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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783990274521 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 20.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Jung u. Jung |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Jung und Jung Verlag KG Hubert-Sattler-Gasse 1 | AT-5020 Salzburg office@jungundjung.at |
Die Welt steht still. Wann sonst sollte man den Sprung in ein neues Leben wagen? In den entscheidenden Momenten seines Lebens hat Jakob Walter immer eine Reise getan, ins Tessin, nach Griechenland, nach Australien. Nun will er durch Norditalien wandern, denn er hat Zeit: Er hat seinen Job verloren. Doch ausgerechnet in diesem Frühling fahren keine Züge und die Grenzen werden geschlossen. Also bleibt er zu Hause und geht in Bern Stationen seiner Vergangenheit ab, um herauszufinden, wo seine Zukunft liegen könnte. Es wird etwas Neues beginnen, auch wenn er noch nicht weiß, was und mit wem. Klar ist nur, er steht direkt davor. Vielleicht nur zu nahe, um es gleich erkennen zu können.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783990274521 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 20.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Jung u. Jung |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Jung und Jung Verlag KG Hubert-Sattler-Gasse 1 | AT-5020 Salzburg office@jungundjung.at |
Sebastian Gilli in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 20)
Wir befinden uns in jener Zeit, als „vor dem Händeschütteln behördlich gewarnt wurde“, und der Verwaltungsbeamte Jakob Walter hat plötzlich nichts mehr zu tun. Er wird gekündigt. Allenthalben ist das geregelte Leben zurückgefahren, wir befinden uns mitten in der Corona-Zeit.
Literatur, die sich mit der unmittelbaren Gegenwart befasst, zu der die Pandemie trotz aller anderen Krisen noch zählt, läuft Gefahr, zu nah an tagesaktuellen Debatten zu sein und sprachlich nur das abzubilden, was ohnehin in der Zeitung steht. Der Schweizer Autor Lorenz Langenegger, 1980 geboren und wohnhaft in Zürich und Wien, wehrt sich in seinem neuen Roman „Die Tage zwischen früher und jetzt“ vehement gegen eine phrasenhafte Dokumentation der Zeit, die bloß als Kulisse für eine moralisch-didaktische Handlung dient.
Er bedient sich eines klugen Moves, der die Handlung erzähltechnisch trotz der lockdownbedingten Flaute am Leben hält und ein einprägsames Bild der Corona-Zeit erzeugt: dem Spazierengehen. Anstatt seinen lange geplanten Wanderurlaub in Norditalien anzutreten, schickt Langenegger seine recht schrullige Hauptfigur Jakob Walter in der Berner Heimat auf weite Spaziergänge.
Diese setzen allerhand Hirngespinste frei, die zwischen philosophischer Selbstbefragung, Knieschmerzen und einer „leichten Übelkeit“ über den Zustand der Welt wechseln. Ist die Umgebung vertraut, ist man weniger abgelenkt von Neuem und mehr bei sich, sodass die Gedanken die innere Zerrissenheit von Jakob Schritt für Schritt offenbaren.
Der durchschnittliche Antiheld Mitte 40 hätte bei einer zweiten Chance sein Leben wohl anders geführt. „Aber ein anderer zu werden, war schwierig. Sosehr man es sich manchmal wünschte, man fiel doch immer wieder auf sich selbst zurück.“ Ihn verunsichert seine plötzliche Arbeitslosigkeit weit weniger als die Unzufriedenheit, die sich bei seinen Gängen über die Stationen der Vergangenheit und zu den Menschen, die ihn geprägt haben, breitmacht.
Was passiert? Der alleinstehende und kinderlose Mann besucht zehn Jahre nach der Scheidung erstmals seine Ex-Frau Edith (natürlich mit Abstand!). Er geht in sein Stammlokal, wo Rolf, der mittlerweile verstorbene Wirt, es nicht wollte, wenn über Politik gesprochen wurde. „Heute war diese Regel nötiger denn je, dachte Jakob.“ In einem Club wird er mit seiner Männlichkeit konfrontiert. Und dann gibt es noch eine vergnügliche Szene in einem Altersheim, bei der der schwierige Grat zwischen Übervorsichtigkeit und dem Drang nach Normalität zur Corona-Zeit stimmig veranschaulicht wird.
Langenegger gelingt es gut, das alltägliche Handeln vor dem Hintergrund weltpolitischer Ereignisse darzustellen. Zu den Menschen in Jakobs Umfeld zählen auch jene, denen die soziale und wirtschaftliche Integration gelungen ist: vor allem Dunja, eine Tante-Emma-Laden-Besitzerin, zu der er sich immer mehr hingezogen fühlt.
Der große Schweizer Dichter Robert Walser, der bei seinen Spaziergängen „unsagbares Weltempfinden“ verspürte, geht dem Roman als Motto voran. An manchen Stellen sind Jakobs Wege als Metapher für die Findung des eigenen Ichs überdeutlich gezeichnet, und zu oft werden in Dialogen mit den drei Punkten am Ende Leerstellen erzeugt, die so tiefgründig dann nicht sind.
Die Midlife-Crisis-Erzählung erzeugt aber mit ihrer ruhigen, unspektakulären Sprache eine dichte Atmosphäre der Corona-Zeit zwischen Vertrauen und Misstrauen, Alltag und Ausnahmezustand. Auch an feinem Humor fehlt es nicht.
Geschickt wird zwischen journalistischem Stil und poetischem Erzählen gewechselt: „Vor wenigen Tagen hatte Jakob eine Einladung für das jährliche Grillfest erhalten, mit Vorbehalt. Im Moment sah es gut aus, die Zahl der Ansteckungen ging stark zurück, die Behörden lockerten die Maßnahmen.“
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