Zucker
Eine Geschichte über Macht und Versuchung

von James Walvin

€ 29,90
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Übersetzung: Sonja Schuhmacher
Übersetzung: Claus Varrelmann
Verlag: oekom verlag
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 336 Seiten
Erscheinungsdatum: 05.05.2020


Rezension aus FALTER 22/2020

Die Sucht nach Zucker und die Kolonisierung

Wer Zucker sagt, meint hierzulande Rübenzucker. Dabei wurde in Europa vom 16. bis zum 19. Jahrhundert vor allem Rohrzucker konsumiert. Erzeugt mithilfe von Sklavenarbeit, wurde er immer billiger, und das, obwohl er mit Schiffen um die halbe Welt transportiert werden musste. Rohrzucker spielte in der Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei eine mindestens so tragende Rolle wie Tee, Kaffee, Tabak oder Baumwolle. Das Luxusgut für den Adel mutierte zu einem Grundnahrungs-und zugleich Suchtmittel der Massen, zum Nachteil der Zahngesundheit aller Schichten. Im Vorwort von "Zucker. Eine Geschichte über Macht und Versuchung" erzählt der emeritierte Professor für Geschichte an der Universität von York James Walvin von seiner Kindheit in der englischen Arbeiterklasse. "Meinem Vater waren im Alter von 21 Jahren sämtliche Zähne gezogen worden; meine Mutter verlor ihre letzten Zähne mit Mitte dreißig. Großmutter, Onkel, Tanten und gute Freunde der Familie - alle hatten ein künstliches Gebiss."

Das süße "Gift" veränderte in den letzten 500 Jahren nicht nur die Ernährung, sondern auch die Wirtschaft. Sie wurde global und revolutionierte nicht nur die Bevölkerungsstruktur des amerikanischen Kontinents und seiner "Zuckerinseln", von Jamaika bis Hawaii, sondern durch hemmungslose Rodungen auch die Ökologie.

Dass Zucker definitiv ungesund ist, weiß die zunehmend adipöse Menschheit schon seit langem, was aber den Siegeszug von Softdrinks und gesüßtem Convenience-Food nicht bremste. Erst seit 2016 wirbt Coca-Cola mit seiner Abwesenheit: "Zero Sugar".

Leider bleibt Walvin nach seiner persönlichen Einleitung auf einer allzu abstrakten Ebene, mit einer Tendenz zu Redundanzen. Konkrete Biografien und Fallbeispiele hätten diese "Stoffgeschichte", Band zwölf in der gleichnamigen Reihe bei oekom, um einiges anschaulicher gemacht. Aufgrund der schieren Größe des Impacts von Zucker auf die Kulturgeschichte hinterlässt sie allerdings auch so einen tiefen, um nicht zu sagen verstörenden Eindruck.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 22/2020 vom 29.05.2020 (S. 37)


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