Die Zukunft ist Frieden

Eine palästinensisch-israelische Reise durch ein versehrtes Land
250 Seiten, Hardcover
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Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten
ISBN 9783982730073
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 17.09.2026
Größe 21.5 x 13.5 cm
Verlag Altneuland
Übersetzung Ursula Kömen
LieferzeitLieferung in 7-14 Werktagen
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Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
Kaiserstraße 79 | DE-60329 Frankfurt am Mai
info@schoeffling.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Die Zukunft ist Frieden ist das Werk eines Palästinensers und eines Israelis, die beide enge Familienangehörige im Konflikt verloren haben — und sich dennoch entschieden haben, gemeinsam den Weg des Friedens zu gehen, statt sich dem destruktiven Wunsch nach Rache hinzugeben.  Abseits aller lähmenden Verzweiflung entwirft Die Zukunft ist Frieden eine konkrete Friedensvision für Israel-Palästina, inspiriert von persönlichen Begegnungen in Städten, durch die der Konflikt schon seit langem Trennungslinien gezogen hat. Ein Buch für alle, die in einer zerrütteten Welt einen Weg zu einem Miteinander suchen.

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ISBN 9783982730073
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FALTER-Rezension

Zwei Mal Frieden bitte

Tessa Szyszkowitz in FALTER 42/2026 vom 14.10.2026 (S. 16)

Maoz blickt mit Wärme auf den anderen Mann am Schirm. Der Palästinenser Aziz ist der Grund dafür, dass der Israeli nach dem Mord an seinen Eltern nicht völlig verzweifelt ist: "Er hat sich nur drei Tage nach dem 7. Oktober bei mir gemeldet und mir sein Beileid ausgesprochen. Das war buchstäblich wie eine Hand, die mich vor dem Ertrinken im Meer aus Trauer und Schmerz gerettet hat."
Maoz Inon und Aziz Abu Sarah kannten sich damals nur flüchtig. Beide waren als Reiseführer und Touristenunternehmer tätig -im gleichen Land, auf das sie beide ganz verschiedene Perspektiven haben. Denn der eine ist Israeli und der andere Palästinenser.

Dann kam der 7. Oktober 2023. Maoz verlor an diesem Tag, der zum schlimmsten in der bisherigen Geschichte Israels wurde, seine Eltern Bilha und Yacovi. Die Hamas war durch den Zaun, der Gaza und Israel trennte, durchgebrochen. Terroristen stürmten Netiv HaAsara, einen Moschaw (ländliche Siedlungsform), in dem die Inons lebten. Das genossenschaftlich verwaltete Dorf war von Friedensaktivisten gegründet worden, die auf friedliche Koexistenz mit den Palästinensern hofften.

Für Bilha und Jacobi endete dieser Traum vor drei Jahren. Die Hamas erschoss sie in ihrem Wohnzimmer und steckte das Haus in Brand.

"Mein Leben brach an diesem Tag zusammen", sagt Maoz Inon im Online-Interview mit dem Falter. Am geteilten Computerscreen ist auch Aziz Abu Sarah zu sehen. Maoz sitzt im Schlafzimmer seines Sohnes in Binjamina im Norden von Tel Aviv in Israel. Abu Sarah sitzt auf einer Bank in einem Flughafen in den USA.

Aziz weiß, was es heißt, wenn der Konflikt einem einen geliebten Menschen entreißt. In der ersten Intifada wurde sein Bruder in israelischer Haft so schwer gefoltert, dass er nach seiner Freilassung starb.

"Es ist genug gestorben worden", sagt Maoz. Aziz stimmt ihm zu: "Damit kann unsere Geschichte nicht enden." Jetzt führen die beiden alle, die es wissen wollen, durch die geistige Landkarte ihres gemeinsamen Landes und skizzieren in ihrem Buch "Die Zukunft ist Frieden", wie es sich gemeinsam leben ließe. Sie sind schon gemeinsam zu Papst Leo XIV. nach Rom gepilgert. Und zu Zohran Mamdani, dem Bürgermeister von New York. Ihr Aufruf, endlich mit dem Töten aufzuhören, füllt in Amerika, in London oder in Deutschland Säle mit tausenden Teilnehmern. Mit der deutschen Ausgabe des Buches kommen Maoz und Aziz demnächst auch nach Wien ins Jüdische Museum.

