Echos Kammern
Roman

von Iris Hanika

€ 22,00
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Droschl, M
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.06.2020


Rezension aus FALTER 37/2020

Berlin im Himmel und dem Narziss sein Pimmel

Sie wollten immer schon einen Roman lesen, in dem aus der Perspektive von Frauen jenseits der 50 mit präziösen Vornamen ein soziologisch informierter Blick auf die Stadtentwicklung von Berlin und New York geworfen, über die Verfertigung der Gedanken beim Reden in einer Fremdsprache räsonniert, die Reziprozität der Mythen von Echo und Narziss bedacht und die Möglichkeiten kommunikativer Verfehlungen während des Verzehrs von Süßspeisen ausgelotet wird? Prächtig, denn dann sind Sie mit „Echos Kammern“ von Iris Hanika, der die Jury der ORF- und der SWR-Bestenliste gleichermaßen entzückte, bestens bedient. Warum sich all das, was hier untersucht, ausgeführt und angetippt wird, zwischen zwei Buchdeckeln findet, weiß vermutlich nur Hanika selbst. Sie schreibe, so wird von der Schriftstellerin Sophonisbe gemutmaßt, „überhaupt nur, um das Material loszuwerden, das sich ohne ihr eigenes Zutun in ihr ansammelte, bis es ihr das Hirn verklebte“.

Nach ihrer Rückkehr von einem zehnwöchigen New-York-Aufenhalt (macht 8000 Dollar Miete), kommt Sophonisbe, die sich in Berlin längst keine eigene Wohnung mehr leisten kann, bei Roxana unter. Die hat nach Abschluss eines Soziologiestudiums als „Königin der Ratgebertanten“ alles erreicht, was sie wollte, und mit dem Leben abgeschlossen. So lange, bis Josh auftaucht, den Sophonisbe beim Jour fixe von Beyoncé in Tribeca kennengelernt hat – ein übertrieben gut aussehendes, smalltalkversessenes, bei Timothy Snyder über die West­ukraine des 19. Jahrhunderts dissertierendes Kerlchen, dem die um ein Vierteljahrhundert ältere Roxana auf Anhieb aufs Unglücklichste verfällt.

Das klingt so verstiegen, wie es ist. Wenn Hanika mit frohgemuter Übellaunigkeit über die Hipsterisierung Berlins herzieht, mit auktorialer Ironie Alltagsgespräche seziert oder emphatisch feststellt, dass man in ihrer Stadt nicht den Kopf zu heben braucht, um den Himmel zu erblicken, ist das so treffend und klug, dass man ihr manche Manierismen gerne nachsieht.

Klaus Nüchtern in FALTER 37/2020 vom 11.09.2020 (S. 28)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
Warenkorb anzeigen