JOSEFINE MUTZENBACHER

246 Seiten, Taschenbuch
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre
ISBN 9791041905508
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 29.01.2023
Größe 220 x 170 mm
Verlag Culturea
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HerstellerangabenAnzeigen
info@bod.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Man sagt, daß aus jungen Huren alte Betschwestern werden. Aber das trifft bei mir nicht zu. Ich bin frühzeitig zur Hure geworden, ich habe alles erlebt, was ein Weib im Bett, auf Tischen, Stühlen, Bänken, an kahle Mauerecken gelehnt, im Grase liegend, im Winkel dunkler Haustore, in chambres séparées, im Eisenbahnzug, in der Kaserne, im Bordell und im Gefängnis überhaupt nur erleben kann, aber ich bereue nichts von alledem. Ich bin heute bei Jahren, die Genüsse, die mein Geschlecht mir bieten kann, sind im Entschwinden begriffen, ich bin reich, bin verblüht, und sehr oft ganz vereinsamt. Aber es fällt mir nicht ein, obgleich ich immer fromm und gläubig gewesen bin, jetzt Buße zu tun. Aus Armut und Elend wie ich entstammt bin, habe ich alles meinem Körper zu verdanken. Ohne diesen gierigen, zu jeder Sinnenlust frühzeitig entzündeten, in jedem Laster von Kindheit auf geübten Körper, wäre ich verkommen, wie meine Gespielinnen, die im Findelhaus starben oder als abgerackerte, stumpfsinnige Proletarierfrauen zugrunde gingen. Ich bin nicht im Dreck der Vororte erstickt. Ich habe mir eine schöne Bildung erworben, die ich nur einzig und allein der Hurerei verdanke, denn diese war es, die mich in Verkehr mit vornehmen und gelehrten Männern brachte. Ich habe mich aufklären lassen und gefunden, daß wir armen, niedrig geborenen Weiber nicht so viel Schuld haben, als man uns einreden möchte. Ich habe die Welt gesehen und meinen Gesichtskreis erweitert, und alles das verdanke ich meinem Lebenswandel, den man einen 'lasterhaften' nennt. Wenn ich meine Schicksale jetzt aufschreibe, so tue ich das nur, die Stunden meiner Einsamkeit damit zu kürzen, und was mir jetzt abgeht, aus der Erinnerung wenigstens herbeizuschaffen. Ich halte das für besser als bußfertige Erbauungsstunden, die meinem Pfarrer wohl gefielen, die mir aber nicht zu Herzen gingen und mir nur eine grenzenlose Langeweile bereiten würden. Auch finde ich, daß der Lebensgang von Meinesgleichen nirgends aufgeschrieben steht. Die Bücher, die ich danach durchsucht habe, erzählen nichts davon, und es wäre vielleicht doch gut, wenn die vornehmen und reichen Herren, die sich an uns ergötzen, die uns locken und sich von uns alle unmöglichen Dinge aufbinden lassen, einmal erfahren würden, wie es in einem jener Mädchen aussieht, die sie so brünstig in ihre Arme schließen, woher es stammt, was es erlebt hat, und was es denkt.

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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre
ISBN 9791041905508
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Erscheinungsdatum 29.01.2023
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Über den Autor

Felix Salten, geboren 1869 in Pest/Ungarn als Siegmund Salzmann, wandte sich nach abgebrochener Schulausbildung und Anstellung bei der Phönix-Versicherung dem Journalismus zu. Unter anderem war er bei "An der schönen blauen Donau", "Zeit", "Moderne Dichtung" oder "Wiener Allgemeine Zeitung" tätig. 1900 erschien Saltens Debütnovellenband "Der Hinterbliebene". Danach schrieb er Gastbeiträge für zahlreiche wichtige österreichische und deutsche Zeitungen und Zeitschriften, ehe er nachdem das 1901 gegründete Kabarett "Jung-Wiener Theater Zum Lieben Augustin" erfolglos schließen musste, 1914 Sonntagsfeuilletonist der "Neuen Freien Presse" wurde. Zu Saltens Werken gehören Erzählungen und Novellen, Romane, Tiergeschichten, Reiseberichte, Porträts, Drehbücher und Theaterstücke. Große Bekanntheit erlangte der Schriftsteller durch die später von Walt Disney verfilmten Werk "Bambi", "Perri" und "Der Hund von Florenz". Die Autorenschaft über den Aufsehenerregenden Roman "Josefine Mutzenbacher" wird Salten nicht endgültig geklärt zugeschrieben. 1939 verließ er Wien und fand Exil in Zürich. Felix Salten verstarb 1945 und gilt heute als bedeutender Vertreter des Jungen Wien.

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