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| ISBN | 9783990501313 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 27.09.2018 |
| Genre | Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien |
| Verlag | Amalthea Signum |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Langen Müller Verlag GmbH Thomas-Wimmer-Ring 11 | DE-80539 München info@langenmueller.de |
» Ich bin, wie man sieht, ein glückliches Kind.« – URSULA STRAUSS
PublikumslieblingUrsula Strauss stöbert in ihrer Fotokiste und erzählt aus ihrem Leben: Sie erinnert sich an ihre Kindheit, ans Spielen in der Siedlung, an Kakao und Kuscheldecke bei der Großmutter und die große Liebe zwischen Vater und Mutter. Merkwürdige Begegnungen und längst vergessene Geschichten kommen ans Tageslicht: Vom brennenden Herrn B. in der Siedlung, in der sie aufwuchs. Vom feinfühligen John, der die Welt im sicheren Griff der Aliens wusste. Von den bissigen Zwergen, die Abend für Abend unter Ursulas Bett lauerten. Und davon, wie sie im Traum durch die Lüfte flog. Anhand zahlreicher privater Bilder erinnert sich Ursula Strauss an ihre Anfänge als Schauspielschülerin, erste Rollen und Engagements sowie ihre größten Erfolge von »Revanche« bis »Schnell ermittelt«. Mit großer Offenheit und Klarheit reflektiert sie über gute wie schlechte Zeiten, über persönliche Schmerzgrenzen, etwa bei #MeToo, und erklärt, warum es wichtig ist, den Mund aufzumachen.
| ISBN | 9783990501313 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 27.09.2018 |
| Genre | Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien |
| Verlag | Amalthea Signum |
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Stefanie Panzenböck in FALTER 38/2019 vom 18.09.2019 (S. 36)
Die Schauspielerin Ursula Strauss über Autorität, sexuelle Belästigung und die Kraft der Brünhild
Ursula Strauss setzt sich in die Wiese, ihre Schuhe stellt sie neben sich ins Gras. Die Schauspielerin kommt gerade aus einer Szene für die neuen Folgen der Krimiserie „Schnell ermittelt“. Ein Teil der Dreharbeiten findet hier in Innermanzing, nahe Altlengbach, in Niederösterreich statt, in einem herrschaftlichen Anwesen. An den steinernen Fassaden ranken sich Kletterpflanzen, sogar eine eigene Kapelle von der Größe einer kleinen Kirche ist in den Bau integriert.
Strauss’ Karriere begann am Theater, seit dem Jahr 2000 steht sie auch, und mittlerweile überwiegend, vor der Kamera. Sie drehte zahlreiche Fernseh- und Kinofilme, etwa „Revanche“ (2008) oder „Oktober November“ (2013), beide unter der Regie von Götz Spielmann. Seit zehn Jahren stattet die 45-Jährige als Chefinspektorin Angelika Schnell dem österreichischen Fernsehpublikum regelmäßige Besuche ab. 2012 kuratierte Strauss zum ersten Mal das Kulturfestival „Wachau in Echtzeit“, weiters betreibt sie mit dem Wiener Singer/Songwriter Ernst Molden ein Musikprojekt, bei dem sie als Sängerin auf der Bühne steht.
Falter: Frau Strauss, was macht Angelika Schnell auf diesem Anwesen?
Ursula Strauss: Sie ist hier bei einer Fleischhauersfamilie gelandet, die sehr reich ist. Alle sind sehr verschlossen, kühl und unfreundlich. Aber eigentlich darf ich darüber nichts erzählen.
Welche Rolle spielt Chefinspektorin Schnell in Ihrem Leben?
Strauss: Sie hat mich sehr viel gelehrt, vor allem, was mein Frausein betrifft. Auch eine gewisse Art von Dominanz und Autorität hat sie mir beigebracht. Das war am Anfang gar nicht so leicht. Was ich am öftesten, interessanterweise vor allem von Frauen, über die Figur hörte, ist, dass sie so gschnappig ist. Es sei unangenehm, wie sie mit den Männern umspringt.
Sie meinen, sie setzt sich durch, und das tut man schließlich als Frau nicht?
Strauss: Dass die Frau als Chefin automatisch mit der Geschlechterrolle konnotiert wird, hat mich herausgefordert. Bei Männern würde man das nicht tun. Angelika Schnell ist die Chefin der Mordkommission. Wie soll sie sich sonst verhalten? Sie ist jeden Tag mit den schlechtesten Seiten und dunkelsten Geheimnissen von Menschen konfrontiert, die Pathologie ist für sie ein ganz normaler Aufenthaltsort. Sie muss sich mit ihrem Gegenüber auf eine Art verbinden, die nicht zu freundschaftlich ist, aber trotzdem Geheimnisse entlocken könnte. Diesen Job überlebt sie nicht, wenn sie sich ständig für ihre Existenz entschuldigt – was ich wiederum als Frau gut kenne.
