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| Reihe | Kultur für Genießer |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 07.11.2025 |
| Umfang | 256 Seiten |
| Genre | Reiseführer: Essen und Trinken |
| Format | Gebundene Ausgabe |
| Verlag | Falter Verlag |
| EAN | 9783991660323 |
| Sammlung | Tag des Kaffees Bücherpost Sommer 2026 Aktuelle Bücher aus dem Falter Verlag Bücherpost 2026 |
| Lieferzeit | Lieferung in 1-3 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Falter Verlagsges.m.b.H Marc-Aurel-Straße 9 | AT-1011 Wien produktsicherheit@falter.at |
In dieser komplett überarbeiteten Neuauflage widmet sich „Kaffeehäuser in Wien“ der einzigartigen Vielfalt der Wiener Kaffeehauskultur. Vom ehrwürdigen Traditionshaus mit Samtbank und Melange über Coffeeshops für den besten Coffee to Go bis zum stylishen Hipster-Café mit Flat White und Laptop-Publikum – über 100 Lokale werden detailreich beschrieben und atmosphärisch eingefangen.
Der Autor Christopher Wurmdobler porträtiert Einrichtung, Angebot und Publikum, notiert kulinarische Details samt allem, was man für einen Kaffeehausbesuch wissen muss – und trifft mit feinem Gespür den besonderen Ton jedes Hauses. Ergänzt wird das Buch durch stimmungsvolle Fotos, die die Kaffeehaus-Atmosphäre fast greifbar machen.
Ein charmantes Kaffeehaus-ABC, Tipps für feine Röstereien, Coffeeshops und Konditoreien sowie ein praktisches Register nach Namen und Bezirken geordnet runden den Kaffeehausführer ab. Ein unverzichtbarer Begleiter für Wiener:innen, Gäste und alle, die das Kaffeehaus lieben.
| Reihe | Kultur für Genießer |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 07.11.2025 |
| Umfang | 256 Seiten |
| Genre | Reiseführer: Essen und Trinken |
| Format | Gebundene Ausgabe |
| Verlag | Falter Verlag |
| EAN | 9783991660323 |
| Sammlung | Tag des Kaffees Bücherpost Sommer 2026 Aktuelle Bücher aus dem Falter Verlag Bücherpost 2026 |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Falter Verlagsges.m.b.H Marc-Aurel-Straße 9 | AT-1011 Wien produktsicherheit@falter.at |
Anna Goldenberg in Falter 1-3/2026 vom 2026-01-14 (S. 38)
Die Frage nach seinem Lieblingskaffeehaus kann er nicht beantworten. Zu schwer fällt Christopher Wurmdobler die Entscheidung.
Niemand weiß so genau wie er, womit die Hauptstadt des Kaffeehauses aufwartet: Er hat nämlich jedes einzeln getestet.
In Christopher Wurmdoblers neuestem Buch, "Kaffeehäuser in Wien" (Falter Verlag), beschreibt er knapp 90 Wiener Kaffeehäuser -"klassische" Kaffeehäuser, aber auch moderne Versionen sowie Konditoreien und Coffeeshops. Es ist eine aktualisierte Auflage dieses Guides; 2005 und 2010 erschienen die Vorgänger.
Wurmdobler leitete damals das Ressort Stadtleben im Falter. 2015 verließ er das Haus nach rund 20 Jahren, nach kurzer Zwischenstation beim Magazin News ist Wurmdobler heute hauptsächlich Romanautor und Schauspieler. Nun hat sich der vielseitige Mann wieder dem Journalismus zugewandt und in den Kaffeehäusern der Stadt recherchiert. Seit 2011 zählt die Unesco die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe. 2200 Gastronomiebetriebe mit Kaffeehauskonzession gibt es in Wien, doch nur ein kleiner Teil davon fällt unter das, was sich als klassisches Wiener Kaffeehaus bezeichnen lässt.
Was macht diese Institution also aus? Welche Geschichte steckt dahinter und welche Geschichten stecken darin? Und sperren wirklich immer mehr Kaffeehäuser zu?
Wurmdobler, der 2011 vom Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer mit dem Goldenen Verdienstzeichen ausgezeichnet wurde, gibt Auskunft.
Falter: Sie sind Chronist des Wiener Kaffeehauses, haben über 90 davon probiert. Was also macht das klassische Wiener Kaffeehaus aus?
Christopher Wurmdobler: Ein Wiener Kaffeehaus kann man nur in Wien erleben und setzt sich nach meiner Theorie aus vielen einzelnen Faktoren zusammen. Das fängt bei der Einrichtung an, die meistens aus Marmortischchen, Thonetmöbeln und umlaufenden gepolsterten Bänken besteht.
