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Kurzbeschreibung des Verlags
Ab den 1960ern wurde Südtirol zum Tourismuslabor: Aus Bauern wurden Hoteliers und Skilehrer, stille Täler mutierten zu Bühnen einer neuen Erlebnisgesellschaft – bis die Spekulationsblase platzte.
Der Blick zurück zeigt, wie Südtirol mit einem als typisch gedachten Angebot an Souvenirs, Musik und Kulinarik zur Marke wurde. Gleichzeitig wusste auch die Bevölkerung die neu entstandenen Lifte, Freibäder und Diskos zu schätzen.
Ein wort- und bildstarker Essay mit vielen Stimmen von Zeitzeug:innen, historischen Fotos und farbenfrohen Werbesujets
Wie hängt der separatistische Terrorismus Anfang der 1960er-Jahre mit der Entwicklung des Tourismus zusammen? Paul Rösch und Patrick Rina geben in ihrem Buch "Wilde Jahre" eine überraschende Antwort. Vorher kamen ungefähr gleich viele Gäste aus Italien und Deutschland in das Land an der Etsch. Die Bomben verschreckten die südlichen Besucher, während jene aus dem Norden vermehrt buchten. Einige deutsche Touristen halfen den Separatisten sogar, antiitalienische Transparente zu malen.
Den Autoren gelingt ein an Recherchetiefe, Bebilderung und Erzählfreude kaum zu überbietender Einblick in eine lokale Tourismusgeschichte, die gleichzeitig auch einen allgemeinen Umbruch vermittelt.
Im selben Maße, in dem die moderne Zeit in die armen Bergtäler Einzug hielt, entwickelte sich die Sehnsucht nach einer folkloristischen Idylle. Bauern verließen ihre Steinhäuser -und verkauften die Möbel als Antiquitäten. Radio und Fernsehen ersetzten religiöse Prozessionen und Hausmusik. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach volkstümlicher Musik. Wohnzimmerproduzenten lieferten in den 1970er-Jahren "Zipfel-eini-Zipfel-außi"-Hits für die Hüttengaudi.
"Wilde Jahre" erinnert an die Zeit, als Landbewohner im Sommer ihre Schlafzimmer räumten, um daraus Fremdenzimmer zu machen. Garni-Betreiber warben für fließend Deutsch und Warmwasser, Kuhdörfer wie Schenna bei Meran wuchsen zu monotonen Bettenburgen heran. Das Buch dokumentiert die Angst der Konservativen vor kommunistischen Umtrieben, die mit der Ansiedlung von Industriebetrieben hätten einhergehen können. Und die Aufwertung lokaler Küchenrezepte: In der traditionellen, französisch geprägten Hotellerie waren Knödel und geräucherte Hauswürste lange verpönt. Wer sich heute über Overtourism beklagt: Protest gegen den "Landschaftsfresser" Tourismus und "Wuchermieten für Arbeiter" gab es bereits in den "wilden Jahren".