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| Themen | Kunst |
|---|---|
| ISBN | 9783959059596 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 01.04.2026 |
| Größe | 23.5 x 17 cm |
| Verlag | Spector Books |
| Beiträge von | Peter Stuiber |
| Herausgegeben von | Peter Stuiber, Wien Museum |
| Lieferzeit | Lieferung innerhalb von 28 Werktagen |
Vor 50 Jahren sorgte Punk in England für ein Erdbeben – die Ausläufer waren etwas zeitverzögert auch in Wien zu spüren. Ab 1977 etablierte sich eine kleine, umtriebige Szene, die mit brachialer Musik und provokantem Auftreten das Wiener Spießertum in Alarmbereitschaft versetzte. Bands wie Chuzpe, Pöbel, Dirt Shit, a-gen53 und die Dead Nittels brachten die Teenager zum Pogotanzen. Treffpunkt der Punks war der Flohmarkt am Samstag. Das Motto lautete: „Do it yourself!“ Man stellte sein Outfit selbst her, druckte Badges und machte Musik, oft ohne jegliche Vorkenntnisse. Die Publikation vereint 25 Interviews mit Protagonist·innen der damaligen Szene. Den visuellen Kern bilden zeitgenössische Fotos – allen voran von Mickey Kodak, einem der ersten Wiener Punks –, Plakate, Plattencover, Fanzines und weiteres Material mit subversiver Verve. Peter Stuiber ist Kulturhistoriker, Publizist und Kurator. Er arbeitet seit 20 Jahren im Wien Museum.
| Themen | Kunst |
|---|---|
| ISBN | 9783959059596 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 01.04.2026 |
| Größe | 23.5 x 17 cm |
| Verlag | Spector Books |
| Beiträge von | Peter Stuiber |
| Herausgegeben von | Peter Stuiber, Wien Museum |
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Gerhard Stöger in FALTER 30/2026 vom 22.07.2026 (S. 29)
Punk ist eine Geschichte der Irrtümer und Ambivalenzen. Die berühmteste Parole dieser Stinkefinger-Kultur, die heuer ihren 50. Geburtstag feiert, lautete "No Future". Ein klarer Ausdruck von Nihilismus also?
Die zwei Worte, die vielen zur Lebenseinstellung werden sollten, stammen aus einem Lied der Sex Pistols. Nur propagierte ihr streitlustiger Sänger Johnny Rotten darin eben kein "Scheiß auf die Zukunft, scheiß auf alles". Vielmehr beklagte er das Fehlen von Perspektiven für junge Menschen im England der 1970er. Haben nur viele nicht gecheckt.
Oder die Sache mit dem billig Selbstgebastelten: Mit viel Herzblut zusammengeschusterte und in kleiner Auflage produzierte Vinylsingles von damals kosten heute oft Unsummen; die so schlichte wie kreative Collagenkunst des Punk ist längst ein begehrtes Ausstellungsobjekt.
2027 ist es auch in Wien so weit: Das Wien Museum wird die Ausstellung "Wien du tote Stadt. Punk um 1980" zeigen und sich dabei auf das Geschehen vor Ort konzentrieren - knapp 20 Jahre nach der Schau "Punk. No One Is Innocent", die 2008 in der Kunsthalle Wien zu sehen war.
Die Welt hat sich auf 1976 als Punk-Geburtsjahr verständigt, weil damals die New Yorker Ramones und die Londoner Sex Pistols mit Musik auftauchten, die die Pop-Welt nachhaltig verändern sollte. Das Wien Museum orientiert sich aber offenbar an 1977, dem Jahr, in dem Punk die Welt eroberte. Kurioserweise liegt der Katalog zur Ausstellung bereits vor.
"Wien du tote Stadt", von Kurator Peter Stuiber gestaltet, ist Glücksfall und Ärgernis zugleich. Eine Ambivalenz, die weniger am Gegenstand als vielmehr an der Machart liegt: Visuell fantastisch und mit extrem ansprechender Haptik ausgestattet, laboriert es am Inhalt.
Angemessen großzügig präsentiert das Buch historische Fotos, allen voran von Szene-Chronist Michael Snoj, Punk-Kampfname Kodak, der einen wahren Schatz lokaler Subkultur-Dokumentation geschaffen hat. Der Text hinkt hinterher. Stuiber führte einfach diverse Gespräche und druckte sie ohne Kontextualisierung ab. Das ist gleich mehrfach unglücklich: So überschaubar Wiens Punkszene war, so gut ist sie dokumentiert, durch Filme, Publikationen und Tonträger. Wer themenaffin ist, kennt daher viele jener, die zu Wort kommen, samt ihren Geschichten. Robert Wolf und Ronnie Urini etwa, Panza, Ilse Hoffmann und Erwin Bösling. Wer aber kein Vorwissen hat, wird erst nach gut 100 Seiten durch das Interview mit Walter Gröbchen abgeholt. Der Musikmanager, selbst kein Ex-Punk, liefert eine Art erklärende Einordnung.
Dass die nötige Tiefe fehlt, kommt erschwerend hinzu. Wird es interessant, fehlen Nachfragen oder das Schwätzchen endet schon wieder; Redundanzen haben indes reichlich Platz. Immerhin erfährt man, dass der Schlagzeuger von Pöbel, Wiens derbster Punkband, heute Klassikfan ist und die Sängerin Uschi Paranoia später Juristin wurde.
Nach Erbsenzählerei und erschlagender Textmenge klingt der Ansatz der beiden Wälzer "Bored Teenagers" und "Angriff aufs Schlaraffenland", erschienen im popkulturell verdienstvollen Mainzer Ventil Verlag: Mehr oder (meist) weniger bekannte Menschen aus Medien und (Sub-)Kultur schreiben hier über ihre liebsten deutschen und internationalen Songs aus 50 Jahren Punk.
Tatsächlich ist das Ergebnis zwar jeweils weit mehr Schmöker-denn Lesebuch, und beide Male sind auch allerlei publizierte tagebuchartige Erinnerungen ohne erkennbaren Mehrwert enthalten. Erstaunlich oft aber gewinnen die Texte bekannten Liedern interessante Facetten ab und machen unbekannte schmackhaft.
Mit ansteckender Begeisterung würdigt Vina Yun etwa "Polícia" von der brasilianischen Band Mercenárias unter dem programmatischen Titel "Gegen Bullen, Staat, Patriarchat", während Sandra Zettpunkt Erstaunliches über Talulah Gosh berichtet: Die Sängerin der Band ist heute linke Ökonomin und Teil der britischen Finanzmarktaufsicht, Elizabeth Price, ein weiteres Mitglied, erhielt 2012 als Künstlerin den renommierten Turner Prize.
Auch schön: Die besten dieser Texte verraten nebenbei mehr über die Biografien der Schreibenden und ihre individuellen Punkbezüge als so manches komplette Interview in "Wien du tote Stadt".
In dieser Rezension ebenfalls besprochen:

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