SACHBUCH-BESTENLISTE Juli 2020

Lebhafte Materie
Eine politische Ökologie der Dinge

von Jane Bennett

€ 28,80
Lieferung in 2-7 Werktagen

Übersetzung: Max Henninger
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion
Umfang: 271 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.04.2020


Rezension aus FALTER 32/2020

Menschen, Tiere und Dinge sind verbunden

Die Tragik der ökologischen Debatte liegt darin, dass flammende Handlungsappelle seit Jahrzehnten verpuffen. Um ihr zu mehr Wirksamkeit zu verhelfen, hat sich eine Reihe von Denkern aufgemacht, ihre Grundlagen radikal zu hinterfragen. Der Theoretiker der Occupy-Bewegung, Charles Eisenstein, schrieb mit „Klima. Eine neue Perspektive“ (dt. 2019) eine radikale Kritik der Konzentration auf die CO₂-Reduktion, der Philosoph Timothy Morton kritisierte mit „Ökologisch sein“ (dt. 2019) das Zumüllen der Medienkonsumenten mit apokalyptischen Daten. Beiden ist daran gelegen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass alle Lebewesen verbunden sind, und neue Denkstile und Erwartungshorizonte zu entwickeln.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Jane Bennett in „Lebhafte Materie. Eine politische Ökologie der Dinge“, das mit zehn Jahren Verspätung nun endlich auf Deutsch vorliegt. Die US-amerikanische Philosophin stellt darin die verbreitete Annahme infrage, dass es eine unüberbrückbare Kluft zwischen Leben und Materie, Mensch und Tier, Wille und Determinismus gebe. Da diese dazu führe, dass der Mensch sich von seiner Umwelt getrennt fühle, propagiert sie einen neuen Wahrnehmungsstil und fährt dazu eine Reihe anspruchsvoller Begriffe auf.

Vitalen Materialismus nennt Bennett ihre Theorie und untermauert sie mit so theoretischen wie überzeugenden Argumenten. Dabei stützt sie sich weniger auf Naturwissenschaftler denn auf Philosophen, von Epikur über Nietzsche bis zu Bruno Latour. Trotzdem sind ihre Beispiele konkret. Da geht es etwa um die schöpferische Handlungsmacht von Materie (wenn Metalle in Weichtiere einwandern und so Knochen bilden) oder Gefügen (wie dem Stromnetz), um nicht menschliche Aktanten in Gerichtsprozessen (wie etwa Schmauchspuren). Bennet plädiert für eine milde Form von Anthropomorphisierung à la Darwin, der sogar bei Würmern Absichten erkannte, um das Verhältnis von Personen und „anderen Materialitäten“ zu enthierarchisieren – und sich damit in Richtung eines ökologischeren Bewusstseins zu bewegen. Ein Augenöffner.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 32/2020 vom 07.08.2020 (S. 30)


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