Sie sind mittlerweile berühmt. Sind Sie selbstbewusst?
Strauss: Ich habe vor kurzem mit meiner Maskenbildnerin über Selbstwert und Selbstbewusstsein gesprochen. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Selbstbewusstsein, obwohl ich ein schüchterner Mensch bin und mich schon auch oft einmal für mich geniere. Aber ich hab halt Menschen gern, kommuniziere gern, gehe gern in Beziehung zu anderen. Ich habe kein Problem damit, zu scheitern, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen.
Und wie steht es um Ihren Selbstwert?
Strauss: Sie haben gesagt, dass ich berühmt bin. Wenn ich das jetzt zum Beispiel ausspreche, ist es mir schon peinlich. „Entschuldigung“ war lange eines meiner Lieblingswörter, „Nein“ ging lange Zeit gar nicht. Dabei komme ich aus einer Familie, in der mir nie gesagt wurde, dass ich nichts wert bin, im Gegenteil. Ich glaube, Männer erleben das anders. Ich habe das auch schon ein paar Mal ausgesprochen und bin immer auf Widerstand gestoßen: „Geh, das ist doch ein Blödsinn, es hat sich ja schon so viel geändert.“ Ja, es hat sich viel getan, aber noch immer nicht genug. Dieses Selbstverständnis, wie sich Männer in der Gesellschaft bewegen, habe ich nicht automatisch. Das meine ich ganz ohne Harm. Es ist so. Ich musste mir das erst erarbeiten. Dass ich einen Platz verdient habe, den ich behaupten darf. Das ist dann vielleicht der Kern eines gesunden Selbstwertgefühls.
Vor zwei Jahren ist die #MeToo-Bewegung entstanden. Beschäftigt Sie dieses Thema?
Strauss: Viele junge Schauspielerinnen erleben Übergriffe. Ich glaube, dass das in jedem Bereich vorkommt, in dem junge Frauen noch nicht sicher auf den Beinen stehen. Ich bin nicht vergewaltigt worden, aber ich habe sehr viele Übergriffe erlebt. Eigentlich sogar öfter auf der Straße als im Beruf.
Wie haben Sie reagiert?
Strauss: Stocksteif. Voller Angst. Das erste Mal ist es mir mit 15 passiert. Auf dem Land im Zug. Ich war so fassungslos, dass ich erst nicht glauben konnte, was da geschieht. Ich habe die ganze Zeit nur überlegt, wie ich es so schnell wie möglich schaffe, mich aus dieser Situation zu befreien, ohne in wirkliche körperliche Berührung zu kommen und ohne meine Sachen zurücklassen zu müssen. Ich kam aus dem Internat und hatte fünf Sackln dabei. Das hat gefühlt drei Stunden gedauert, obwohl es wahrscheinlich nur fünf Minuten waren. Ich bin dann ins nächste Abteil geflüchtet und habe einen Heulkrampf bekommen. Da waren zwei nette Burschen, die sich zwar gekümmert haben, aber vollkommen überfordert waren. Zu Hause habe ich einen Fieberschub bekommen. Das war mein erstes traumatisches Erlebnis – dem sind weitere gefolgt.
Was hat das mit Ihnen gemacht?
Strauss: Ich habe mich gefragt, warum mir das passiert, warum ich das anziehe. Was das über mich erzählt, was ich falsch gemacht habe. Man kommt sofort in die Schuldfalle. Es ist kein angenehmes Gefühl und es gibt ein tiefes Verständnis, das Frauen diesbezüglich verbindet. Ich kenne kaum eine Frau, die keinen Übergriff erlebt hat. Ich bin dann immer wieder überrascht, dass es so viele Männer gibt, die sagen: „Was wirklich? Das ist ja arg!“ Die fassungslos sind, dass das so verbreitet ist. Als #MeToo aufkam, haben manche Männer zum Teil sehr ablehnend reagiert. „Aber ich bin nicht schuldig, ich habe nichts gemacht. Warum gehen alle auf uns los?“ Es sagt ja keiner, dass alle an etwas schuld sind. Das ist klar. Aber es passieren fast jeder Frau im Leben Übergriffe. Noch immer ist die häufigste Todesursache bei Frauen weltweit häusliche Gewalt. Damit muss man umgehen und eine Gesellschaft muss es aushalten können, dass das endlich zur Sprache kommt.