Die meisten Israelis und Palästinenser reden überhaupt nicht mehr miteinander. Die beiden Koautoren von "Die Zukunft ist Frieden" können das nicht verstehen. Wenn Maoz über seinen Schmerz spricht, dann sagt Aziz: "Natürlich, der 7. Oktober war ein Verbrechen." Im Buch schreiben beide aus ihrer jeweiligen Sicht über den Hamas-Angriff vor drei Jahren. "Wir sehen die Dinge aus unserer jeweiligen Perspektive", sagt Maoz, "wir haben uns gegenseitig nicht zensuriert." Aziz schreibt im Buch: "Für die Palästinenser in Gaza findet der 7. Oktober jeden Tag statt."

Seit die letzten lebenden israelischen Geiseln am 13. Oktober 2025 freigelassen wurden, ist zwar der offene Krieg vorbei. Israel kontrolliert aber weiterhin streng den Zugang zum Gazastreifen. Die palästinensische Zivilbevölkerung lebt jetzt auf nur noch knapp 40 Prozent des früheren Gebiets, eine Mehrheit davon in Zelten oder beschädigten Gebäuden. Baumaterialien für den Wiederaufbau dürfen nur sehr eingeschränkt in den Gazastreifen gebracht werden, weil sie auch für die Errichtung von neuen Tunneln nach Israel benützt werden könnten. Die israelische Armee hat sich nie aus dem Gazastreifen zurückgezogen und jagt weiter Hamas-Mitglieder. Fast jeden Tag sterben Palästinenser bei israelischen Angriffen.

Auch im Westjordanland und in Ostjerusalem wird die Lage jeden Tag schlimmer. "Heute Früh um fünf Uhr wurde das Haus meiner Nichte in Ostjerusalem von der israelischen Regierung abgerissen", sagt Aziz Abu Sarah. Er kann am 6. Oktober, dem Tag, an dem das Gespräch stattfindet, nur telefonisch Trost spenden, weil er in den USA Vorträge hält. Am Flughafen nimmt er verzweifelte Anrufe von zuhause entgegen. "Meine Nichte Razan wohnte in Al-Tur am Ölberg. In einem Gebäude mit zehn Wohnungen. Jetzt ist es weg", sagt er. "Palästinensische Häuser zu zerstören, das ist Teil des Wahlkampfes von Itamar Ben-Gvir. Er kam selbst und hat sich auf den Bagger gesetzt, um Fotos zu machen und zu zeigen, wie stark er den Arabern gegenüber auftritt."

Itamar Ben-Gvir ist der rechtsextreme Sicherheitsminister in der Regierung Netanjahu. Am 27. Oktober wählt Israel ein neues Parlament und vielleicht auch eine neue Regierung. Im Moment führt der Rechtsblock des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu in den Umfragen vor seinem Herausforderer General Gadi Eisenkot. Er könnte mit den moderateren zionistischen Parteien eine Regierung bilden -eine Koalition mit arabischen Parteien hat er abgelehnt.

Netanjahu könnte also bleiben. Obwohl er in Korruptionsvorwürfe verwickelt ist, rechtsextreme Siedler in die Regierung geholt hat und -dieser Vorwurf wiegt für viele Israelis am schwersten -er den 7. Oktober nicht verhindert hat. Für Maoz ist die Vorstellung, dass diese Regierung nicht abgewählt werden sollte, schwer zu verkraften: "Israel ist auf dem Weg, ein jüdisch-autoritäres Regime zu werden", sagt er. "Friedensaktivisten, die in der Westbank bei der palästinensischen Olivenernte helfen, werden bedroht statt geschützt." Israels rechte Regierung erhebt offen Anspruch auf das gesamte historische Palästina, nicht nur auf das Israel in den Grenzen von 1948.

