der kopf des vitus bering

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Vitus Bering, Entdecker dänischer Herkunft, Marineoffizier in russischen Diensten, bricht Mitte des 18. Jahrhunderts auf, das östlichste Ende des Zarenreichs zu erkunden, um zu beweisen, dass Asien und Amerika nicht zusammenhängen. Auf seiner letzten Expeditionsfahrt entdeckt er Alaska, strandet auf dem durch Stürme abgeschnittenen Rückweg nach Kamtschatka an einer unbewohnten Insel, wo er beim Versuch, über den Winter zu kommen, mit Teilen seiner Mannschaft an Skorbut stirbt. Soweit die Legende, das biografische Substrat einer Geschichte, aus deren Versatzstücken und Motiven Konrad Bayer mit den Mitteln der Textmontage und unter Verarbeitung einer Vielzahl unterschiedlichster Quellen ein Sprachkunstwerk schuf, das zu den wichtigsten Hervorbringungen der österreichischen Avantgarde nach 1945 zählt. Vitus Bering dient dabei nur als Vehikel, ist Standort für eine literarisch abenteuerliche Erkundung in den entlegenen Bereichen extremer Wahrnehmung von Welt und Ich, weit jenseits der Grenzen von Verständigung, wo das Ganze, um es mit Konrad Bayer zu sagen, gegen Ende auch sprachlich vereist.

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FALTER-Rezension

"der kopf des vitus bering" oder die Freude des Avantgardisten am Enthaupten

Das Faszinosum, das 50 Jahre nach seinem Freitod von Konrad Bayer noch immer ausgeht, gründet nicht zuletzt in dessen Ruf als Dandy und Charismatiker, den die Zeitgenossen überliefern und von dem die Auftritte des Dichters in den Filmen von Ferry Radax ("Sonne halt!") zumindest einen Eindruck vermitteln. Liest man das nun neu aufgelegte Fragment "der kopf des vitus bering", das, sehr passend, in der Reihe "Österreichs Eigensinn" neu aufgelegt wurde, erscheint einem Oswald Wieners Ansicht, dass Bayers Esprit nur sehr bedingt Eingang in dessen Schriften gefunden habe, recht plausibel.
Der Titelheld, der im Dienste von Zar Peter I. stehende Kapitän und Entdecker Vitus Bering (1681–1741), fungiert als McGuffin für ein assoziatives, Forschungsreisen zitierendes Textgewebe, durch das ein paar leitmotivische Schiffchen schießen (wie etwa Köpfe und historisch und ethnologisch verbürgte Formen ihres Abschlagens), das sich aber um Chronologie, Handlungslogik, Psychologie oder Figuren­identität nichts schert, kurz und gut all das unternimmt, was die Prog-Pädagogik beturnschuhte Deutschlehrer ab den Seventies guthieß: Wahrnehmungsmuster und Denkgewohnheiten aufbrechen, fragwürdige Sinnsynthesen sprengen, Leserheuristiken torpedieren – solche Sachen halt.
Als Rorschach-Test für die interpretativen Anstrengungen von Germanisten funktioniert der in einen Haupttext und einen "Index" mit umfänglichen Zitaten aus historischen Quellen (u.a. zu Schamanismus, Epilepsie, Kannibalismus et al.) gegliederte Text tadellos. Wer sich im akademischen Feld nicht beweisen muss, wird sich auch als "bemühter leser", den sich der Autor gewünscht hat, fragen, wie es eigentlich um dessen eigenes Bemühen bestellt ist. Denn bei allem radical chic, den man dem "kopf des ­vitus bering" zugute halten mag, wirkt der Text doch enervierend beliebig und lustlos, ist vor allem selbst erstaunlich unlustig. Wenn sich Friedrich Achleitner im kenntnisreichen und ausführlichen Nachwort erinnert, Bayer habe aufhören wollen "mit diesen Spielereien, Experimenten, mit diesen auskalkulierten Sachen", um stattdessen was "Schlichtes, Wahres, Handfestes" zu schreiben, ist das gut nachvollziehbar.

Klaus Nüchtern in Falter 39/2014 vom 26.09.2014 (S. 34)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheÖsterreichs Eigensinn
ISBN 9783990270073
Erscheinungsdatum 22.09.2014
Umfang 104 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Jung u. Jung
Nachwort von Günther Eisenhuber
Herausgegeben von Bernhard Fetz, Günther Eisenhuber
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