Es geht weiter mit einer Telefonzelle, die seit Jahrzehnten schon nicht mehr benutzt wird, aber die trotzdem noch die meisten Cafés ziert. Darin bewahren die Betreiber meistens ihre Sesselauflagen für die Schanigärten oder dergleichen auf. In Wiener Kaffeehäusern gibt es eine Uhr über der Eingangstür, die signalisiert, dass man ewig bei einem Kaffee sitzen kann, ohne rausbefördert zu werden - und natürlich den Löffel, der auf dem Wasserglas liegt, mit der Gesichtsseite nach unten, neben dem Kaffee. Beides wird auf einem Silbertablett serviert.
Warum hat sich diese Art Kaffeehaus genau in Wien entwickeln können?
Wurmdobler: Es ist wahrscheinlich kein Zufall, sondern geht auf die Türkenbelagerung Ende des 17. Jahrhundert zurück, die den Kaffee nach Wien brachte. Es hat aber auch mit dem Bürgertum zu tun, das im 19. Jahrhundert adelige Kulturpraktiken übernehmen wollte. Für das Buch habe ich den Architekten Gregor Eichinger interviewt, er hat viele Lokale selbst eingerichtet. Er beschreibt, dass die Insignien von Aristokratie im Kaffeehaus Verwendung fanden. Die Lokale waren damals extrem wertvoll ausgestattet: Es gab silberne Türschnallen, goldene Wasserhähne, wertvolles Geschirr -und eben das Silbertablett.
Die Bürger sind ins Kaffeehaus gegangen, um sich ein bisschen adelig zu fühlen.
Wurmdobler: Vermutlich. Vieles ist noch übrig -zum Beispiel der Silberlöffel. Das hängt mit der Frage zusammen, warum man ein Wasser zum Kaffee bekommt. Es gibt unterschiedliche Erklärungen: um die Säure vom Kaffee aus der Speiseröhre rauszukriegen, um die Zahnzwischenräume zu reinigen oder weil Kaffee entwässert. Aber warum liegt der Silberlöffel auf dem Wasserglas? Laut Gregor Eichinger stammt das aus der Zeit der frühen Kaffeehäuser, vor 150,200 Jahren, als Zucker etwas Wertvolles war. Damals stand nur eine große Zuckerdose auf dem Tisch. Wenn man mit seinem Löffel Zucker genommen hat und nach dem Umrühren Zucker nachlegen wollte, sollte man dazwischen seinen Löffel abwaschen, damit die Kaffeereste nicht den Zucker verunreinigen.
Und warum muss es ein Silbertablett sein?
Wurmdobler: Es gab offenbar die große Angst, dass die Säure vom Kaffee die empfindlichen Marmoroberflächen angreift. Und deswegen wurde ein Tablett darunter gestellt, damit nichts auf das Marmortischchen tropft. Ich glaube aber nicht, dass Kaffee tatsächlich dermaßen viel Säure hat. Mittlerweile servieren auch Lokale ohne Marmortische ihren Kaffee auf Silbertabletts.
Wiener Kaffeehäuser haben nicht gerade den besten Ruf, was die Qualität des Kaffees angeht. Oder hat sich das mittlerweile geändert?
Wurmdobler: In vielen Kaffeehäusern ist auch der Kaffee inzwischen gut. Aber man geht ja nicht unbedingt für den Kaffee ins Kaffeehaus. Sondern auch, um Menschen zu treffen, um zu arbeiten, um zu essen, oder zu später Stunde auch Bier oder Wein zu trinken. Es geht eher um die Atmosphäre und das Dortsein. Diese Einladung "Gehen wir auf einen Kaffee?" ist wunderbar unverbindlich, kann geschäftlich oder privat sein. In keiner anderen Stadt gibt es das so.
Wer nur den Kaffee will, findet in Ihrem Buch auch einige Beiträge über Coffeeshops -"wo Kaffee-Enthusiast:innen auch in Wien auf ihre Kosten kommen".
Wurmdobler: Dort wird dann lange darüber diskutiert, ob dieser Kaffee jetzt aus dem Filter kommt oder wie viel Grad das Wasser haben muss. Solche Orte gibt es und die sind auch wichtig. Aber da geht man nicht hin, um viele Stunden zu verweilen. Ich werde übrigens oft nach diesen vielen Kaffeekreationen gefragt, die in den Karten der Wiener Kaffeehäuser stehen - Maria-Theresia-Kaffee oder Sisi-Melange zum Beispiel. Das zielt auf Touristen ab. Wer regelmäßig ins Café geht, der trinkt Melange, Verlängerten, einen kleinen Braunen, einen kleinen Schwarzen und so weiter.