Wo sind Sie aufgewachsen?
Strauss: In Pöchlarn, einer niederösterreichischen Gemeinde im Mostviertel. Ich bin ein Siedlungskind.
Was ist das?
Strauss: Ein Kind, dessen Grenzen ganz selbstverständlich die Siedlung betreffen, in der es aufwächst. Die Siedlung war mit Spielplatz, Au und Erlauf ein Feld, auf dem wir uns austoben konnten. Um die Kinder wurde damals in den 1970er- und 80er-Jahren kein so großes Brimborium gemacht. Unsere Eltern haben uns geliebt, aber die haben mit Hausbau, Arbeiten und Haushaltführen für eine große Familie genug zu tun gehabt. Wir sind in der Siedlung und der dazugehörigen Au herumgerannt und hatten genug Raum, unsere Grenzen auszutesten.
Würden Sie Pöchlarn als Ihre Heimat bezeichnen?
Strauss: Ja. Aber Heimat ist nicht auf einen Ort beschränkt. Heimat findet man in erster Linie in sich selbst.
Sind Sie fündig geworden?
Strauss: Ja, immer mehr. Heimat bedeutet, in sich ein Gefühl der Sicherheit zu haben. Das spüre ich, je älter ich werde, immer stärker. Leider werden Heimat und der damit verbundene Sicherheitsbegriff oft missbräuchlich verwendet. Man will diese Heimat an den Grenzen absichern, weil sie angeblich bedroht ist. Dabei wurde uns diese Heimat geschenkt, wir wurden in sie hineingeboren, sie ist ein Privileg. Ich würde nicht sagen, dass das eine Leistung ist, zu der ich etwas beigetragen habe. Die Leistung, die ich erbringen kann, ist den Versuch zu unternehmen, respekt- und ehrenvoll damit umzugehen.
Sind Sie in einer heilen Welt aufgewachsen?
Strauss: Die heile Welt ist ein Kindergedanke. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der man alles bekam, was man benötigte. Ich habe meine Eltern nicht verloren, bin mit drei Brüdern groß geworden, durfte in der besagten Siedlung spielen und habe immer genug zu essen gehabt. Aber auch in einer heilen Welt passieren schlimme Dinge. Auch in einer Siedlung. Da läppert sich schon einiges an Furchtbarem zusammen. Eigentlich ein guter Stoff für ein Serie, eine Siedlungsserie. Das wär’ was, da gäbe es Geschichten genug.
Ein paar Ereignisse haben Sie in Ihrem Buch „Warum ich nicht mehr fliegen kann“ angedeutet.
Strauss: Ich hatte das Glück, dass meine Eltern sich gefunden und gut ergänzt haben. Meine Mutter ist eine herzliche, liebevolle Frau, mein Vater war ein starker, klarer, ehrgeiziger Mann. Zu dieser Zeit an diesem Ort war das System noch ein recht klar strukturiertes, patriarchales. Mein Vater ist arbeiten gegangen, meine Mutter war zuhause. Wie das in den 1970er-Jahren eben oft so war, eine ganz normale Familie am Land.
Ihre Mutter wollte dazwischen auch wieder arbeiten, aber Sie haben das nicht zugelassen.
Strauss: Das stimmt, mein fünfjähriges Ich hat das verhindert, ich wollte ganz egoistisch, dass sie bei mir zu Hause bleibt.
Wie war das Leben in Ihrer Familie?
Strauss: Bei uns wurde Gott sei Dank und natürlich auch gestritten und leider gab es auch einige Unglücke, schwärzere Zeiten. Darauf habe ich mich aber in dem Buch nicht konzentriert. Ich bin kein Abrechner. Ich kann mit mir selber ins Gericht gehen, aber ich möchte niemand anderen vorführen.
Ihr Vater war Bürgermeister in Pöchlarn. Wie war das für Sie?
Strauss: Ich habe das anfangs gehasst, fand es schrecklich, weil man so im Mittelpunkt stand. Ich musste zum Beispiel immer mit nach vorn gehen, wenn wichtiger Besuch, wie Landeshauptmänner, die Stadt beehrte und ihnen die Hand geben. Ich war das kleine Mädchen, das in die Mitte geschoben wurde. Oder zum Beispiel mein Geografielehrer hat im Stiftsgymnasium – ich war 13, schwer in der Pubertät und hatte furchtbare Minderwertigkeitskomplexe – am Gang geschrien: „Jetzt is sie a guate Partie, jetzt is sie die Buagamasterstochter!“ Ich habe geglaubt, ich versinke im Boden.