Für Aziz Abu Sarah und seine Familie heißt das: Ihr Zuhause, Ostjerusalem, ist für sie nicht mehr sicher. "Ich habe Aufenthaltspapiere, die bestätigen, dass ich aus Ostjerusalem bin", sagt Aziz. Viele Ostjerusalemer Palästinenser besitzen die israelische Staatsbürgerschaft. Er selbst hat inzwischen einen amerikanischen Pass und verbringt einen guten Teil seiner Zeit in Amerika. "Minister wie Ben-Gvir hoffen, dass wir Palästinenser aufgeben und wegziehen. Das wird aber nicht passieren."

Von einer Zweistaatenlösung reden in Israel und Palästina immer weniger Menschen. Welche Lösung am Ende gefunden wird, ist für die beiden Friedensaktivisten nicht so wichtig: "Ich persönlich bin für eine Konföderation, wo Grenzen Brücken sind. Und Juden, Araber, Israelis, Palästinenser, Muslime und Christen zusammenleben, dieselben Schulen besuchen, auf denselben Straßen gehen", sagt Maoz.

"Keine Lösung darf auf vollständiger Trennung basieren. Was meiner Familie heute Früh passiert ist, ist ein Verbrechen, es ist falsch. Auch Zivilisten zu töten, ist ein Verbrechen. Egal auf welcher Seite", sagt Aziz. "Wir definieren das nicht über Nationalität, Religion oder Ethnizität, das macht keinen Sinn. Wir stellen uns gemeinsam der systemischen Ungerechtigkeit entgegen." Maoz stimmt ihm zu. "Wir warten nicht auf den Messias, auf Generäle, auf Propheten. Für Taizir, den Bruder von Aziz, ist es zu spät. Für meine Eltern ist es zu spät, für so viele ist es zu spät. Aber für die 14 Millionen Menschen, Israelis und Palästinenser, die heute in dem Land leben, ist es nicht zu spät."

Wählen gehen kann aber nur Maoz, der Israeli. Als Nicht-Staatsbürger aus Ostjerusalem kann Aziz das israelische Parlament nicht mitbestimmen. "Sonst kann ich auch nicht wählen", sagt er, "weil Parlament und Präsident im palästinensischen Autonomiegebiet vor zwei Jahrzehnten das letzte Mal gewählt wurden. Deshalb fordere ich sofortige Wahlen in Palästina." Die für November angesetzten Wahlen wurden schon wieder verschoben.

Die gemeinsame Arbeit seit drei Jahren hat nicht nur ihre Freundschaft vertieft. Auch das Verständnis für die jeweilige Kultur. "Ich habe gestern bei einem Treffen etwas Erstaunliches von einem Rabbiner gehört", erzählt Aziz: "Er hat gesagt, es gibt einen großen Unterschied zwischen Wut und Hass. Wenn du jemanden hasst, sagst du:'Es gibt keine Chance auf Veränderung.' Wut ist, wenn du immer noch glaubst, dass Veränderung möglich ist."

Aziz Abu Sarah und Maoz Inon wollen ihre Wut über die Ungerechtigkeit in Israel und Palästina für ihre Friedenskampagne nützen: "Auch die österreichische Regierung muss ihre Politik gegenüber Israels Regierung ändern", fordert Maoz. "Zu ethnischen Säuberungen darf niemand schweigen."

Vor der Kulisse des gewalttätigen Konflikts ist Hoffnung hart erkämpft. Maoz und seine Geschwister haben jetzt gerade das Haus an der Grenze zu Gaza verkauft, in dem ihre Eltern ermordet wurden. Gekauft hat es ein junges Ehepaar. Das Leben im Moschaw Netiv HaAsara geht weiter. Trotz des Schattens des Todes.

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