Klassisch sind auch die sogenannten Kaffeehausspeisen - Sacherwürstel, Schinken-Käse-Toast, Mayonnaise-Ei. Wie passt das zu einem bitteren Heißgetränk?
Wurmdobler: Nicht zu vergessen das Gulasch! Für mich als Deutschen ist es immer noch bizarr, diese Frankfurter Würstel mit Gulaschsaft zu servieren. Es gibt im Kaffeehaus Imbisse, weil das Kaffeehaus -ursprünglich zumindest - kein Restaurant ist. Inzwischen haben alle Lokale große Küchen und Speisekarten, sind also eigentlich Café-Restaurants. Auch das ist für mich etwas Besonderes am Wiener Kaffeehaus: Ich käme mir komisch vor, alleine in ein Restaurant zu gehen und dort zu essen. Aber im Kaffeehaus ist mir das wurscht.
Sie sind kein gebürtiger Wiener, sondern am Bodensee in Deutschland aufgewachsen. Was war Ihre erste Wiener Kaffeehaus-Erfahrung?
Wurmdobler: Ich bin als junger Erwachsener nach Wien gekommen. Meine Vorstellung von Kaffeehaus war, dass da alte Leute Kaffee und Kuchen konsumieren -also nichts für jemanden, der Anfang 20 ist. Als mich Freunde zum ersten Mal ins Kaffeehaus verschleppten, habe ich gesagt: Warum gehen wir nicht in eine Szenebar? Wir gingen aber ins Café Jelinek in der Otto-Bauer-Gasse. Es war runtergekommen und total überheizt, weil ein amerikanischer Kaminofen drin steht. Die Möbel waren so durchgesessen, dass die resolute Wirtin einem von uns die zwei Wiener Telefonbücher unter den Hintern schob, damit er besser sitzen konnte und sein Kinn über Tischhöhe war.
Im Buch sind 50 klassische Wiener Kaffeehäuser porträtiert. In der bisher letzten Ausgabe, die 2010 erschien, waren es aber noch 70. Also ist das Kaffeehaussterben, über das auch der Falter immer wieder berichtet, tatsächlich so fatal?
Wurmdobler: Auch ich habe als Journalist sicher drei, vier Geschichten zum Kaffeehaussterben geschrieben. Bei manchen Cafés gibt es in der Familie niemanden, der es weiterführen möchte. Andere Kaffeehäuser können nicht überleben, weil die Mieten zu hoch sind oder es keine Kundschaft mehr gibt. Das Café Griensteidl am Michaelerplatz schloss 2017. Von dem dachte man, das wird es immer geben. Aber an diesem Standort mit diesen Mieten kannst du wahrscheinlich kein Kaffeehaus führen, in dem viele Leute nur sitzen und vier Stunden verbringen wollen. Ähnlich erging es dem Café Markusplatz, früher Café Tuchlauben, das 2016 zusperrte. Dort ist jetzt ein Modegeschäft; es ist eine Gegend der hochpreisigen Fashionstores. In solchen Lagen als kleines Kaffeehaus zu überleben, wird nicht leichter.
Auch das Bräunerhof, ebenfalls ein Innenstadtkaffeehaus, ist gerade geschlossen.
Wurmdobler: Genau, das Café Bräunerhof wurde regelmäßig totgesagt. Jetzt ist es gerade zu, aber es wird 2026 unter neuen Eigentümern wieder aufsperren. Unter den 50 Kaffeehäusern, die jetzt noch im Buch übrig sind, sind auch einige neue. Das jüngste Wiener Kaffeehaus ist das Anfang 2025 eröffnete Kaffee Kunze im ehemaligen Café Auersperg.
Ich dachte, ein klassisches Wiener Kaffeehaus muss alt sein?
Wurmdobler: Je neuer etwas ist, desto schwieriger wird es, ein klassisches Wiener Kaffeehaus zu werden. Weil es auch um die Atmosphäre geht, die mit der Zeit entsteht.
Was brauchen Kaffeehausbetreiber, um die Kultur zu bewahren?
Wurmdobler: Was sie fordern, sind Steuererleichterungen. Ihr Argument ist, dass das Kaffeehaus wichtig für das Image einer Stadt ist. Ab 2009 mussten Lokalbetreiber Raucher-und Nichtraucherbereiche trennen. Sie haben viel Geld in Trennwände mit elektronischen Türen und dergleichen investiert. Ein paar Jahre später, mit 2019, war das obsolet, weil alle Lokale rauchfrei wurden. Das Geld war weg, und das einigermaßen sinnlos. Die Mitbesitzerin des Café Weidinger hat entschieden, diese Trennwand stehen zu lassen. Als Mahnmal.
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