Wie war es dann später für Sie, auf der Bühne zu stehen? Da ist man ja noch stärker im Mittelpunkt.
Strauss: Das habe ich seltsamerweise immer geliebt. Die Bühne war für mich von Anfang an ein sicherer Ort. Aber nur, wenn es ums Spielen ging. Ich selber im richtigen Leben im Zentrum der Aufmerksamkeit – das war immer unangenehm hoch zehn.
Haben Sie sich als Bürgermeisterstochter für Politik interessiert?
Strauss: Es hat mich am Anfang entpolitisiert. Mir ist das irrsinnig auf die Nerven gegangen, dass bei uns ständig politisiert wurde. Und alle haben sich dauernd angeschrien deswegen. Wir sind eine lebendige Familie, alle nicht leise. Ich war acht Jahre jünger als mein jüngster Bruder und konnte nicht mitreden, nicht mithalten. Mein politisches Verständnis musste ich mir ganz mühsam erarbeiten und aus der Ablehnung langsam wieder in das Interesse kommen.
Wie lange war Ihr Vater Bürgermeister?
Strauss: Zehn Jahre. Er war ein sehr guter Bürgermeister. Sag ich jetzt ganz objektiv natürlich.
Also waren Sie auch stolz auf ihn?
Strauss: Ja. Er hat das richtig gut gemacht und für die Stadt viel vorangetrieben. Er war nicht eitel und konnte gut mit den Leuten reden. Viel später erst habe ich begriffen, was das Besondere an seiner Haltung war. Irgendwann hat er zu mir gesagt: „Weißt du …“ Also, so hat er es nicht gesagt, er hat ja nicht Hochdeutsch mit mir gesprochen. Er hat gesagt: „Wast, i konn jo net olle höfn. Des geht net. Oba i konn zumindestens jedn zuahean. Des is da Respekt, den jeda verdient hot.“ Und das haben die Leute gespürt. Er war ein Mensch, der über sein eigenes Ableben hinausdenken konnte. Das ist, denke ich, für einen Politiker nicht unwichtig: weiter zu denken als das eigene Sein. Für eine Gemeinde da sein. Für ein Land. Politiker sein, weil man etwas verändern möchte. Das hat mein Vater gehabt, das finde ich toll. Dass so eine Haltung nicht gang und gäbe ist, erleben wir gerade jetzt auf erschreckende Weise. Auf der ganzen Welt und auch in unserem Land.
Wann haben Sie begonnen, sich für Politik zu interessieren?
Strauss: Ich hatte eine Begegnung mit einem Journalisten, da war ich 22 oder 23. Wir saßen in einem Kaffeehaus und ich habe gesagt: „Mich interessiert Politik nicht.“ Aus seinem Gesichtsausdruck habe ich sofort geschlossen, dass ich jetzt seine Achtung verloren habe. Und er hat dann gesagt: „Alles ist Politik.“ Dann habe ich mir gedacht: „Du bist ein arroganter Affe.“ Aber wie es so ist, wenn man richtige Dinge zur richtigen Zeit gesagt bekommt, kann einen das verändern. Nicht sofort, der Ärger muss erst verfliegen, bis man wieder klarer sehen kann. Diese Begegnung jedenfalls hat in mir gearbeitet und er hatte natürlich vollkommen recht, alles ist Politik. Ab da habe ich wieder begonnen, mich mit der Welt auseinanderzusetzen. Damals war ich schon in der Schauspielschule, und anfangs erlebt man das so, dass sich alles nur um einen selbst dreht, also zumindest ich habe das so erlebt, um meinen Atem, meine Sprache und so weiter. Da muss man sich dann schon bewusst dafür entscheiden, dass sich das Leben eigentlich ganz woanders abspielt.
Sie sind am Land klassisch katholisch aufgewachsen. War neben der Politik die Religion ein Thema in Ihrer Familie?
Strauss: Religion begleitet mich mein Leben lang, weil meine Eltern sehr religiös sind und waren, aber nicht dogmatisch. Ich bin auch nie aus der Kirche ausgetreten. Jetzt bin ich 45 und denke mir recht oft, dass das eigentlich absurd ist, weil ich mit der Institution immer wieder meine Probleme habe. Ich verstehe mich da selber nicht, aber ich habe noch keine richtige Lösung für mich gefunden.
