Vaters Trophäen

Roman
184 Seiten, Hardcover
€ 24,00
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783990143223
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 01.09.2026
Größe 18 x 11.5 cm
Verlag Muery Salzmann
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Müry Salzmann Verlag
office@muerysalzmann.at
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Kurzbeschreibung des Verlags

"Dein Vater ist tot" – die Nachricht kommt per SMS. Charlotte ist, wie wir aus "Nacktschnecken" wissen, bei ihrer Mutter aufgewachsen, an den Vater erinnerte lediglich ein Hirschgeweih an der Wohnzimmerwand, und später nur mehr ein heller Fleck. Charlotte ist mittlerweile 28, lebt mit ihrer griechischen Freundin Despina in Utrecht. Jetzt muss sie nach Österreich zur Testamentseröffnung, wo sie sich mit vier Fremden einfindet, ihren Halbgeschwistern. Wer war der Mann, dessen Blut in ihnen allen fließt, der sich jedes Mal, wenn er Vater wurde, aus der Verantwortung stahl, um sich, ganz Jäger, bei der nächsten Frau anzupirschen, so zu Grundstücken kam und in Diskotheken investierte, bis er sich auf einer Alm zur Ruhe setzte? Und zu welchen Menschen sind seine Kinder geworden? Immerhin, so sind diese überzeugt, hat er ihnen ein stattliches Erbe hinterlassen. Der Notar eröffnet die Sitzung, und plötzlich geht die Tür auf... In "Vaters Trophäen" gelingt es Annemarie Andre, wie schon in ihrem viel­beachteten Debüt "Nacktschnecken", Schwerwiegendes mit entwaffnender Leichtigkeit zu erzählen. Diesmal knöpft sie sich vor, was uns alle auf die eine oder andere Weise betrifft: Erbe – ein fettes, ein schweres, blaue Augen oder eine Zornesfalte. Finaler Showdown inklusive!

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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783990143223
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 01.09.2026
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Verlag Muery Salzmann
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FALTER-Rezension

Alles über meinen Vater

Karin Cerny in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 6)

In einem Albtraum sieht Charlotte die Trophäen ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Den anderen Jägern fällt nichts auf, aber an den Wänden hängen gar keine Geweihe. Ausgestellt sind Frauenköpfe mit weit aufgerissenen Augen. Sie erinnern an präparierte Tiere.

Daddy als Serienkiller? Entwarnung: Es handelt sich bloß um ein surreales Bild für einen Vater, der sich früh aus der Verantwortung gestohlen hat, ständig neue Familien gegründet hat – und nie greifbar war.

Annemarie Andre rückte Charlotte, die bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist, bereits in ihrem Debüt „Nacktschnecken“ ins Zentrum. An den Vater, einen passionierten Jäger, erinnerte lediglich ein Hirschgeweih an der Wohnzimmerwand. Ihr jüngstes Buch „Vaters Trophäen“ greift diese Stränge erneut auf. Charlotte, 28, lebt mittlerweile mit ihrer griechischen Freundin in Utrecht, die Beziehung läuft nicht gerade rund. Die SMS „Dein Vater ist tot“ bringt sie zurück nach Österreich.

Charlotte ist nur eine Protagonistin dieses multiperspektivisch erzählten Romans. Die große Überraschung: Es gibt mehr Geschwister als gedacht. Charlotte ist die Jüngste. Dazu gesellen sich Helmut, Christa, Sibylle und Peter, die alle bereits über 50 sind. Es gibt das Gerücht, der Vater habe ein großes Grundstück und Jagdrevier besessen, das Erbe würde sich auf fast eine Million belaufen.

Natürlich läuft beim Notar alles anders als gedacht, ein dubioser Neffe taucht als Haupterbe auf, die anderen werden mit dem gesetzlichen Mindestanteil abgespeist. Doch der neue Geschwisterverband ist nicht nur beharrlich, sondern hat auch detektivisches Talent. Ein gewisser DJ Sky wird ausgeforscht. Der erzählt, dass er mit dem Vater eine Disco betrieben hat. Einen Teil des Geldes hätten sie im Garten verbuddelt.

So klärt sich auch die Frage, wie der Vater denn all die Frauen kennengelernt hat. Er war in einer Band und hat in Gasthäusern Boogie-Woogie gespielt. Nach und nach wird also auch der Erzeuger plastischer. Er verehrte Johnny Cash und wollte Musiker sein, mit einem bürgerlichen Leben hatte er eigentlich nichts am Hut.

Vieles kommt in den Briefen heraus, die jedes Kind posthum erhält. Der Vater legt seine Sicht der Dinge dar, die zwar nicht gerade von Empathie zeugt, aber bestechend ehrlich ist. An Charlotte schreibt er: „Mein Tod wird dich vermutlich nicht besonders schockiert haben. Aber von einer großen Trauer wird nicht die Rede gewesen sein, schließlich habe ich mich zeit meines Lebens von der Vaterrolle ferngehalten. Ganz offensichtlich hat das niemandem von euch geschadet, denn ihr seid alle zu eigenständigen und erfolgreichen Menschen herangewachsen. Vielleicht hätte es sogar gegenteilige Folgen gehabt, hätte ich mich eingemischt.“

Und Peter bekommt folgende Zeilen: „Väter sind sowieso überbewertet. Sie richten meist mehr Schaden an, als dass sie Gutes tun. So war es auch bei meinem eigenen Vater. Den ganzen Hof habe ich während des Krieges am Laufen gehalten.“

Annemarie Andre versteht es, Traumatisierendes leichtfüßig zu erzählen, ohne dass dabei die Abgründe verloren gehen würden. Hinter jedem Scherz tut sich auf, warum die Geschwister – jedes für sich – ziemlich einzelgängerisch durchs Leben gehen. Die Abwesenheit des Vaters hat sie mehr geprägt, als sie sich eingestehen wollen.

„Emotionaler Leerstand“, heißt es einmal in diesem Roman, der ständig Haken schlägt. So graben die Geschwister den Garten ihres Kontrahenten um oder organisieren übers Internet eine Demonstrationsgruppe, die in Camper-Vans im Dorf anrollt.

Dass sehr vieles schiefgeht, gehört zum sympathischen Konzept von „Vaters Trophäen“. Bei allem Humor stellt die Autorin aber doch gnadenlos die Frage, wie die Balance aus persönlichem Freiheitsdrang, gesellschaftlichen Normen und Verantwortung für die eigenen Taten gelingen kann.

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