Die Optimisten

von Rebecca Makkai

€ 24,70
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Übersetzung: Bettina Abarbanell
Verlag: Eisele Verlag
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 624 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.03.2020


Rezension aus FALTER 22/2020

Rebecca Makkais Aids-Roman "Die Optimisten": Empathie-Test und sozialer Tod

"Diese Krankheit vergrößert alle unsere Fehler. Irgendeine Dummheit, die du mit neunzehn begangen hast [ ]. Und dann stellt sich heraus, dass es der entscheidende Tag deines Lebens war." Dieser Satz fällt ziemlich genau in der Mitte des Romans. Yale Tishman, der ihn äußert, ist Anfang 30 und drauf und dran einen Coup zu landen, denn die betagte Großtante seiner Freundin Fiona möchte der Galerie, für die er tätig ist, ihre Privatsammlung überlassen. Gerade noch war Yale überzeugt, den besten Tag seines Lebens zu erleben

Der Faktor Zeit spielt in "Die Optimisten" eine zentrale Rolle. Zum einen, weil zwischen den beiden Haupthandlungssträngen drei Jahrzehnte verstreichen, zum anderen, weil sich für die Protagonisten, über die Mitte der 1980er-Jahre in Chicago die erste Aids-Welle hereinbricht, von einem Moment auf den anderen alles ändert. Freunde, bei denen man gerade noch übernachtet hat, sind einen halben Tag später tot. Und als Yale erfährt, dass sein Lebensgefährte Charlie, der jahrelang die "Monogamiekeule" geschwungen, "safer sex" propagiert und ihm noch unlängst eine riesen Eifersuchtsszene gemacht hat, selbst infiziert ist, reagiert er wütend und beginnt zu rechnen: Wann hatten sie beide ihren negativen HIV-Test bekommen, wann zum letzten Mal Sex gehabt und wann kann sich Charlie angesteckt haben?

Im Jahr 2015 jährt sich der Tod von Fionas Bruder Nico zum dreißigsten Mal. Er war eines der ersten Opfer der grotesken Seuche, die, wie man zunächst meinte, nur schwule Männer betraf. Dass ihre Eltern Nicos hinterbliebenen Freund auf der Trauerfeier nicht sehen wollen, ist symptomatisch: Die Seuche beschert vielen vor dem realen noch den sozialen Tod.

Richard ist einer von wenigen Freunden Fionas, die überlebt haben. Mittlerweile ein berühmter Fotograf, hat er eine große Schau im Centre Pompidou. Seine Bilder, auf denen man Nico, Yale, Charlie und die anderen sehen kann, sind heute Kunst. Für Fiona, die sich in Paris aufhält, um ihre untergetauchte Tochter zu suchen, bleibt die Erinnerung schmerzhaft.

Rebekka Makkais Roman verfügt über echte Page-Turner-Qualitäten und besticht durch ein Ensemble an Charakteren, die realistisch und ungeschönt, aber nicht ohne Empathie dargestellt sind. Da ist zum Beispiel Teddy, der nach zwei Jahren wieder mit dem erkrankten Julian zusammen ist, weil: "Man muss sich um die Menschen kümmern, die man liebt."

Klaus Nüchtern in FALTER 22/2020 vom 29.05.2020 (S. 36)


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