Als Schauspielschülerin hatten Sie einen Nachbarn, den Sie mit einer Freundin oft besucht haben. Der hat von blauen Göttern erzählt. Haben Sie für Esoterik etwas übrig?
Strauss: Wenn man fantasiebegabt ist, hat man für so was immer Räume offen.
Meinen Sie damit zum Beispiel die Zwerge, die Sie als Kind unter Ihrem Bett vermutet haben?
Strauss: Esoterische Zwerge, na ja. Meine Fantasie hat mir als Kind immer Streiche gespielt und mich auch gequält. Letztendlich hat sich das nun als Segen für meinen Beruf herausgestellt. Ich muss aus mir heraussteigen, in andere hineinschlüpfen. Da passieren dann schon auch immer wieder Dinge, die man nicht erklären kann. Ich bilde mir auch ein, meinen Vater zu spüren, der 2014 gestorben ist. Ich habe das Gefühl, dass er da ist. Nicht immer. Aber manchmal. So froh ich bin, in einer rationalen und aufgeklärten Welt zu leben, möchte ich nicht ganz darauf verzichten, mir Dinge vorzustellen, die man nicht anfassen, oder Situationen zu erleben, die man nicht erklären kann. Auch ein bisschen berufsbedingt, aber nicht nur.
2014 hatten Sie einen schweren Autounfall. Sind Sie wieder gesund?
Strauss: Ja, aber Nachwirkungen bleiben, das Knie wird nicht mehr so werden, wie es früher war. Trotzdem bin ich dankbar. Ich hätte auch tot sein können.
Traumatische Erlebnisse eröffnen manchmal auch den Blick auf etwas Neues. War das bei Ihnen so?
Strauss: Ja. Ich habe viel besser gelernt, meine Grenzen zu ziehen. Ich kann mich besser wehren, wenn mir etwas zu viel wird. Ich bin mutiger geworden. Das empfinde ich als eine sehr positive Entwicklung.
Ist eines von diesen neuen Dingen auch, dass Sie singen?
Strauss: Ich habe immer gern gesungen und bin, wie gesagt, jetzt ein bisschen mutiger. Nach dem Unfall hat sich unter anderem das Projekt mit dem wunderbaren Ernst Molden ergeben. Dass ich ihm begegnet bin, ist ein Riesenglück.
Wieso wollten Sie ursprünglich Schauspielerin werden?
Strauss: Wo es was zu spielen gab, habe ich gespielt. Bei den Pfadfindern, bei der Jungschar, beim Fasching war ich immer vorn dabei. Mit 14 Jahren habe ich das erste Mal bei einem Schattentheater mitgespielt, auf dem Rathausplatz in Pöchlarn. Und dann kam ich zur Theatermühle in Melk, die der jetzige Intendant der Melker Sommerspiele, Alexander Hauer, geleitet hat. Mein Bruder hat zu ihm gesagt: „Geh, lass sie ein paar Blumen über die Bühne tragen, meine kleine Schwester will so gern Theater spielen.“ Das war in meinem Maturajahr, da war ich 19. Ich habe dann vollkommen unwissend die Lady Macbeth gespielt. Nach dem Auftritt habe ich mich im Klo eingeschlossen und geheult vor Glück. Ich wusste, dass ich das gefunden habe, was ich machen wollte. Das war irre. Überwältigend. Im Herbst drauf war ich dann in der Schauspielschule am Volkstheater.
Seit 20 Jahren stehen Sie vor der Kamera, aber hin und wieder spielen Sie trotzdem noch Theater.
Strauss: Letztes Jahr in Worms zum Beispiel die Nibelungen. Das war fantastisch. Es war ein zauberhafter Sommer. Ich habe die Brünhild gespielt. Eine Figur, die die Feministin in mir wieder ein Stück mehr angestachelt hat.
Was hat Brünhild mit Ihnen gemacht?
Strauss: Brünhild ist eine gefallene Göttin. Sie wurde zwei Mal vergewaltigt, und so wurde ihr ihre Göttlichkeit genommen. Sie ist aus der Fremde in ein Land gekommen, in dem sie alle hassen, weil sie eben eine Fremde ist, eine Barbarin. Sie wurde betrogen, geschändet und niemand hat darüber geredet. Trotzdem hat sie so eine Kraft. Zwar keine körperliche mehr, aber dafür einen stärkeren Willen, eine Wut und einen Zorn und so viel Leben und Lebendigkeit. Sie kämpft für ihre Gerechtigkeit. Das hat mich an der Figur sehr beeindruckt.

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