige Tage in Patagonien

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Kurzbeschreibung des Verlags:

»Während ich sprach, nahm ich einen Revolver in die Hand; und mein Gefährte hatte gerade begonnen, mir zu erzählen, dass dies ein Revolver mit einer ganz besonderen Marotte sei, als das Ding mit einem schrecklichen Knall losging und mir eine Kugel ins linke Knie jagte.« Mit dem Besuch Patagoniens hatte sich der Schriftsteller und Vogelkundler W. H. Hudson einen Lebenstraum erfüllt. Doch nachdem er sich vor dem Ertrinken auf einem kenternden Dampfer gerettet und nach einer Wanderung durch die Dünen ohne Wasser und Essen endlich ein englisches Lager erreicht hatte, schießt er sich ins eigene Bein. Sein Begleiter holt Hilfe, während sich eine Schlange in seinen Schlafsack verirrt. Durch all dies zu unverhofftem Müßiggang gezwungen, geht er nicht wie geplant auf Jagd nach seltenen Vögeln, sondern liegt ermattet, die Fliegen beobachtend und über die Schönheit der Vögel, die Vielfalt der Natur, das Einzigartige des Lebens staunend, in einer Hängematte. Seine Reflexionen wurden zu einem Klassiker der Reiseliteratur. Ornithologische Betrachtung und philosophischer Essay zugleich, zeugen sie von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe Hudsons und seiner erzählerischen Kraft, die ihn auch für Autoren wie Hemingway zum Vorbild werden ließ.
»Man kann immerfort zu lernen versuchen, wie Hudson seine Wirkungen erzielt, und wird es nie wissen. Er schreibt seine Worte nieder, wie der liebe Gott das Gras wachsen lässt.« - Joseph Conrad

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FALTER-Rezension

Müßig streift Mister Hudson durch die Pampa

Er schreibt seine Worte nieder, wie der liebe Gott das Gras wachsen lässt“, äußerte sich Joseph Conrad bewundernd über seinen um 16 Jahre älteren Kollegen William Henry Hudson. Der in Argentinien geborene Sohn von Einwanderern mit englischen respektive irischen Wurzeln hatte sich als junger Mann im Jahr 1870 den lange gehegten Wunsch erfüllt, nach Patagonien zu gehen.

Hudson, nach dem immerhin die Vogelarten Thaeotriccus hudsoni und Asthenes hudsoni benannt sind – ganz recht, der Weißflankendunkeltyrann und der Nördliche Flügelspiegelcanastero – gehörte noch jener Generation an, die Ornithologie mit der Flinte betrieb. Er schreckte nicht davor zurück, einen prächtigen Flamingo zu erlegen, den ihm sein verhaltens-auffälliger Hund aus dem Sumpf apportierte – eine Szene, die zu den anrührendsten und komischsten dieses Buches zählt.

Im Übrigen scheint die Reise von Anfang an unter einem Unstern zu stehen: Zuerst läuft das Schiff auf Grund, dann quält Hudson auf seinem Marsch ins Landesinnere furchtbarer Durst, und schließlich schießt er sich auch noch mit dem Revolver buchstäblich ins eigene Knie. Der tragikomische Unfall – die Kugel kann auch vom Arzt nicht entfernt werden und findet danach nie wieder Erwähnung – erweist sich allerdings als Glücksfall: Rekonvaleszent und immobil entdeckt Hudson, dass im Rasen zu liegen, in den Himmel zu starren, dem Gerede seiner Quartiergeber zuzuhören und über dies und jenes nachzudenken just der rechte Wahrnehmungsmodus ist, um den ganz spezifischen Reiz dieser eintönigen Landschaft wahrzunehmen.

Hudson berichtet über Vogelsichtungen, archäologische Funde, über das korrekte Kauen von maken (dem gummiartigen Harz eines wacholderartigen Baums) und die untrüglichen Instinkte der indigenen Bevölkerung. Nicht in allem wird man ihm heute folgen, aber wie er Land und Wetter beschreibt und den Akt des Wahrnehmens reflektiert, das macht ihm so schnell keiner nach. Keine Frage: So würde Peter Handke schreiben, wenn er seine sieben Zwetschken beieinander hätte.

Klaus Nüchtern in Falter 1-2/2020 vom 10.01.2020 (S. 30)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheNaturkunden
ISBN 9783957577931
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 31.10.2019
Umfang 239 Seiten
Genre Belletristik/Romanhafte Biografien
Format Taschenbuch
Verlag Matthes & Seitz Berlin
Herausgegeben von Judith Schalansky
Übersetzung Rainer G. Schmidt
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