Soziale Bewegungen in Österreich seit 1945

620 Seiten, Taschenbuch
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Reihe kritik & utopie
Themen Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen Sozial- und Kulturgeschichte
ISBN 9783991365242
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 17.07.2026
Größe 24 x 15 cm
Verlag Mandelbaum Verlag eG
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Kurzbeschreibung des Verlags

Die Besetzung der Arena 1976 holte ›68‹ auch in Österreich nach, sie führte Wien einen Schritt weg von der »toten Stadt«. Breite Massenbewegungen verhinderten das AKW Zwentendorf und das Kraftwerk Hainburg, zahlreiche Soziale Zentren und Hausprojekte entstanden durch Besetzungen, aber auch durch Verhandlungen. Im »Sommer der Migration« 2015 warfen Hundert tausende das die Einreise beschränkende Dublin-Regime über den Haufen. Die Streiks der Studierenden hingegen brachten – auch mit riesiger Beteiligung wie 2009 »unibrennt« – kaum Erfolge. Auch die Klimabewegung wurde von Medien und Politiker : innen zu Tode gelobt und erreichte bisher wenig bis nichts. Robert Foltin analysiert die Geschichte Sozialer Bewegungen in Österreich seit Beginn der Zweiten Republik und beschreibt die gesellschaftlichen Veränderungen, die sie bewirkten oder an denen sie scheiterten.

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Themen Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen Sozial- und Kulturgeschichte
ISBN 9783991365242
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FALTER-Rezension

Von der Kommune über die Hausbesetzer bis zu Gen-Z-Protesten

Nina Horaczek in FALTER 38/2026 vom 16.09.2026 (S. 18)

Wie bei den meisten Pauschalisierungen kommt auch bei Sätzen, die mit "Die Linke" beginnen, selten Kluges nach. Linke soziale Bewegungen sind unterschiedlich, teilweise gegensätzlich und deshalb kaum über einen Kamm zu scheren. Genau diese Vielfalt zeigt eine Neuerscheinung über die Geschichte der sozialen Bewegungen in Österreich auf.

Vieles davon ist heute vergessen. Oder wussten Sie, dass es 1963 wegen der Frage, ob Kaiserenkel Otto Habsburg nach Österreich einreisen darf, Tumulte im Nationalrat gab? Dass im politisch heißen Jahr 1968 in Wien auch Schülerinnen und Schüler streikten? Auch eine antimilitaristische Bewegung war in Österreich aktiv. 1980 wurden österreichische Panzerlieferungen an den chilenischen Diktator Augusto Pinochet verhindert.

Autor Robert Foltin erzählt die Geschichte sozialer Bewegungen seit 1945 bis heute eingebettet in innen-und außenpolitische Entwicklungen der damaligen Zeit. Es ist eine Art teilnehmende Beobachtung, schließlich definiert sich der Autor gleich zu Beginn als linker Aktivist und somit Teil seines Untersuchungsgegenstandes. Dem Buch tut dies aber keinen Schaden, ganz im Gegenteil. Auf 600 Seiten findet sich eine detaillierte, umfassende und auch spannend zu lesende Aufarbeitung, die eine historische Lücke schließt. Die vielen, vielen Geschichten in der Geschichte und zahlreiche Anekdoten machen das Buch, das vielmehr ein Nachschlagewerk ist, leicht lesbar.

Neben bekannten Meilensteinen wie den "Sit-ins" der 1968er-Studenten, dem Anti-Atom-Kampf der 1970er-Jahre, der Arena-Besetzung oder der Rettung der Hainburger Au finden sich zahlreiche weitere soziale Kämpfe. Manche davon konnten die gesellschaftlichen Bedingungen tatsächlich verbessern, wie etwa die Schwulen-und Lesbenbewegung. Beim Neujahrskonzert 1982 stürmten zwei Aktivisten nackt und mit dem Transparent "Menschenrechte für Schwule" die Bühne. Heute ist gleichgeschlechtliche Liebe rechtlich gleichgestellt. Angriffe von Rechtsextremen gab es hingegen schon damals wie heute.

Auch die Frauenbewegung kommt im Buch vor. "Wir wollen nicht länger Tast-und Tapsobjekt flaumbärtiger Jungrevolutionäre sein", schrieben die Mädchen des "Verbands Sozialistischer Mittelschüler" im Jahr 1969 auf ihre Flugblätter. Natürlich gelang es ihnen nicht, das Patriarchat zu überwinden. Aber die Kämpferinnen von damals schufen mit Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern erstmals Schutzräume gegen Männergewalt.

Foltin setzt sich mit Vergangenem wie den Kommunen der 1960er-Jahre, den vielen, teilweise ziemlich machistisch geprägten K-Gruppen auseinander, aber auch mit den Autonomen und der Hausbesetzerszene der 1980er-und 1990er-Jahre.

Sein Buch bleibt aber nicht in der Vergangenheit verhaftet. Es ist eine kritische Auseinandersetzung, die auch zeigt, was davon bis heute geblieben ist: Veranstaltungsorte wie Wuk, Arena oder Amerlinghaus, die freien Schulen und Kindergruppen oder aktuelle Bewegungen wie "Uni Brennt","Black Lives Matter" oder die Klimaschutzbewegung, die vielfach auf dem aufbaut, was in den Jahrzehnten davor passierte. Manches wird nur gestreift. Migrantische soziale Bewegungen wie etwa die antirassistischen "Red Brothers" im Wien der frühen 1990er-Jahre. Auch die Behindertenbewegung hätte sich einen prominenten Platz in diesem Buch verdient. Aber insgesamt dokumentiert es ein Stück Geschichte, das bisher wenig ausgeleuchtet war.

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